Weltenbummler wieder daheim

Nach 24 Jahren im Ausland sind Max und Teresa Bosshard wieder nach Thal zurückgekehrt. Insgesamt sind sie elfmal umgezogen, Max hat in einem Jahr 750 000 Flugkilometer zurückgelegt und mit Saddam Hussein zu Abend gegessen.

Lea Müller
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Von Amerika nach Thal: Teresa und Max Bosshard sind nach 24 Jahren im Ausland wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. (Bild: Lea Müller)

Von Amerika nach Thal: Teresa und Max Bosshard sind nach 24 Jahren im Ausland wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. (Bild: Lea Müller)

Thal. Vor dem Thaler Einfamilienhaus steht ein aus Holz geschnitzter Bär mit einem Schild in den Pfoten, auf dem steht: «God bless the USA». Max Bosshard öffnet strahlend die Türe und begrüsst die Journalistin in einem breiten Schweizer Dialekt. Seit wenigen Wochen wohnen er und seine Frau Teresa wieder in der Schweiz. Zuvor zogen sie jahrelang um die ganze Welt, lebten in China, Thailand, Mexiko und Amerika. Aber sie waren stets Heimweh-Thaler, wie auch die Autonummer «CH-THAL» auf ihrem Chevrolet deutlich macht.

Zur Hochzeit zurückgekehrt

«Wir sind genug gereist, wir wollen jetzt daheim ankommen», sagt Max Bosshard. Als er pensioniert wurde, dachten sie zuerst daran, in Thailand zu leben. Doch die starken Verbindungen in die Heimat Thal hätten überwogen, berichtet das Ehepaar. Hier ist Max Bosshard aufgewachsen, hier haben sie sich kennengelernt, geheiratet und zwei Kinder grossgezogen. So packten sie ihre Koffer und zogen – zum elftenmal übrigens – um. Ihr Haus, das sie in Thal vor etwa 30 Jahren gebaut hatten, konnten sie von ihrem Sohn wieder übernehmen. «Wir hatten bisher noch keine Zeit, um richtig anzukommen», sagt Teresa Bosshard. «Aber wir fühlen uns sehr wohl. Nach so vielen Jahren im Ausland haben wir die Schönheit der Schweiz schätzen gelernt.»

Insgesamt 24 Jahre verbrachten die Weltenbummler in der Ferne. Max Bosshard, der schon als junger Mann bei der Schweizerischen Seidengazefabrik Thal, der heutigen Sefar AG, arbeitete, erhielt von der Firma ein Stellenangebot in Amerika. «Ich wäre meinem Chef am liebsten um den Hals gefallen», erinnert er sich. «Es war immer schon mein Traum, in die USA auszuwandern.» Zur gleichen Zeit lernte er Teresa Gonzalez aus Spanien kennen. Sie verlobten sich in Thal, kurz bevor er nach Übersee reiste. Ein halbes Jahr lang sahen sie sich nicht. 1971 kehrte Max Bosshard nach Thal zurück und heiratete Teresa. Vier Tage nach der Hochzeit flogen sie gemeinsam nach Amerika. «Das empfehle ich allen jungen Menschen: Heiratet und dann nichts wie weg», sagt Max Bosshard und lacht: «Dann kann einem niemand dreinreden.»

In China fürs Leben gelernt

Vier Jahre lang lebte das junge Paar in South Carolina. Um ihre Kinder grosszuziehen, zog es sie wieder in die Heimat Thal zurück. Doch als diese aus dem Gröbsten raus waren, packte die beiden wieder das Fernweh. Diesmal zog es sie in den asiatischen Raum nach Hongkong. Danach folgte ein Jahr in Thailand, mehrere Jahre in Kansas City in den USA, fünf Jahre in Shanghai, drei Jahre in Mexiko, und bis kurz vor seiner Pensionierung arbeitete der Sales Manager bei der Sefar AG wieder in Kansas City.

In der Stube im Thaler Einfamilienhaus werden die verschiedenen Heimaten der Bosshards deutlich: Das Sofa ist aus Mexiko, das Sideboard aus den USA, auf dem Tisch stehen kunstvoll verzierte Blumenvasen aus China. «Viele Leute fragen, wo es uns am besten gefallen hat», erzählt Max Bosshard und lehnt sich nachdenklich im Sessel zurück. «Aber wir können es ehrlich gesagt nicht genau sagen.» Am Leben in den USA habe er die grosse Freiheit geschätzt. «Innerhalb eines bestimmten Rahmens kannst du tun und lassen, was du willst.» Seine Frau Teresa freute sich, in Mexiko ihre Muttersprache anwenden zu können. Und in China lernten die beiden eine völlig neue Kultur kennen. «In China haben wir fürs Leben gelernt», betont Max Bosshard. Er wisse heute genau, wie die Kultur funktioniere und wie man sich als Fremder anpassen könne. Freundschaft werde in diesem Land gross geschrieben. Eine Tugend, die Bosshards entgegenkam: «Wir haben uns bei jedem Wechsel sehr schnell eingelebt», erzählt Teresa. Man dürfe sich an einem neuen Ort nicht isolieren, sondern müsse sofort Kontakte knüpfen. «So haben wir überall auf der Welt gute Freunde gefunden.» Ihr Mann ergänzt: «Man muss Menschen gerne haben. Sonst bleibt man lieber zu Hause.» Heimweh plagte die beiden selten. «Wir hatten oft Besuch und konnten die Verbindungen nach Thal stets aufrechterhalten», betont Max Bosshard. Vermisst habe er insbesondere das Schweizer Essen. «Einmal habe ich einen Koffer voll vakuumierter Bratwürste und Cervelats nach China mitgenommen», erzählt er schelmisch grinsend. Seine Frau sei da unkompliziert gewesen – sie habe sogar Frösche gegessen.

Seit 40 Jahren verheiratet

Teresa Bosshard verbrachte viel Zeit alleine daheim, denn ihr Mann war beruflich oft unterwegs. Er bereiste unter anderem Skandinavien, den Mittleren Osten und afrikanische Länder. «Im Jahr 1992 legte ich 750 000 Kilometer mit dem Flugzeug zurück», erinnert er sich. Und in den 80er-Jahren hätte er bei einer Mühle-Einweihung in Bagdad gar mit Saddam Hussein am selben Tisch zu Abend gegessen. «Das darf ich heute eigentlich nicht erzählen», sagt er augenzwinkernd.

Er habe viel von der Welt gesehen und ein bewegtes Leben geführt, sagt er nach einer Pause. «Das konnte ich nur, weil meine Frau bereit war, überallhin mitzukommen.» Sie würden seit 40 Jahren eine glückliche Ehe führen.

Wieder auf Jobsuche

Max und Teresa wollen in Thal sesshaft werden. Doch zur Ruhe setzen möchte sich der Pensionär nicht: «Solange ich fit bin, möchte ich mich beruflich engagieren», betont er. Er suche eine Teilzeitaufgabe im Bereich Consulting, wo er mit China zu tun habe. «Mit dieser Geschäftskultur kenne ich mich bestens aus und habe meine Netzwerke», sagt er.

Doch zuerst wollen Bosshards ihr Haus fertig einrichten. Die beiden Katzen Cachita und Bärbeli dürften sich über freien Auslauf freuen. Bei Reisen und Umzügen sind sie seit vierzehn Jahren treue Begleiterinnen von Max und Teresa Bosshard. In China hatten sie striktes Ausgehverbot: «Sonst wären sie im Kochtopf gelandet», sagt Max Bosshard und streicht den Tieren liebevoll über ihr Fell.

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