Wenig geliebte Architektur

Die Jahresausstellung der Stadtsanktgaller Denkmalpflege ist diesmal der Architektur der Nachkriegszeit gewidmet. Obwohl diese Bauten häufig unterschätzt werden, hat es darunter doch vieles von guter bis ausgezeichneter Qualität.

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St. Gallen SG - Theater St. Gallen (Stadttheater). (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

St. Gallen SG - Theater St. Gallen (Stadttheater). (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Gestern Montag ist im Rathaus die Jahresausstellung 2016 der städtischen Denkmalpflege eröffnet worden. In ihrem Zentrum stehen oft unterschätzte Bau- ten. Solche, die nach dem Zweiten Weltkrieg erstellt wurden. Stadträtin Patrizia Adam verwies in ihrer Begrüssung darauf, dass im Vergleich zu älteren Häusern weniger Objekte aus der Nachkriegszeit unter Schutz stünden. Damit trügen Bauherren und Behörden bei Sanierungen sowie Aus- und Umbauten eine grosse Verantwortung. Katrin Eberhard von der Denkmalpflege führte in die Ausstellung ein.

Wehmütige Erinnerungen

Dass die Architektur der direkten Nachkriegszeit und der folgenden Hochkonjunktur bis zum Erdölschock der 1970er-Jahre in der öffentlichen Wahrnehmung oft unterschätzt wird, hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen. Einerseits sind diese Häuser in den Augen vieler zu wenig historisch. Anderseits wurden gerade in der Innenstadt dafür historische Bauten geopfert, an die sich ältere Städter oft mit Wehmut erinnern.

Das war in den 1950er- und 1960er-Jahren anders: Damals herrschte breite Einigkeit, dass man dem Fortschritt alte Bausubstanz opfern müsse. Erst gegen Ende der Epoche, die die Denkmalpflege-Ausstellung im Rathaus abdeckt, änderte sich das Empfinden. Im Gefolge des Unbehagens über Abbrüche und von öffentlichen Debatten um Einzelobjekte entstand nicht nur die städtische Denkmalpflege, sondern es wurden auch lokal Ansätze entwickelt, wie man mit historischer Bausubstanz überhaupt umgehen wollte.

Bushäuschen, das funktioniert

Die Denkmalpflege-Ausstellung über die Stadtsanktgaller «Architektur der Nachkriegszeit» zeigt Beispiele für gute Architektur zwischen 1945 und 1973. Sie tut dies mit viel historischem Bildmaterial aus allen möglichen Quellen. Nur schon das macht die Schau für jeden interessant, der in der Gallusstadt lebt.

Das Material ist in sechs Kapitel gegliedert. Darin finden sich Beispiele für die «Altstadterneuerung» der 1950er- und 1960er-Jahre und die Entwicklung rund um den Bahnhofplatz. Im letzteren Kapitel findet sich auch ein schönes und trotzdem funktionierendes Buswartehäuschen aus den 1950er-Jahren. Vielleicht ein kleiner Seitenhieb auf das, was heute hier abgeht?

Da gibt's aber auch Bilder und Beschreibungen von «Neuen Zentren» in der Lachen, in Bruggen und im Neudorf oder «amerikanisch angehauchte» Architektur fürs Auto. Weitere Kapitel sind «Neuen Wohnformen» etwa in Hochhäusern sowie Infrastrukturbauten für die wachsende Stadt gewidmet. (vre)

Gesamtkunstwerke: Das Theater St. Gallen im Stadtpark (oben) und die Bauten der Universität St. Gallen vom Anfang der 1960er-Jahre auf dem Rosenberg (unten). (Archivbilder: Hannes Thalmann/Reto Martin)

Gesamtkunstwerke: Das Theater St. Gallen im Stadtpark (oben) und die Bauten der Universität St. Gallen vom Anfang der 1960er-Jahre auf dem Rosenberg (unten). (Archivbilder: Hannes Thalmann/Reto Martin)

Architektur fürs Auto: Der Neubau der City-Garage im Lerchenfeld von 1958 (oben) und die Centralgarage – heute das «UG24» – noch ohne Tankstellenshop (unten). (Bilder: Archiv Danzeisen & Voser/Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde SG (Sammlung Foto Gross))

Architektur fürs Auto: Der Neubau der City-Garage im Lerchenfeld von 1958 (oben) und die Centralgarage – heute das «UG24» – noch ohne Tankstellenshop (unten). (Bilder: Archiv Danzeisen & Voser/Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde SG (Sammlung Foto Gross))