Wenig Beizen, viel nackte Haut

ST.GALLEN. Gestern hat in der Stadt die Beizenfasnacht begonnen. Doch nur noch wenige Wirte haben den Aufwand auf sich genommen und ihr Lokal für die närrische Zeit dekoriert. Die meisten von ihnen setzen auf Frauen in knappen Höschen.

Tobias Hänni
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Bereit für die Narrenzeit: «Guacci's»-Wirtin Conny Paukat-Guacci (Mitte) und ihr Team stossen mit einem Gast auf die Fasnacht an. (Bild: Coralie Wenger)

Bereit für die Narrenzeit: «Guacci's»-Wirtin Conny Paukat-Guacci (Mitte) und ihr Team stossen mit einem Gast auf die Fasnacht an. (Bild: Coralie Wenger)

«Wegen Dekoration geschlossen» steht auf einem an die Tür geklebten Zettel. Drinnen, im Restaurant Morgensonne an der Linsebühlstrasse, sitzen vier erschöpfte Männer an einem Tisch. Es ist Donnerstagabend und Max Reich, Wirt der «Morgensonne», ist zusammen mit Freunden seit zwei Tagen daran, das Restaurant in eine Strandbar zu verwandeln. Das Resultat kann sich sehen lassen: Das Restaurant leuchtet in verschiedenen Farbtönen, Plastikpapageien und -früchte hängen an den Wänden, Hawaii-Ketten, Blumen und Schmetterlinge runden die sommerliche Atmosphäre ab.

Klar, dass beim Motto «Miami-Beach» auch das Barpersonal entsprechend angezogen sein muss. «Meine Lebenspartnerin ist gerade daran, Bikinis zu kaufen», sagt Max Reich. Für die drei Wochen, in denen die «Morgensonne» dekoriert ist, hätten sie zwei zusätzliche Kellnerinnen angestellt. Doch lohnen sich die Kosten für die Dekoration und das zusätzliche Personal überhaupt? «Wenn man eine ansprechende Deko will, dann geht es schon ins Geld», sagt Reich. Das Restaurant sei in der Fasnachtszeit jedoch immer gut besucht. «Es lohnt sich, der zusätzliche Ertrag hält sich aber in Grenzen», sagt Reich.

Konkurrenz aus der Region

Für viele Wirte indessen scheint es sich nicht mehr auszuzahlen, ihren Gästen während der närrischen Zeit ein spezielles Ambiente zu bieten. Darauf deutet die stetig sinkende Zahl von dekorierten Gastrobetrieben in der Stadt hin (siehe Kasten). «Der hohe Aufwand schreckt sicher viele Lokale davon ab, ihren Gästen etwas Spezielles zu bieten», sagt Reich. Hinzu komme das Rauchverbot, dass vielen Beizern bereits während dem normalen Betrieb Kopfschmerzen bereite.

Conny Paukat-Guacci, die seit 17 Jahren im «Guacci's» an der Rorschacher Strasse hinter dem Tresen steht, sieht noch einen weiteren Grund für den schleichenden Niedergang der städtischen Beizenfasnacht. «In der Region gibt es viele Nightclubs und Beizen, die Erotik-Shows und Table-Dance anbieten. Dies lockt vermutlich viele Städter an», sagt Paukat-Guacci. Für sie haben diese erotischen Angebote jedoch wenig mit Fasnacht zu tun. «Ich setze nicht auf Freizügigkeit, sondern auf Phantasie und Kreativität», sagt Paukat-Guacci.

«Freude am Dekorieren»

Dieses Jahr hat sie das Motto «Purple Rain» gewählt und ihr Lokal mit lila Folien, pinker Lametta und violetten Blumen geschmückt. «Da die Bar die ganze Woche geöffnet war, haben wir seit letztem Samstag immer wieder an der Dekoration gearbeitet», sagt Paukat-Guacci. Zeit und Geld hat sie auch in die selbst entworfenen Kostüme gesteckt. Diese seien zwar sexy, aber nicht frivol und würden jedem anderen Lokal Konkurrenz machen. Der Aufwand, den Paukat-Guacci Jahr für Jahr betreibt, zahlt sich aus. «Das Geld steht jedoch nicht im Vordergrund », sagt die Wirtin. Für sie sei die Fasnacht in erster Linie eine Zeit, die ihr Spass mache. «Wenn man mit Leidenschaft dabei ist, hat man auch Erfolg», ist Paukat-Guacci überzeugt.

Erfolgsfaktor Erotik?

Dass sie erfolgreich und während der Fasnacht viele Gäste hat, hofft auch Gina Rickenbacher. Sie betreibt seit November die Aventura-Bar an der Brauerstrasse und versucht, mit viel nackter Haut Kundschaft in ihr Lokal zu locken.

«Playboy Ladies» heisst das Motto. Von den Wänden lächeln dem Gast nackte Pin-up-Girls entgegen, auf dem Programm stehen Body-Tequilas. «Für die Fasnachtszeit habe ich sieben Frauen aus Österreich, Deutschland und Russland engagiert, welche die Gäste in Bikinis bedienen», sagt Rickenbacher.

Sie ist nicht die einzige, die in den nächsten Wochen auf die vermeintlich bewährte Marketing-Regel «Sex sells» setzt. Ob «Wild Cat's», «White Bunnies», oder «Heisse Schaum-Show» – die erotisch bebilderten Inserate der meisten Fasnachtsbeizen sprechen eine unmissverständliche Sprache.

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