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Wenn der Windelmann klingelt

Saubere Stoffwindeln bringen, dreckige abholen und waschen. Als Hans Schürmann vor 20 Jahren mit seinem «Schüwi Windelservice» anfing, war die Idee, etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Und damit reich zu werden. Aber es kam anders.
Montag ist Windelservice-Tag: Der 68jährige Hans Schürmann besucht seine Kundinnen persönlich, wie hier Bettina Schneider mit Tochter. (Bild: Michel Canonica)

Montag ist Windelservice-Tag: Der 68jährige Hans Schürmann besucht seine Kundinnen persönlich, wie hier Bettina Schneider mit Tochter. (Bild: Michel Canonica)

Engelburg. Hans Schürmann hatte grosse Pläne. Sah sich bereits als Unternehmer mit vielen Angestellten. Und seinen Abhol- und Waschservice für Stoffwindeln als die Idee, auf welche die Schweiz gewartet hatte: Eine ökologische und saubere Alternative zu den Wegwerfwindeln.

Das war 1990. Als die halbe Welt seit Jahren von Waldsterben und saurem Regen redete. Und medial auch der letzte Baum schon fast für tot erklärt war. In Kanada hatten bereits mehrere Provinzen ein Verbot für Plastikwindeln erlassen. «Das kommt in der Schweiz sicher auch und dann habe ich die Nase vorn», dachte sich der heute 68-Jährige, kniete sich voll rein und bot als einer der ersten in der Schweiz einen Stoffwindelservice an. Aber auf die grossen Pläne folgte die grosse Ernüchterung.

Hobby statt Existenz

Es ist Montagmorgen und Hans Schürmann, kurz «Schüwi» genannt, macht sich mit einem Auto voller Stoffwindeln von Engelburg aus auf den Weg. St. Gallen, Wil, Kreuzlingen, Romanshorn, Speicher, Bühler. 50 saubere Windeln abliefern, 50 dreckige mitnehmen. Jede Woche, bei jedem Kunden. Einige erwarten Schüwi bereits an der Tür, bitten ihn zum Kaffee, plaudern über dies und das. Bei anderen stellt er die sauberen Windeln in den Milchkasten – und legt einen Sugus dazu. «Heute mache ich es nur noch aus Freude und Überzeugung», sagt Hans Schürmann, der sich längst damit abgefunden hat, dass sein Windelservice wohl nie ein Renner wird. Enttäuscht ist er deswegen nicht. «Nicht jede gute Idee wird zu einem Hit», sagt der gelernte Chauffeur und: «Wenn etwas gleich teuer ist und zudem noch komplizierter, dann ist bei den meisten Leuten Feierabend.»

Um die 100 Franken pro Monat kostet der volle Windelservice: «Etwa gleich viel wie die teuersten Wegwerfwindeln», sagt Hans Schürmann. Rund die Hälfte der Einnahmen liefert er gleich wieder ab fürs Waschen. Die dreckigen Windeln bringt er nach Bronschhofen, wo sie wie Operationswäsche gereinigt werden.

100 bis 120 Kunden wären nötig, um sich eine Existenz aufzubauen. Aktuell beliefert Schüwi knapp zwei Dutzend Kunden. Vom Handlanger über Lehrer, Architekten bis zu Ärzten. Alles «spezielle Menschen», solche, die sich Gedanken machten, sagt er. Auch dies hat Hans Schürmann in den 20 Jahren gelernt. «Ich kann niemanden überzeugen, Stoffwindeln zu verwenden. Die Überzeugung muss schon da sein.» Was er allerdings nicht versteht: «Dass es nicht mehr Eltern zumindest probieren.» Denn man könne ja jederzeit wieder aufhören. Einen Vertrag muss bei Schüwi niemand unterschreiben.

Kind wird früher trocken

Hans Schürmann klingelt bei Bettina Schneider und Daniel Hofstetter. Die Mutter einer fünfmonatigen Tochter freut sich, wenn Schüwi vorbeikommt. «Er ist so herzlich», sagt sie, die ihr Töchterchen seit der Geburt mit Stoffwindeln wickelt. Einerseits, weil die Hebammen im Geburtshaus in Steinach es empfahlen. Aber auch, «um den Abfallberg kleiner zu halten, weil Stoffwindeln ohne Chemikalien auskommen und weil das Kind früher trocken wird, da es die Nässe spürt». Für Hans Schürmann kommt ein weiterer Vorteil hinzu. «Mit Stoffwindeln kann man breiter wickeln, was wichtig ist für die Bildung der Hüftgelenke.»

Lieblingstag Montag

Der Montag ist Windelservice-Tag. Bei der Regiobus AG, für die Hans Schürmann seit 18 Jahren fährt und wo er sein Geld verdient, erhielt er darum immer frei. Denn der Montag ist dem Engelburger lieb geworden. Ihm, den das Leben nicht mit Samthandschuhen angefasst hat. Scheidung, Konkurs, einen Sohn verloren im Kindesalter, der zweite leicht behindert. Das Lachen hat der 68-Jährige aber nicht verlernt. «Mit jungen Leuten zusammen zu sein, hält auch jung», sagt er. Daheim in seinem Büro an der Kreuzstrasse hängen Dutzende Geburtsanzeigen von «seinen» Kindern. Erst kürzlich sei er einem von ihnen in der Stadt begegnet. Habe mit ihm über die Lehre geplaudert und festgestellt: Auch die werden älter.

Corinne Allenspach

Weitere Infos: Schüwi-Windelservice, Telefon 078 689 40 93

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