Wenn Heizen nichts nützt

Das erste Rückrundenspiel des FC St. Gallen fiel dem vereisten Boden zum Opfer. Die Rasenheizung könne nicht verhindern, dass dieser gefriert, heisst es beim Fussballclub.

David Gadze
Merken
Drucken
Teilen

Am vergangenen Sonntag hätte der FC St. Gallen zur Rückrunde der Fussballmeisterschaft starten sollen. Das Spiel gegen den FC Thun musste jedoch wegen der Winterverhältnisse verschoben werden. Der Rasen konnte zwar rechtzeitig vom Schnee befreit werden, an ein Fussballspiel war aber dennoch nicht zu denken. Das Spielfeld war an einigen Stellen – vor allem dort, wo die Sonne nicht schien – mehr Eisfläche als Fussballplatz.

Zu kalt für Rasenheizung

Dabei dachte man, nach dem Umzug vom Espenmoos in die moderne und mit einer Rasenheizung ausgestattete AFG Arena gehörten Spielverschiebungen infolge von Schnee und Eis endgültig der Vergangenheit an. «Die Rasenheizung lief zehn Tage vor dem Spiel praktisch ohne Unterbruch», sagt Mediensprecher Daniel Last. Noch am Samstag sei der Platz in einem sehr guten Zustand gewesen. «Wir hätten problemlos spielen können.» In der Nacht auf Sonntag, als die Temperaturen in der Stadt in den zweistelligen Minusbereich absackten, sei der Boden jedoch gefroren, sagt Last. Bei so tiefen Temperaturen könne selbst eine Rasenheizung nichts mehr ausrichten.

Machtlos ist sie auch gegen den Schnee. Eine dünne Schneeschicht könne geschmolzen werden. Grössere Schneemassen müssen aber weiterhin mit Muskelkraft und Schaufeln beseitigt werden. «Die Rasenheizung dient vor allem dazu, dass der Boden nicht gefriert. Das ist aber nur bis zu einem gewissen Minusbereich möglich», sagt Last. Ein zusätzliches Problem sei, dass sie je nach Temperatur des Bodens nicht mit voller Kraft betrieben werden könne, da dieser sonst kaputt- gehe. Um das zu verhindern, sind unter dem Spielfeld verschiedene Temperatursensoren installiert. Sie ermöglichen die Einstellung der richtigen Heiztemperatur.

Ein dichtes Rohrnetz

Das gesamte Rohrsystem im Boden der AFG Arena misst rund 27 Kilometer. Die Rohre, die laut Last eine «spezielle Ummantelung» haben, befinden sich in einer Tiefe von circa 25 Zentimetern. Ihr Aussendurchmesser beträgt 25 Millimeter. Im Abstand von 30 Zentimetern bilden sie unter dem Spielfeld ein engmaschiges Netz, das im Winter vor allem dafür sorgt, dass die Wurzeln der Grashalme nicht erfrieren. «Die Wurzeltemperatur sollte bei 15 Grad liegen. Auch wenn sie zu hoch ist, wird der Rasen beschädigt», sagt Last.

Gemäss dem deutschen Fachmagazin «Technik am Bau» fliessen in der AFG Arena rund 17 000 Liter Wärmeflüssigkeit durch die Rohre, angetrieben von 71 Pumpen. Dabei handelt es sich um ein Gemisch aus einer glykolbasierten Flüssigkeit und entsalztem Warmwasser. Wie lange es dauert, einen gefrorenen Boden wieder aufzutauen, hängt laut Daniel Last von verschiedenen Faktoren wie der Lufttemperatur ab.

Kosten bleiben geheim

Die Rasenheizung der AFG Arena läuft an etwa 85 Tagen im Jahr. Zum Energieverbrauch und den Kosten für den Betrieb wollte sich der FC St. Gallen nicht äussern. Vereine in der Bundesliga sprechen jedoch von etwa 2000 Euro pro Tag, also rund 2500 Franken.