Weniger Kühe an den Viehschauen

Dieses Jahr machen bei den zwei städtischen Viehschauen so wenig Landwirte mit wie noch nie. Zehn Betriebe zeigen 300 Kühe. Im Jahr 2000 gab es noch drei Viehschauen mit 23 Betrieben und 900 Kühen.

Michel Burtscher
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Immer weniger Landwirte zeigen ihre Kühe an den Viehschauen. (Bild: Michel Canonica)

Immer weniger Landwirte zeigen ihre Kühe an den Viehschauen. (Bild: Michel Canonica)

Dem einen oder anderen wird es aufgefallen sein: Bei der Viehschau im Tal der Demut in St. Georgen standen vergangene Woche deutlich weniger Kühe auf der Wiese als sonst. Das liegt daran, dass dieses Jahr nur fünf landwirtschaftliche Betriebe mitgemacht haben, im Jahr zuvor waren es noch acht gewesen.

Ein Ausnahmefall, sagt Kurt Frischknecht vom Amt für Landwirtschaft der Stadt St. Gallen. Die anderen drei Landwirte seien verhindert gewesen. Zwei Bauern, weil jemand aus der Familie im Spital war. Der andere hat seinen Hof erst im Frühling übernommen und möchte die Tiere noch besser kennenlernen, bevor er mit ihnen durch die Strassen läuft. «Sonst hätten diese Landwirte schon mitgemacht», sagt Frischknecht.

Als es noch drei Viehschauen gab

Trotzdem: Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe, die an einer der beiden städtischen Viehschauen teilnehmen, sinke «tendenziell», sagt Kurt Frischknecht. Und er kann diese Aussage mit Zahlen belegen. Im Jahr 2000 gab es in der Stadt noch drei Viehschauen: in St. Georgen, beim Schlössli Haggen und beim Schaugenhof. Insgesamt machten damals 23 Betriebe mit und zeigten rund 900 Tiere. 2005 gab es dann nur noch zwei Viehschauen: in St. Georgen und im Schlössli Haggen. Die Viehschau beim Schaugenhof konnte nicht mehr durchgeführt werden, weil zu wenig Bauern mitmachten. Bei den zwei anderen Viehschauen waren noch 14 Betriebe mit rund 460 Kühen dabei. Dieses Jahr machen zehn Betriebe mit und zeigen etwa 300 Tiere.

Vielfältige Gründe

Dass immer weniger Landwirte an den Viehschauen teilnehmen, hat gemäss Kurt Frischknecht vielfältige Gründe: Einige Landwirte hätten einfach kein Interesse mehr. Andere hätten auf Mutterkuh-Haltung oder eine andere Rasse umgestellt und könnten darum nicht mehr teilnehmen. Wieder andere hätten ihren Betrieb ganz aufgegeben. Das bestätigt auch ein Blick in die Statistik: 1989, also vor 25 Jahren, gab es in der Stadt 81 landwirtschaftliche Betriebe, heute sind es noch 49.

Da stellt sich die Frage, ob die beiden verbleibenden Viehschauen bald zu einer gebündelt werden müssen, wenn der Trend so weitergeht. «Das wäre sehr schwierig», sagt Frischknecht. Die Stadt St. Gallen sei dafür zu lang. «Einige Betriebe wären dann zu weit weg vom Viehschau-Platz und könnten deswegen nicht mehr teilnehmen.»