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WENDEPUNKT: Die Stadt sucht ein Gehirn

Die Stadt Gossau ist auf der Suche nach einer Verkehrsplanerin oder einem Verkehrsplaner. Dank der neuen Schlüsselfunktion soll der Ortsverkehr neu gesteuert und gestaltet werden.
Sebastian Schneider
Abendstau auf der St. Gallerstrasse: Nun soll ein interner Verkehrsplaner den Knoten lösen. (Bild: Hanspeter Schiess (26. März 2018))

Abendstau auf der St. Gallerstrasse: Nun soll ein interner Verkehrsplaner den Knoten lösen. (Bild: Hanspeter Schiess (26. März 2018))

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

Das ging ja blitzschnell. Kaum wurde am Stadtapéro bekannt, dass der Kanton sämtliche Varianten zur Entlastung des Gossauer Ortsverkehrs verwirft («Tagblatt» vom 26. März), hat der Stadtrat eine neu geschaffene Stelle ausgeschrieben. Unter anderem per Zeitungsinserat im «Tagblatt» sucht er einen Verkehrsplaner. Die neue Projektleiterin oder der neue Projektleiter muss als Bauingenieur in Sachen Verkehr schon mehrjährige Berufserfahrung mitbringen. Die gesuchte Person wird eine Schlüsselstelle in der Stadtverwaltung einnehmen, ist sie doch verantwortlich für ein Verkehrsmanagement, das eine umfassende Lösung für alle Verkehrsteilnehmer bringen soll. Aber hat der Stadtrat tatsächlich so schnell reagiert und kurzerhand eine neue Stelle geschaffen? «Nein», sagt Urs Salzmann, Kommunikationsverantwortlicher der Stadt. «Die zeitliche Nähe zwischen Stadtapéro und Stellenausschreibung ist purer Zufall.»

Mehr Komfort für Fussgänger und Velofahrer

Der Stadtrat sei natürlich nicht befugt, einfach eine neue Funktion zu schaffen, erklärt Salzmann. «Das Vorhaben ist schon lange geplant und musste durch das Parlament genehmigt werden.» Dies geschah an der Budgetsitzung vergangenen Dezember. Die SVP allerdings hätte am liebsten diese und eine weitere neue Stelle im Hochbauamt aus dem Budget gestrichen. Doch die Mehrheit des Parlamentes wollte davon nichts wissen und entschied, die Posten zu belassen.

Die Grundlage zur Schaffung der Stelle bildet das Stadtentwicklungskonzept, das 2016 durch das Parlament abgesegnet wurde. Schaut man sich darin die Ziele für die Mobilität an, wird rasch ersichtlich, was die Verkehrsplanerin oder den Verkehrsplaner erwartet. Der Fachperson sollte etwa der Kunstgriff gelingen, Ausweichverkehr in die Quartiere zu verhindern. Der innerstädtische motorisierte Verkehr darf nicht weiter wachsen. Ein attraktives Angebot soll die Benutzung von Fuss- und Velowegen sowie des ÖV steigern. Das Zentrum muss vom Schwerverkehr entlastet werden.

Die Ziele, wie realistisch sie auch immer sind, dürften sich nahezu mit den Vorstellungen der SP decken. Die Partei hat bereits gespürt, dass ihre Stunde gekommen ist; sie brachte den Stadtbus wieder aufs Parkett und schlug ein kostenloses ÖV-Angebot vor («Tagblatt» von gestern). Ob sich aber jemals eine Mehrheit für eine Lösung finden wird, ist nicht absehbar.

Der Bund hat andere Prioritäten

Abgesehen von den Massnahmen für den Langsamverkehr besteht unvermindert die Hoffnung, dass ein neuer Autobahnanschluss in Gossau Ost nach Herisau eine Entlastung bringt. Der Vorstand des Gewerbevereins etwa schrieb kürzlich in einer Stellungnahme, dass man nach wie vor hinter dieser Lösung stehe. Man wünsche sich eine zeitnahe Umsetzung. Das für die Planung und Realisierung zuständige Bundesamt für Strassen (Astra) kann diesem Wunsch allerdings überhaupt nicht gerecht werden. Das Projekt befindet sich noch in der Warteschlange. Erst in einigen Jahren wird es überhaupt in die Planung aufgenommen, wie es auf Anfrage bei der Filiale in Winterthur heisst. Mit einer Realisierung dieses Anschlusses sei erst zwischen 2030 und 2040 zu rechnen. An dieser Verzögerung trägt das Gossauer Stimmvolk seine Mitschuld. Im November 2013 sagten rund 56 Prozent der Stimmbürger Nein zu einer Erhöhung der Autobahnvignette von 40 auf 100 Franken. Wegen der gesamtschweizerischen Ablehnung des damaligen Netzbeschlusses wurde eine ganze Reihe von Nationalstrassenprojekten auf die lange Bank geschoben.

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