Wenige Interessierte, viele Fragen

Am Montag zeigte sich einmal mehr: Geht es nicht um eine massive Steuererhöhung oder um eine Grossinvestition, ist das politische Interesse der Bürger gering. Trotzdem wurde in Wittenbach rege diskutiert – über Geld und Aktuelles.

Corinne Allenspach
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WITTENBACH. Für Gemeindepräsident Fredi Widmer war es die zweite Ernüchterung innert weniger Tage. Zuerst musste er das Budget 2015 präsentieren, das trotz Sparbemühungen bei gleichem Steuerfuss wieder von einem grossen Defizit ausgeht (Tagblatt vom 30. Oktober). Bei einem Aufwand von 45 Millionen wird mit einem Minus von fast 920 000 Franken gerechnet.

Braucht es einen Infoabend?

Am Montagabend dann der zweite Dämpfer: Zum Infoabend der Politischen Gemeinde und der Primarschule kamen gerade einmal rund 50 Personen ins OZ Grünau – von total 9500 Wittenbachern. Wobei fast ein Drittel von Amtes wegen da war. «Wenn das Bedürfnis so gering ist, müssen wir sicher darüber diskutieren, ob wir weiterhin vor der Bürgerversammlung einen Infoabend machen sollen», sagte Widmer im Anschluss an die Versammlung. Zuvor hatten die wenigen Anwesenden allerdings zahlreiche Fragen gestellt.

Ein Bürger störte sich gleich an mehreren Dingen. Etwa daran, dass das Postauto im 15-Minuten-Takt fährt, obwohl seiner Meinung nach alle 30 Minuten reichen würde. Oder daran, dass Eltern, die beide berufstätig sind, ihre Kinder günstig an den staatlich subventionierten Mittagstisch schicken. Und sich die Familie dafür mehr leisten kann.

Am meisten aber störte er sich daran, dass die Bürgerversammlung über wichtige Geschäfte befinden kann, obwohl nur wenige Prozent der Stimmberechtigten teilnehmen. «Das ist doch ein Witz», ärgerte er sich. Woraufhin Widmer betonte, die geringe Beteiligung an Bürgerversammlungen sei nicht ein Wittenbach- spezifisches, sondern ein generelles Problem der Gemeinden. Und Kantonsrat Reini Rüesch, der ebenfalls im Publikum sass, gab zu bedenken, dass, würde man die Bürgerversammlung abschaffen, Wittenbach ein Parlament einführen müsste. «Aber dazu wären wir zu klein.»

Investitionen sind noch offen

Fredi Widmer und Primarschulratspräsidentin Ruth Keller nutzten den Abend, um einzelne Punkte des Budgets mit auffälligen Abweichungen zu erläutern. Beide betonten, wie stark Wittenbachs Finanzen durch Kostenüberwälzungen des Kantons belastet werden. Fragen zum Budget gab es kaum, stattdessen interessierte, wie die Investitionsrechnung der nächsten fünf Jahre aussieht, nachdem 2015 mit rund 4,5 Millionen Franken nur minimal investiert wird. Widmer äusserte sich dazu nur vage und verwies darauf, dass die beiden anstehenden Grossprojekte – der Ausbau Kappelhof und das Schulhaus im Grüntal – aufs Budget 2016 hin nochmals angeschaut werden. «Wir müssen dann beurteilen, was es noch verträgt und was uns Schule und Alterszentrum wert sind.»

Strom sparen mit Smart Meters

Etwas, das in Kürze realisiert werden soll, ist die Einführung des Smart Metering, sogenannter «intelligenter Strommessgeräte», bei denen der Stromverbrauch jederzeit abgelesen werden kann. Markus Schwendimann, Technischer Geschäftsführer der Elektrizitätsversorgung Wittenbach, zeigte sich überzeugt, dass die neuen Zähler viele Vorteile bringen. So könne man beispielsweise künftig zeitnahe Rechnungen stellen statt Akontorechnungen. Zudem seien keine Ablesungen vor Ort mehr nötig, und dank der Transparenz sinke der Stromverbrauch. In EU-Ländern müssen 80 Prozent der Zähler bis 2020 «smart» sein. In der Schweiz sei eine gesetzliche Pflicht derzeit in Beratung.

Im Budget 2015 sieht Wittenbach 240 000 Franken für ein Smart-Metering-Basissystem vor. Bis 2026 soll jeder Haushalt mit dem neuen Zähler ausgerüstet sein. Kostenpunkt: 150 000 bis 350 000 Franken pro Jahr. Wobei die Bürger jedes Jahr aufs Neue abstimmen können, ob sie das Projekt weiterführen wollen.