Weniger, aber sehr guter Wein

BUECHBERG/THAL. Hagel im Juli sorgt nun bei der Weinlese am Buechberg für erheblichen Mehraufwand, weil viele schlechte Beeren weggeschnitten werden müssen. Die Mühe lohnt sich, denn was übrig bleibt, verspricht Weine von exzellenter Qualität.

Rudolf Hirtl
Drucken
Teilen
Bild: Rudolf Hirtl oceandesign@bluewin

Bild: Rudolf Hirtl oceandesign@bluewin

So extrem wie am Calmont ist es nicht. Am Höhenzug entlang der Mosel befinden sich die steilsten Weinbau-Einzelanlagen der Welt, mit etwa 65° Neigungswinkel. Doch auch unter dem Nagelstein, wo Tom Kobel und das Team der Ochsentorkel Weinbau AG den Cabernet Cortis von den Rebstöcken nehmen, ist gutes Schuhwerk nicht verkehrt, um den Halt am Hang nicht zu verlieren. Nicht weiter erstaunlich, dass die Transportfahrzeuge mit Raupen statt Rädern ausgerüstet sind. Ansonsten liessen sich die Trauben nur schwerlich ins Tal transportieren.

Die Weine, die am Buechberg an südlicher Lage gedeihen, sind von vorzüglicher Qualität. Daran wird auch das heurige Jahr nichts ändern, obwohl das Wetter bisher nicht immer mitgespielt hat. Der Frühling hat zwar gut begonnen, doch um die Ostertage war es so mild, dass die Reben schon früh gedrückt haben. «Da hatten wir riesiges Glück, dass es nicht länger warm blieb. Noch zwei Tage und die Triebe wären aus der schützenden Wolle gewachsen, was bei den nachfolgenden Frosttagen unter Umständen zu einem Totalausfall geführt hätte», sagt Tom Kobel und erinnert ans Wallis, wo im Mai Dutzende Hektaren Rebland erfroren sind.

Mehr Öchsle als erwartet

Mit einem blauen Auge davongekommen sind die Thaler Winzer auch im Juli, als Hagel an Lagen ohne Schutznetze bis zu 50 Prozent der noch jungen Trauben zerstörte. Was nun allerdings im Vergleich mit dem Vorjahr erheblichen Mehraufwand nach sich zieht. Bei der Lese müssen die Trauben nämlich quasi dreimal in der Hand umgedreht werden, um möglichst alle schlechten Beeren zu entfernen, denn sauber gelesenes Traubengut ist die wichtigste Voraussetzung für gute Weine. Was übrig bleibt und in die Presse kommt, ist dafür von ausgezeichneter Qualität. Beim Riesling misst Tom Kobel beispielsweise hohe 85 Öchsle, erwartet hat er knapp über 80. «Im August, wenn der Reifeprozess beginnt, war das Wetter optimal. Dies macht sich nun bemerkbar», kommentiert der Önologe das überraschende Ergebnis. Mengenmässig wird 2012 laut Tom Kobel nur durchschnittlich ausfallen. Weil die Keller aber noch gut gefüllt seien mit Weinen vom exzellenten Jahrgang 2011, könne extrem auf Qualität hingearbeitet werden. Weinliebhaber können sich daher auf aromareiche Weissweine und elegante, besonders finessenreiche Rotweine freuen.

Mit Geduld zur besten Qualität

Weiter vorne, an der Treppe zum Steinig Tisch, gönnen sich 18 Erntehelfer vom Weingut Rutishauser einen Schluck Weisswein. Die Pause dauert nicht lange, denn die Frauen und Männer freuen sich, nun endlich Trauben lesen zu können, die durch Hagelnetze geschützt sind. Das Traubengut darunter ist beinahe perfekt, kaum eine Beere muss rausgeschnitten werden. Neben dem Riesling (1,1 Hektaren), der als feinste und komplexeste Weissweinsorte gilt und vor allem in gemässigten Klimazonen überzeugende Ergebnisse liefert, ist auch der auf knapp einer Hektare angebaute Kerner einer der bedeutendsten Produktionszweige beim Thaler Weingut. Während die weissen Trauben in diesen Tagen von den Stöcken genommen werden, brauchen die meisten roten Sorten laut Jungwinzer Roman Rutishauser noch etwas Zeit, um ihr volles Aroma zu entwickeln. «Man muss Geduld haben, um nicht zu früh mit dem Wimmen zu beginnen, dann erhält man gehaltvolle Rotweine mit komplexen Aromen, viel Körper und Rasse.»

Gute Tropfen aus Goldach

2000 Rebstocke im Sonnental, am nach Südosten gerichteten Hang entlang der Untereggerstrasse, machten Goldach im Jahr 1998 zur 31. Weinbaugemeinde im Kanton St. Gallen. Mittlerweile keltert Christian Herzog vom Weingut Halde aus den dort wachsenden Gamaret- und Rivaner-Trauben filigrane Weine mit Eleganz und vielfältigen Aromen. Dank Schutznetzen haben die Trauben den Hagelschlag im Juli schadlos überstanden. Neben Goldach wird die herzögliche Weinkultur auch mit Trauben aus Thal und Au gepflegt.

Die Wetterkapriolen im Frühjahr und Sommer haben den Reben am Buechberg zugesetzt, dennoch erwarten Roman Rutishauser (oben) und Tom Kobel qualitativ hochstehende Weiss- und Rotweine. (Bilder: Rudolf Hirtl)

Die Wetterkapriolen im Frühjahr und Sommer haben den Reben am Buechberg zugesetzt, dennoch erwarten Roman Rutishauser (oben) und Tom Kobel qualitativ hochstehende Weiss- und Rotweine. (Bilder: Rudolf Hirtl)