Weniger Verkehr auf Gallusplatz

ST.GALLEN. Seit einem Jahr ist die Durchfahrt auf dem Gallusplatz gesperrt. Weil sich die Anzahl der Fahrzeuge um mehr als die Hälfte reduziert hat, ziehen Verkehrsplaner eine positive Bilanz. Der Quartierverein sieht Verbesserungspotenzial.

Janique Weder
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Wer den Gallusplatz trotz Verbot für die Durchfahrt benutzt, dem droht eine Busse. 141 «Zettel» hat die Polizei im vergangenen Jahr hier verteilt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Wer den Gallusplatz trotz Verbot für die Durchfahrt benutzt, dem droht eine Busse. 141 «Zettel» hat die Polizei im vergangenen Jahr hier verteilt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das Messgerät an der Gallusstrasse 41 zählte im vergangenen November 1100 Fahrzeuge pro Tag. Das sind mehr als die Hälfte weniger als noch ein Jahr zuvor. Damals fuhren 2400 Autos über den Gallusplatz. Für Christian Hasler, Bereichsleiter Verkehr vom städtischen Tiefbauamt, ist das ein Erfolg: «Der Verkehr hat abgenommen; es findet wieder Leben statt auf dem Gallusplatz.»

Beliebter Schleichweg

Bis vor einem Jahr sah das noch anders aus. Für die Autofahrer war der Gallusplatz ein beliebter Schleichweg, um von der Moosbruggstrasse über die Wassergasse am Hotel Einstein vorbei auf die andere Seite der Altstadt zu gelangen – oder umgekehrt.

Im Januar 2014 aber zog die Stadt einen Schlussstrich unter die jahrelangen Querelen um den Verkehr in der südlichen Altstadt und sperrte die Ost-West-Achse auf dem Gallusplatz. Seither ist es verboten, den Platz für die Durchfahrt zu benutzen. Nur Anwohnern, Zubringern, Transporteuren sowie Bussen ist die Zufahrt zur Altstadt weiterhin gestattet.

Weniger Autos, mehr Fussgänger

Ein positives Fazit zieht ein alteingesessener Ladenbesitzer am Gallusplatz. Stefan Fehr von der Klosterdrogerie sagt: «Die Langsamkeit ist angekommen.» Seit einem Jahr habe es weniger Autos, dafür mehr Fussgänger auf dem Platz.

Daran hat auch der neue Spisertor-Kreisel nichts geändert. Als der Gallusplatz während der Kreiselarbeiten im Sommer für den Verkehr kurzzeitig wieder geöffnet wurde, stieg die Anzahl Fahrzeuge an. Daraufhin wurden Stimmen laut, dass nach der Eröffnung des Kreisels und trotz der erneuten Einführung des Fahrverbots im September wieder mehr Fahrzeuge den Platz kreuzen würden. Das Gegenteil war der Fall: Die Werte sanken von 1500 Fahrzeugen im September auf 1100 im Oktober.

Angst war unbegründet

Kritik rund um das Thema Fahrverbot am Gallusplatz gab es immer wieder. Ladenbesitzer etwa befürchteten, mit dem Durchgangsverkehr auch Kunden zu verlieren. Drogist Stefan Fehr sagt dazu: «Wegen der vielen Fussgänger habe ich mehr Kundschaft als vorher.»

Auf den Durchgangsverkehr könne er, der seit knapp 30 Jahren am Gallusplatz geschäftet, gut verzichten. Früher sei zu Stosszeiten eine Blechlawine durch die Altstadt gerollt. «Heute ist der Pendlerverkehr völlig weg.» Eines räumt Fehr aber ein: «Es gibt immer noch etliche Autofahrer, die sich nicht an das Verbot halten.»

Sporadische Kontrollen

Diesen Verkehrssündern versucht die Stadtpolizei zuvorzukommen. 141 Bussen hat sie im vergangenen Jahr am Gallusplatz ausgestellt. «Mittlerweile machen wir nur noch sporadische Kontrollen», sagt Sprecher Dionys Widmer. Vergangenen Januar, unmittelbar nach der Sperre, hätte die Polizei intensiv kontrolliert. Im Januar und Februar 2014 verteilte sie 85 Bussen. «Es brauchte Zeit, bis sich die Autofahrer umgewöhnt hatten», sagt Widmer. Doch bereits im März sei die Zahl der Bussen auf sechs gesunken. In den Folgemonaten bis September, in der die Durchfahrt wegen der Arbeiten am Spisertor-Kreisel wieder gestattet war, verteilte die Polizei keine Bussen.

Zu schnell unterwegs

Für Barbara Deuber vom Gallusplatz-Quartierverein ist weniger die Durchfahrt als die Geschwindigkeit ein Problem. «Tempo 20 wird nicht immer eingehalten», sagt sie. Besonders nachts sei das zu beobachten. Ausserdem gebe es immer wieder Autofahrer, die zu schnell und querfeldein über den Gallusplatz fahren würden. Das sei gefährlich, besonders für Kinder.

Deuber hält das Fahrverbot für einen Schritt in die richtige Richtung. Nur: «Der Gallusplatz als Begegnungszone muss sich noch etablieren.»