Wendige Überflieger

Das Stadtleben gefällt nicht nur den Menschen: Auch Mauer- und Alpensegler lassen sich gerne in urbanem Gebiet häuslich nieder. In St. Gallen sind 650 Nistplätze bekannt.

Claudia Schmid
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Iris Scholl mit einem Vogelpräparat: Die Segler haben in der Stadt Nistplätze bei der Kathedrale und Hinterlauben. (Bild: Hanspeter Schiess)

Iris Scholl mit einem Vogelpräparat: Die Segler haben in der Stadt Nistplätze bei der Kathedrale und Hinterlauben. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das Stadtplanungsamt hat am Dienstag im Rahmen der Reihe «Natur findet Stadt» einen geführten Abendspaziergang angeboten, auf dem Mauer- und Alpensegler im Mittelpunkt des Interesses standen. Iris Scholl erzählte den knapp 30 Teilnehmenden Wissenswertes über die Merkmale und Gewohnheiten der wendigen Flieger. Die Verhaltensforscherin aus Uster hat bereits zweimal in der Stadt St. Gallen ein Inventar über ihre Nistplätze erstellt.

Im Dom zu Hause

Laut Iris Scholl sind Mauer- und Alpensegler Zugvögel und verbringen die meiste Zeit ihres Lebens in der Luft. In Städten nisten sie ausschliesslich in Hohlräumen an Gebäuden. Beliebte Nistplätze der Alpensegler sind beispielsweise das Sitterviadukt oder die Kathedrale, wo sie unter der Dachrinne Schlupflöcher finden. Sie nisten in Kolonien, gegen Artgenossen wird nur die unmittelbare Nestumgebung verteidigt.

Der Alpensegler lasse sich gut durch seinen weissen Unterbauch, die weisse Kehle und ein dunkles Brustband erkennen, sagte die Vogelkennerin. Er bringe ein Gewicht von rund 100 Gramm auf die Waage, sei etwas über 20 Zentimeter lang und erreiche eine Flügelspannweite von rund 50 Zentimetern. Sein Ruf klinge wie ein langgezogener Triller.

Der Mauersegler ist etwas kleiner als der Alpensegler. Er ähnelt den Schwalben, ist aber mit ihnen nicht verwandt. Der Schwanz ist relativ kurz und gegabelt.

Mit Ausnahme eines hellen Kehlflecks ist sein Gefieder von schwarzbrauner Farbe. Er wird bis 50 Gramm schwer, seine Flügelspannweite liegt bei 40 Zentimetern.

Die Mauersegler fallen durch einen hohen schrillen Ruf auf. Ein typischer Nistplatz findet sich an einem Haus in der Hinterlauben, wo die geselligen Vögel durch runde Löcher zu ihren Nestern gelangen.

Insekten auf dem Speiseplan

Wie auf dem Spaziergang zu erfahren war, ernähren sich die Mauer- und Alpensegler von Insekten, die sie aus der Luft einfangen. Ihren Durst löschen sie, indem sie dicht über die Wasseroberfläche fliegen und mit dem unteren Schnabelteil einen Schluck der Flüssigkeit abschöpfen. Auch das Material für ihre Nester holen sich die Segler aus Material, das herumfliegt. Durch ihren Speichel wird das Ganze zu einer Masse zusammengeklebt.

Die Mauer- und Alpensegler verbringen nur einige Wochen in der Schweiz. Sie bleiben, bis ihre Jungen grossgezogen sind, um dann wieder ihre Winterquartiere im Süden aufzusuchen. Schwierig werde es, wenn die Nester über den Winter zerstört würden, betonte Iris Scholl. «Die Paare kommen immer wieder zu ihrem alten Zuhause zurück. Nur die Jungvögel müssen sich nach ihrer ersten Reise ins Winterquartier und zurück ein neues Nest bauen.»