Weniger Betten bleiben kalt

REGION RORSCHACH. Wirtschaftsprobleme, Währungskrise und wechselhaftes Wetter – viele Touristen meiden in diesem Sommer die Schweiz. Eine Umfrage bei Hoteliers in der Region Rorschach zeigt aber: Am Bodensee ist die Situation etwas besser als im Vorjahr.

Lea Müller
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Die Zimmer im Rorschacher Hotel Mozart sind in diesem Sommer besser gebucht als im Vorjahr – wie in den meisten Hotels der Region. (Bild: Ursina Ghilardi)

Die Zimmer im Rorschacher Hotel Mozart sind in diesem Sommer besser gebucht als im Vorjahr – wie in den meisten Hotels der Region. (Bild: Ursina Ghilardi)

Es ist ein schlechter Sommer für den Schweizer Tourismus. Viele ausländische Gäste meiden das Land. Zu schaffen machen den Schweizer Hoteliers die wirtschaftlichen Probleme Europas, der starke Franken und das wechselhafte Wetter (Tagblatt vom 7. August). Hört man sich aber bei den Hoteliers in der Region Rorschach um, dann ist dieser schlechte Sommer gar nicht so schlecht – für einige sogar gut: «Wir verzeichnen mehr Buchungen als im Vorjahr», sagt etwa Peter Sonderegger vom Hotel Rössli in Rorschach. Und Susanne Tobler vom Rorschacher Hotel Mozart freut sich: «Wir merken nicht viel von der Krise.»

Touristen schimpfen über Preise

Beide Rorschacher Hotels profitieren vom Velotourismus, der ihrer Meinung nach in diesem Sommer gut angelaufen ist. Im «Mozart» übernachten ausserdem viele Geschäftskunden, im «Rössli» viele Monteure und Bauarbeiter. Bei einigen handelt es sich um langjährige Stammgäste. Der starke Franken hält sie nicht davon ab, in der Region Rorschach zu übernachten. Viele Tagestouristen hingegen schlucken leer, wenn sie die Zimmerpreise von Schweizer Franken in Euro umrechnen. «Für die meisten liegen die Preise an der obersten Grenze», sagt Peter Sonderegger. Susanne Tobler erlebt ähnliches: «Manche Touristen schimpfen, dass die Preise für Essen und Trinken viel zu hoch seien.»

Der starke Franken macht dem Landgasthof Schiff in Buriet zu schaffen. Hotelier Werner Fuchs spricht von grossen Einbussen. Im Gegensatz zu Hotels in Rorschach könne das «Schiff» nicht von den Velotouristen profitieren. «Unser Standort ist einfach zu nahe an der Landesgrenze», begründet er. In Österreich könnten die Velofahrer wesentlich günstiger übernachten als auf der Schweizer Seite.

Mehr Gäste aus der Schweiz

Der starke Franken hält viele Touristen davon ab, ihren Urlaub in der Schweiz zu verbringen. Besonders die Gäste aus Deutschland. Doch wie verhält es sich mit den Gästen aus der Schweiz? Zieht sie der schwache Euro vor allem ins Ausland? «Ich habe das Gefühl, dass in diesem Jahr wieder mehr Velofahrer aus der Schweiz unterwegs sind», sagt Susanne Tobler vom Hotel Mozart. Im Schloss Wartegg in Rorschacherberg haben die Übernachtungen von Schweizer Gästen zugenommen. «Viele buchen kurzfristig für ein verlängertes Wochenende», sagt Geschäftsleiter Peter Ottmann. Eine Tatsache, welche die Zwischenbilanz für die Sommermonate etwas verbessert hat. «Weil die Schweizer so spontan buchen, spielt das Wetter aber eine umso wichtigere Rolle für uns», sagt Ottmann.

So sieht es auch Stephan Hinny vom Hotel Bad Horn. «Das wechselhafte Wetter hat uns etwa auf der Terrasse schon Einbussen gebracht.» Doch insgesamt könne im Hotel Bad Horn eine positive Zwischenbilanz gezogen werden. In den vergangenen Monaten hätten im Vergleich zum Vorjahr etwa gleich viele Gäste aus der Schweiz und gleich viele Stammgäste aus Deutschland im 4-Sterne-Hotel übernachtet. Allerdings sei ein Rückgang bei den ausländischen Velotouristen feststellbar. «In diesem Jahr verzeichnen wir zwar keine Rekordzahlen, aber alarmierend ist die Situation nicht», sagt Stephan Hinny. Es sei wichtig, positiv zu denken und den Gästen etwas Aussergewöhnliches anzubieten.

Neue Zimmer fast ausgebucht

Als Hotelier dürfe man sich nicht auf dem Erreichten ausruhen, meint auch Mark Schläpfer vom Hotel Rebstock in Rorschacherberg. Denn die Nachfrage nach Hotelbetten sei in der Region vorhanden. «Wir merken nichts von der Krise. Im Gegenteil. Wir verspüren eher einen Aufschwung», sagt er. In diesen Tagen konnten im «Rebstock» 26 neue Zimmer fertiggestellt werden. Sie wurden bereits von den ersten Gästen bezogen. Und die Betten dürften auch in nächster Zeit nicht leer bleiben: «Im August sind wir schon fast ausgebucht», sagt Mark Schläpfer.