Wenn der Schiri nichts hört

RORSCHACH. Der FC Rorschach gewann am Samstag sein letztes Heimspiel in diesem Jahr gegen Triesen mit 3:1. Geleitet wurde das Spiel von Tuncay Niederberger aus Bilten. Er ist gehörlos.

Res Lerch
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Schiedsrichter Tuncay Niederberger in Aktion. Vorne im Bild ist der Rorschacher Spieler Sevalj Ljatifi zu sehen. (Bild: Michel Canonica)

Schiedsrichter Tuncay Niederberger in Aktion. Vorne im Bild ist der Rorschacher Spieler Sevalj Ljatifi zu sehen. (Bild: Michel Canonica)

Premiere auf dem Rorschacher Fussballplatz Pestalozzi: Erstmals leitet ein gehörloser Schiedsrichter ein Spiel in Rorschach. Tuncay Niederberger ist seit Geburt gehörlos und leitet seit einiger Zeit Fussballspiele der 2. und 3. Liga. So erstaunt es nicht, dass beide Vereine ihn bereits als Spielleiter hatten.

Keine Unterschiede

Die Matchvorbereitung verlief für das Schiedsrichtertrio ganz normal. Da gab es keine Unterschiede zu den hörenden Schiedsrichtern. Bei der Spielerkontrolle wurde offen kommuniziert, dass der Schiedsrichter gehörlos sei. Auf dem Spielfeld löste Tuncay Niederberger die Aufgabe als Schiedsrichter bravourös, war unauffällig und trotzdem immer auf Ballhöhe. Dass seine Interventionen auch zu Reaktionen der Spieler führten, ist etwas ganz Typisches im Fussball der unteren Ligen.

Das Fussballspiel zwischen Rorschach und Triesen war ein typisch umkämpftes 2.-Liga-Spiel. Rorschach ging in der ersten Hälfte durch Yves Baumann in Führung, musste aber kurz vor der Pause wegen eines direkt verwandelten Eckballs den Ausgleich hinnehmen. Der Rorschacher Torwart Dario Leasi reklamierte lauthals, dass er von einem Gegner behindert wurde. Seine Reklamation war in diesem Fall aber fruchtlos.

In der zweiten Halbzeit nahm die Intensität nochmals zu. Rorschach war bestrebt, gegen das bisher noch sieglose Triesen den fünften Saisonsieg zu erreichen. Dank zwei Toren des aktuell besten Rorschacher Stürmers Oliver Baumann gelang dies dann auch. Jetzt waren es die Gäste aus dem Fürstentum, die mit den Entscheiden und vor allem den Nichtinterventionen der Linienrichter haderten. Aber auch in diesen Situationen war Tuncay Niederberger Chef auf dem Platz.

Etwas erreichen

Für das Interview nach dem Spiel wurde Renato Pesavento als Gebärdendolmetscher beigezogen. Für Tuncay Niederberger, der als Metallbauer und Hauswart arbeitet, ist es wichtig, dass er trotz seiner Beeinträchtigung etwas erreicht hat. «Man kann, wenn man will. Und ich will», liess er sich übersetzen.

So gab es am Samstagabend mehrheitlich zufriedene Gesichter auf dem Pestalozziplatz. Der Schiedsrichter freute sich mit seinen Linienrichtern Max Kressig und Serkan Keskin, ein weiteres Spiel erfolgreich durchgezogen zu haben. Und die Rorschacher natürlich darüber, dass sie sich mit einem weiteren Vollerfolg im vorderen Bereich der Tabelle festsetzen können. Den Triesenern war anzusehen, dass sie enttäuscht sind. Aber das gehört zum Sport und macht ihn auch so faszinierend.