Wenn Josef mit der Josefina

Josef ist in; im «Freihof» drin. Dies galt zumindest am Josefstag, dem 19. März. Denn da fand am Abend das Treffen der Gossauer Josefen und Josefinen statt. Für «Freihof»-Besitzer Sepp Brunschwiler ist es Ehrensache, den alten Gossauer Brauch wieder aufleben zu lassen.

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Seppentreffen am Josefstag: Die Seppen, Josis und Josefinen kamen zahlreich in den «Freihof» Gossau und hatten sich viel zu erzählen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Seppentreffen am Josefstag: Die Seppen, Josis und Josefinen kamen zahlreich in den «Freihof» Gossau und hatten sich viel zu erzählen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Josef ist in; im «Freihof» drin. Dies galt zumindest am Josefstag, dem 19. März. Denn da fand am Abend das Treffen der Gossauer Josefen und Josefinen statt. Für «Freihof»-Besitzer Sepp Brunschwiler ist es Ehrensache, den alten Gossauer Brauch wieder aufleben zu lassen.

Eine Josefsbruderschaft? «Nicht ganz», verrät Josef Vogel, einer der Josefs der ersten Stunde. «Zu dritt haben wir einst begonnen, haben uns am Morgen getroffen und dann gleich weitergemacht bis zum Abend.» An Lokalen fehlt es in Gossau nicht.

Wunsch und Wahrheit

Möglich, dass an so langen Beizentagen die Erinnerung an den Anfang etwas verschwommen ist. So berichtet Josef Vogel von langen, wilden Josefsabenden, Erzählungen aus einem wunderlichen Gemisch von Wunsch und Wahrheit. «Ja, und dann, wenn der Pfarrer jeweils verschwunden war, haben wir zwei Strip-Girls aus Zürich auftreten lassen.» Was es früher aber sicher gab, war eine Abendmesse in der Andreaskirche, in der dem heiligen Josef ein Altarbild gewidmet ist: ein würdevoller, etwas älterer Herr, mit einem munteren Jesusknaben an der Hand.

Muss man älter sein, um Josef zu heissen? Fast scheint es so. In der Josefen-Runde sucht man vergeblich nach Jugendlichen. Einer der jüngsten ist Sepp Koller, Pfarreibeauftragter der Paulus-Kirche. Er kommt direkt aus Engelburg, wo er am Morgen noch das Konventamt der Mönche besucht hat. Dort wurde in der Predigt an Papst Johannes XXIII. erinnert, der den heiligen Josef sehr verehrt hatte; er nannte ihn einen überlegten, besonnenen Mann, der erst nachgedacht und erst dann geredet habe. Gilt auch für die Josefsrunde, die das stille Geniessen genauso liebt wie schallendes Gelächter.

Als katholisch erkannt

«Eigentlich ist es schade, dass der Name Josef am verschwinden ist», sagt einer der versammelten Seppen; «von meinen zwölf Grosskindern heisst gerade noch eines so und das nur mit dem zweiten Namen.» Wie lebt man mit dem Namen Josef? Die Erfahrungen sind unterschiedlich. «Man wird gleich als katholisch erkannt; protestantische Josefs gibt es kaum.» Diese Erfahrung haben die meisten gemacht. Gehänselt wurden sie deshalb nicht. Und auch im Krippenspiel musste ein Josef nicht automatisch den Josef spielen.

Hännisepp und Herzenssepp

Ganz speziell und wohl ziemlich einmalig ist der Name Johannes-Josef: «Die Mutter hatte sich einen andern Namen ausgedacht, den Vater zur Gemeinde geschickt, aber bis er dort angekommen war, hat er ihn vergessen.» Da habe er einfach so etwas wie Johannes und Josef gemurmelt. Der Name wurde schliesslich zu Hännisepp. Ähnliches erzählt ein anderer Gast. Er sollte René heissen. Weil der Schalterbeamte aber nicht richtig zuhörte, wurde er als Reno eingetragen. Seine Anwesenheit zeigt, dass man an diesem Abend nicht unbedingt Josef heissen muss. Es genügt, mit dem Herzen ein Sepp zu sein.

«De Seppel isch en Ma»

«Ich hätte lieber Silvia geheissen», sagt eine Frau; «doch Josefine war der Name der Gotte; da hatten die Eltern keine andere Wahl.» Die Frauen haben sich geholfen, ihren Namen in Fina oder Josy verwandelt; die Männer vertauschten Josef mit Sepp. Das wird denn auch zum Eröffnungssong des Abends: «De Seppel, de Seppel, de Seppel isch en Ma!» begrüssen sieben aufgestellte Musiker die Abendgesellschaft. Die Musik der HGQ-Kapelle passt zum grossen Braulokal und dem Dirndlkostüm der Angestellten. Ein rhythmisch eingesetztes Waschbrett erinnert die Josefs an die verschwundenen Waschbrettbäuche.

Am Schluss erhält jeder Sepp vom Wirt noch einen Fünfliber-Gutschein, einlösbar beim nächsten Besuch im «Freihof»; spätestens am Josefstag im nächsten Jahr. (J. O.)

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