Wenig Skepsis im Riethüsli

ST.GALLEN. In der Zivilschutzanlage beim Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum im Riethüsli sollen Ende August bis zu 100 Asylsuchende untergebracht werden. Für die Quartierbewohner ist das eine neue Situation. Bedenken gibt es kaum.

Alexandra Pavlovic
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Die Zivilschutzanlage im Riethüsli-Quartier ist ab Ende August das neue Zuhause für zahlreiche Asylsuchende. Im Hintergrund die GBS. (Bild: Benjamin Manser)

Die Zivilschutzanlage im Riethüsli-Quartier ist ab Ende August das neue Zuhause für zahlreiche Asylsuchende. Im Hintergrund die GBS. (Bild: Benjamin Manser)

50 bis maximal 100 alleinstehende Personen: So viele Asylsuchende will der Kanton ab Ende August in der Zivilschutzanlage beim Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum (GBS) im Quartier Riethüsli unterbringen (Ausgabe von gestern). Frauen und Männer werden hier unterirdisch in mehrstöckigen Kajütenbetten schlafen, oberirdisch in einem grossen Container erste Brocken Deutsch lernen oder wie man ein Bahn- respektive Busbillett löst. Wie werden sich die Neuankömmlinge nun auf das Quartierleben auswirken? Welche Erwartungen haben die Bewohner? Die Meinungen über den Entscheid der St. Galler Regierung sind indes unterschiedlich.

«Eine gute Sache»

Einige Quartierbewohner sehen der ganzen Sache skeptisch entgegen, möchten sich weiter aber dazu nicht äussern. Einer, der etwas zum Entscheid sagen will, ist Hansruedi Koller. Seit 20 Jahren lebt er im Riethüsli-Quartier. «Ich habe nur am Rande mitbekommen, dass die Zivilschutzanlage gebraucht wird», sagt Koller. Dass es aber rund 100 Personen sein werden, damit habe er nicht gerechnet. «Der Entscheid überrascht mich.» Gross etwas ändern könne man aber sowieso nicht, deshalb gelte es, die Situation zu akzeptieren. Ausserdem müsse man abwarten, wie sich alles entwickle. «Irgendwo müssen die Leute ja hin. Denn, sind wir ehrlich, keiner verlässt freiwillig sein Heimatland.»

Dass den Asylsuchenden eine Chance gegeben wird, findet auch eine andere Quartierbewohnerin «eine gute Sache». Die Betroffenen brauchen eine Unterkunft und sind dafür sicherlich dankbar. «Wir dürfen nicht alle Ausländer in den gleichen Topf werfen», sagt sie.

Gleicher Meinung ist eine ältere Dame an der Bushaltestelle Riethüsli. «Solange sich alle anständig benehmen, wird es keine Probleme geben.» Es seien nicht die ersten und sicherlich nicht die letzten, die hier untergebracht werden. «Wir haben ja bereits Ausländer im Quartier. Und diese benehmen sich anständig, haben sich völlig ins Quartierleben integriert», sagt sie. Die Frau ist aber gespannt, wie die Situation mit dem Schulbetrieb der GBS funktionieren wird. «Beide Anlagen sollen voneinander getrennt werden. Mal sehen, wie gut das klappt.»

GBS-Mensa als Option

Keine ausserordentlichen Konflikte zwischen den Asylbewerbern und den Schülern erwartet Lukas Reichle, Rektor der GBS. «Unser Schulbetrieb ist strikt vom Asylbetrieb in der Zivilschutzanlage getrennt. Somit werden die Bewohner kaum mit den Schülern im GBS-Areal in Kontakt treten.» Das war auch eines seiner Hauptanliegen, als er mit dem Migrationsamt im Gespräch war. Weiter war es dem Rektor wichtig, dass vor allem die GBS-Mitarbeitenden durch eine frühzeitige und offene Kommunikation über die neusten Geschehnisse informiert wurden. «Nur so können Unsicherheiten aus dem Weg geräumt werden.»

Damit die Beteiligten wissen, was in ihrem Arbeitsumfeld passiert, hat Reichle seine Angestellten intern über den aktuellen Stand informiert. Eine interne Information wird weiter in der ersten Schulwoche erfolgen. In den kommenden Tagen würden aber nochmals Gespräche mit dem Migrationsamt geführt. Es gelte noch einige offene Fragen zu klären, so Reichle. Wie etwa die Frage nach der Verpflegung.

Da die Küche in der Zivilschutzanlage nicht zum Kochen geeignet ist, wäre die Mensa der GBS eine Option. «Ob wir die Kapazität haben, für weitere 100 Personen Essen zuzubereiten, müssen wir noch abklären.» Trotz aller Skepsis sieht der Rektor dem Ganzen positiv entgegen. Denn: «Es ist kein schweizweites, sondern ein europaweites Problem. Ausserdem stehen wir auf der Sonnenseite des Lebens. Da unterstützen wir dies auch aus einer Mitverantwortung heraus.»