Weniger Budget für das «Espel»

GOSSAU. Im Naturschutzgebiet Espel müssen wegen der finanziellen Lage der Stadt Gossau Unterhaltsarbeiten aufgeschoben werden. Die Folgen für das Biotop, das sich im Bereich eines stillgelegten Kieswerks befindet, sind schon heute sichtbar.

Katja Blöchlinger
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Das Schilf, das in den Weihern des Naturschutzgebietes wächst, wird in nächster Zeit weniger oft zurückgeschnitten. Es droht Verlandung. (Bild: Michel Canonica)

Das Schilf, das in den Weihern des Naturschutzgebietes wächst, wird in nächster Zeit weniger oft zurückgeschnitten. Es droht Verlandung. (Bild: Michel Canonica)

Der Regen hat gestern morgen eine kurze Pause eingelegt. Trotzdem hat es an diesem Donnerstag nur wenige Leute, die sich für einen Spaziergang vor die Türe getrauen. Zwei davon sind Yvo Lehner und August Wick vom Hochbauamt der Stadt Gossau. Sie erzählen während eines Rundgangs im Naherholungsgebiet, welche Auswirkungen die angespannte finanzielle Lage der Stadt auf die Pflege des Espels hat. Denn einige Unterhaltsarbeiten im Naherholungsgebiet müssen deshalb aufgeschoben werden.

Weniger Umgebungsarbeiten

Im Geschäftsbericht der Stadt Gossau für das Jahr 2014 ist zu lesen, dass «aufgrund des angespannten Stadthaushaltes die Unterhaltsarbeiten im Biotop Espel auf das Notwendigste reduziert» werden. Yvo Lehner, Bereichsleiter Projekte und Immobilien, erklärt, was das bedeutet: «Wir haben zum Beispiel das Ausbaggern des Biotops auf unbestimmte Zeit hinausschieben müssen. Auch das Schilf wird jetzt nicht mehr gleich oft geschnitten», sagt er. Zuvor sei das Schilf alle zwei Jahre geschnitten worden. Ein grosser Kostenpunkt sei aber vor allem das Ausbaggern: «Das Gerät ist teuer, die Arbeiten dauern ziemlich lange und das ausgehobene Material muss entsorgt werden. Das summiert sich.» Die Auswirkungen der reduzierten Arbeiten sind teilweise schon sichtbar. Einer der Weiher ist bereits grossflächig von Schilf bedeckt, was zur Auffüllung des Gewässers mit organischem Material führt. Dies nennt man Verlandung. Es wachsen gar Birken mitten im Weiher. Das würden sie ohne Verlandung wohl nicht, meint Lehner.

Freiwilligenarbeit und Beratung

Das Hochbauamt selber kümmere sich nicht aktiv um das Gebiet: «Der Naturschutzverein leistet hier grosse Freiwilligenarbeit. Seine Mitglieder kümmern sich beispielsweise um Neophyten, also nicht einheimische Pflanzen, die hier gerne wuchern.» Für das Auslichten des Wäldchens werde ein ansässiger Landwirt aufgeboten. Grössere Aufträge würden an externe Firmen vergeben. Ausserdem stehe das Ökobüro Hugentobler dem Hochbauamt beratend zur Seite. «Wir sind ja keine Spezialisten, wenn es um Flora und Fauna geht», sagt August Wick, der sich grösstenteils um die administrative Arbeit rund um das Biotop kümmert.

Früher eine Kiesgrube

Das Naturschutzgebiet gebe es bereits seit 1980, erklärt Wick. Im Bereich des Espels sei früher eine Kiesgrube gewesen. Anfang des 20. Jahrhunderts habe man dort begonnen, Kies abzubauen, erzählt er. Später habe man die Gruben mit Bauschutt und Abfall zugeschüttet. «Das Naturschutzgebiet gilt deshalb als <belastetes> Gebiet.»

Zweck des Biotops ist gemäss der Schutzverordnung aus dem Jahr 1980 «der Schutz und die Erhaltung des Landschaftsbildes sowie der Pflanzen- und Tierwelt des Biotops». Des weiteren wird auch die Nutzung durch Schulen besonders hervorgehoben: «Das Biotop dient in erster Linie der Bevölkerung und den Schulen von Gossau als vielfältiges Anschauungsobjekt», heisst es in der Verordnung.

Die Stadt wolle das Naturschutzgebiet attraktiv halten. «Die Gossauerinnen und Gossauer sollen schliesslich gerne hierher kommen», sagt Lehner.

Begehung Naturschutzgebiet Espel mit Ivo Lehner und Herr Wick vom Hochbauamt Gossau. (Bild: Michel Canonica)

Begehung Naturschutzgebiet Espel mit Ivo Lehner und Herr Wick vom Hochbauamt Gossau. (Bild: Michel Canonica)

Bei einem Rundgang im Naturschutzgebiet gibt es viel zu sehen. Denn die Pflanzen- und Tierwelt im «Espel» ist sehr vielfältig. (Bild: Michel Canonica)

Bei einem Rundgang im Naturschutzgebiet gibt es viel zu sehen. Denn die Pflanzen- und Tierwelt im «Espel» ist sehr vielfältig. (Bild: Michel Canonica)