Weniger Unterricht und weniger Zulagen für St.Galler Lehrer

ST.GALLEN. Klassenlehrpersonen im Kanton St.Gallen müssen künftig pro Woche eine Lektion weniger unterrichten. Dies hat der Kantonsrat am Mittwoch beschlossen. Damit keine Mehrkosten entstehen, kürzte der Rat aber gleichzeitig die Klassenlehrer-Zulage um 30 Prozent.

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Die Lehrer müssen künftig pro Woche eine Lektion weniger unterrichten. (Bild: Urs Jaudas)

Die Lehrer müssen künftig pro Woche eine Lektion weniger unterrichten. (Bild: Urs Jaudas)

Ganz gestrichen werden alle übrigen Zulagen der Lehrerinnen und Lehrer, etwa für grosse Klassen, Klassen mit mehreren Jahrgängen oder die Wegentschädigungen. Damit und mit der Streichung einzelner Unterrichtslektionen für Primarschüler soll die Vorlage ohne Mehrkosten umgesetzt werden.

Die Kürzung der Klassenlehrer-Zulage wurde nach längerer Diskussion mit 74 zu 40 Stimmen beschlossen. Der Rat stellte sich damit hinter die Regierung und gegen die vorberatende Kommission, die an der vollen Zulage von jährlich 2000 bis 2500 Franken festhalten wollte.

Kosten gaben den Ausschlag
SP und Grüne, BDP, Grünliberale und eine Minderheit der CVP wehrten sich erfolglos gegen eine Kürzung der Zulage. Die Wichtigkeit guter Klassenlehrkräfte wurde zwar von allen Seiten anerkannt. Den Ausschlag gaben aber Kostenüberlegungen.

Ein Festhalten an der vollen Zulage hätte den Kanton laut Bildungsdirektor Stefan Kölliker jährlich 2,5 Mio. Franken mehr gekostet. Zur Kompensation hätten zusätzliche Lektionen gestrichen werden müssen, wovor Kölliker aus pädagogischen Überlegungen warnte.

Maria Huber (SP, Rorschach) und Silvia Kündig (Grüne, Rapperswil-Jona) kritisierten das ihrer Meinung nach einseitige Kostendenken. "Wenn wir eine Verbesserung wollen, dann kostet es halt etwas", sagte Huber. Und Kündig befürchtete einen Qualitätsabbau an der Schule, "der uns teuer zu stehen kommt".

Lob für neuen Berufsauftrag
Rundherum auf Zustimmung stiess der neue Berufsauftrag. Dieser sieht vier Arbeitsfelder vor: Unterricht, Unterstützung von Schülerinnen und Schülern sowie Eltern, Mitarbeit im Schulteam und persönliche Entwicklung und Weiterbildung der Lehrkräfte.

Der Kanton definiert für die anteilsmässige Festlegung der Arbeitsfelder Bandbreiten und berechnet für die Gemeinden Pensen-Pools. Insgesamt sollen die Gemeinden in Schulfragen mehr Autonomie erhalten, wie Kölliker sagte.

Ein erster Anlauf zur Entlastung der St.Galler Volksschullehrerinnen und -lehrer war 2012 gescheitert. Damals war eine allgemeine Pensenreduktion von 28 auf 27 Lektionen vorgeschlagen, worauf der Kantonsrat aber nicht eintrat. Mit der jetzt beschlossenen Neuerung werden nur Klassenlehrpersonen entlastet. (sda)