Weniger Laich im Geburtshaus

BODENSEE. Die Berufsfischer vom Bodensee durften die Schonzeit für Felchen unterbrechen und auf Laichfischfang gehen. 17 Millionen Eier haben sie in der Fischbrutanlage abgeliefert – doch mit diesem Ergebnis sind sie nicht zufrieden.

Lea Müller
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Berufsfischer Gallus Baumgartner (rechts) bringt Saiblinge zu Fischereiaufseher Jörg Schweizer in die Fischbrutanlage Rorschach. (Bild: Lea Müller)

Berufsfischer Gallus Baumgartner (rechts) bringt Saiblinge zu Fischereiaufseher Jörg Schweizer in die Fischbrutanlage Rorschach. (Bild: Lea Müller)

Das stürmische Wetter hat den Berufsfischern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Genau als der Laich der Blaufelchen reif war, mussten die Petrijünger drei Tage an Land bleiben. Zu gefährlich wäre es gewesen, beim rauhen Wellengang die Netze einzuholen. «Wir haben den besten Zeitpunkt verpasst», sagt Jörg Schweizer, Fischereiaufseher auf dem st. gallischen Teil des Bodensees und Leiter der Fischbrutanlage in Rorschach.

Fischer als Geburtshelfer

Der Unterbruch der Schonzeit für Felchen ist eine wichtige Zeit im Jahr, denn in diesen Tagen übernehmen die Fischer die Rolle der Geburtshelfer. Wenn sie die zappelnden Fische aus den Netzen befreit haben, streifen sie die Fischeier vom Weibchen ab und befruchten diese mit dem Samen der Männchen. In der Fischbrutanlage werden die Eier unter stetiger Frischwasserzufuhr erbrütet und gepflegt. Ende März werden die Fischlein dann in die Freiheit entlassen. Mit dem Laichfischfang wollen die Fischer zum Erhalt der Artenvielfalt und zur Bestandessicherung im Bodensee beitragen. Der Felchen ist der «Brotfisch» für die Berufsfischer. Er wird laut Jörg Schweizer mit einer Erfolgsquote von zwei Dritteln erbrütet. Doch auch andere Fischarten wie etwa Saiblinge, Seeforellen, Bachforellen und Äschen sind in der Fischbrutanlage zu finden.

Insgesamt haben die Berufsfischer 17 Millionen Eier im Geburtshaus für Fische abgeliefert. Eine beeindruckende Zahl, die im Vergleich zum Vorjahr aber deutlich kleiner ist. Damals hatten die Petri-Jünger nämlich 31 Millionen Fischeier in die Obhut von Fischereiaufseher Jörg Schweizer gegeben. Wie lässt sich dieser Rückgang erklären? Nebst den Wetterbedingungen nennt Jörg Schweizer auch die Tatsache, dass die Fischer bereits Ende Saison weniger Felchen in den Netzen hatten. Das bestätigt Berufsfischer Gallus Baumgartner. Er erklärt, dass sich die Fische mehr in den verschiedenen Seetiefen verteilen würden, da Licht, Sauerstoff und Plankton tiefer unten auch vorhanden seien. Und dort erreichten sie die Netze der Fischer nicht.

Erfolg mit Saibling-Zucht

Insgesamt blicken die Berufsfischer vom Bodensee trotzdem auf ein gutes Fangjahr 2011 zurück. «Wir sind zufrieden. Im August haben wir aussergewöhnlich viele Eglis gefangen», sagt Fischerin Margrith Dudler. «Nur der Saisonabschluss im Oktober und der Laichfischfang waren schlecht.» Für die Weihnachtsfischerei (siehe Kasten) dürfen die Berufsfischer den Unterbruch der Schonzeit verlängern. Für sie ist es ein Höhepunkt im Jahr. Nach getaner Arbeit in den frühen Morgenstunden fahren sie in die Fischbrutanlage und zeigen ihren Fang. Der Laichfischfang für Felchen ist abgeschlossen. Jetzt konzentriert sich Fischereiaufseher Jörg Schweizer auf Saiblinge. In den vergangenen Jahren hat die Fischbrutanlage die Saibling-Zucht verstärkt. Wurden 2008 noch 100 000 Fischlein aufgezogen, waren es in diesem Jahr bereits 364 000. «Die Fangzahlen zeigen die Erfolgsquote», sagt Jörg Schweizer. Sie hätten sich bei den St. Galler Bodenseefischern von etwa 1000 Kilogramm im Jahr 2009 auf über 2000 im Jahr 2011 verdoppelt.

Folgen noch nicht abschätzbar

Die Arbeit der Fischbrutanlagen trägt Früchte. Welche Folgen hat nun der schlechte Laichfischfang für die Felchen? «Das werden wir erst in drei bis vier Jahren abschätzen können, wenn die Fische gross genug sind für den Fang», sagt Jörg Schweizer. «Mit der Fischzucht garantieren wir einen Minimalbestand. Wie gut der Felchenbestand dann ist, hängt auch davon ab, wie erfolgreich der Bodensee als natürliches Geburtshaus ist.» ostschweiz 25