Wellness für die Seele

WALDKIRCH. Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen. Und Markus Wäger und Beat Thürlemann im besonderen. Im Sommer fuhren sie mit dem Velo durch Norwegen. Übermorgen erzählen sie von ihren Abenteuern in der unberührten Natur.

Corinne Allenspach
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Fürs Bild auf dem Computer erklommen Markus Wäger (links) und Beat Thürlemann einen Berg, wo sie einen Juchzer in die Welt hinaus schickten. (Bild: Hanspeter Schiess)

Fürs Bild auf dem Computer erklommen Markus Wäger (links) und Beat Thürlemann einen Berg, wo sie einen Juchzer in die Welt hinaus schickten. (Bild: Hanspeter Schiess)

Am liebsten würde man gleich die Koffer packen und «uf und devo». Wenn Markus Wäger und Beat Thürlemann von ihrer Reise mit dem Velo durch Norwegen und die Lofoten erzählen, tönt das nicht nur abenteuerlich, es weckt auch die Reiselust. Man kann es sich lebhaft vorstellen, wie Thürlemann dem Elch, der nur wenige Meter vor ihm stand, tief in die Augen schaute. Oder wenn beide von den unberührten Landschaften schwärmen und der Einsamkeit, die ihnen Gänsehaut bescherten. Und von den vielen Begegnungen, die sich dank Thürlemanns Liebe zur Musik ergaben. Übermorgen Donnerstag werden sie erstmals in einer Multimedia-Show von ihren Erlebnissen berichten (siehe Kasten).

Ferien sind mehr wert als Geld

Jetzt sitzen die beiden Urwaldkircher in Wägers Stube. Markus Wäger, 51, Vater von zwei erwachsenen Kindern, gelernter Elektroinstallateur, Inhaber der Firma Wäger + Co. mit 30 Mitarbeitern und leidenschaftlicher Hobbyfotograf. Beat Thürlemann, 54, Vater von vier Kindern, Hauswart in der Schule Waldkirch und grosser Natur- und Musikfan. Die beiden kennen sich seit der Jugendzeit, waren zusammen im Musik- und Turnverein. «Wir verstehen uns einfach in jeder Hinsicht bestens», sagt Markus Wäger.

Weil Beat Thürlemann sein 20jähriges Dienstjubiläum feierte, konnte er wählen: Einen zusätzlichen Monatslohn oder einen Monat mehr Ferien. Er entschied sich für letzteres. «Das ist viel mehr wert», sagt der vierfache Vater. Es war schon sein Bubentraum, einmal mit dem Velo ans Nordkap zu fahren. Im Sommer machte er ihn wahr, pedalte acht Wochen lang rund 3500 Kilometer durch Norwegen. «Ich kenne keinen Menschen, der naturverbundener ist als Beat», sagt Markus Wäger. «Er fühlt sich in der Abgeschiedenheit völlig wohl. Das fasziniert mich.» Ausserdem mache er bei jeder Gelegenheit Musik und ermögliche so unzählige Begegnungen mit Einheimischen.

Stimmungen einfangen

Beat Thürlemann hantiert an seiner Norwegen-Kappe, die er sich später fürs Foto aufsetzen wird. Vier Mundharmonikas habe er auf die Veloreise mitgenommen und seine Ukulele, sagt er. «Ich habe daheim extra die norwegische Nationalhymne auswendig gelernt.» Das bescherte ihm einen unvergesslichen Abend. Als er auf einem Campingplatz seine Instrumente auspackte und die Hymne spielte, waren die Norweger so begeistert, dass sie Thürlemann den ganzen Abend zu Gratis-Speis und Trank einluden.

Markus Wäger begleitete seinen Freund zwei Wochen lang durch die Lofoten. Dies, nachdem er bereits über Ostern dort gewesen war, um die Inselgruppe vor der norwegischen Küste kennenzulernen. «Man vergisst alles und entspannt völlig in dieser Landschaft aus Schnee und Eis, Wasser und Bergen», schwärmt Wäger. Seine grosse Leidenschaft gilt der Natur- und Landschaftsfotografie. Auch rund um den Tannenberg ist er immer wieder mit seiner Canon EOS 5D unterwegs, um spezielle Stimmungen einzufangen. Viele seiner Fotos finden auch Eingang als Leserbilder im Tagblatt. «Hinter der Kamera kann ich total abschalten», sagt Wäger. «Das ist Wellness für die Seele.»

Die Landschaften im hohen Norden seien aber eine spezielle Herausforderung gewesen. «Sie sind derart traumhaft, dass es schwierig ist, sie so aufs Foto zu bringen, dass man ihnen gerecht wird.» Keine Frage: Wäger ist es gelungen. Während er einige besonders imposante Bilder zeigt, vergisst man als Betrachter fast, dass es Anstrengungen braucht, um die Natur so unmittelbar zu erleben und solche Fotos zu schiessen.

Freiheit pur mit Velo und Zelt

Thürlemann und Wäger übernachteten meist im Zelt, oft irgendwo allein in der Wildnis, weit weg vom nächsten Campingplatz. Das Velo verlieh ihnen die nötige Flexibilität, um stets dort anzuhalten, wo sie wollten. «Das gibt einem ein Gefühl von Freiheit», sagt Wäger, der es sich vorstellen kann, eines Tages nichts anderes mehr zu machen als zu fotografieren. Von seiner Lofotenreise hat er erstmals einen Fotokalender drucken lassen. Dieser kann am Donnerstag auch gekauft werden.

Konkrete Reisepläne für die Zukunft haben die Abenteurer bereits. 2017 wollen sie mit einem weiteren Kollegen durch die Bretagne und Südfrankreich pedalen. «Wir haben zum Glück alle verständnisvolle Frauen», sagt Wäger, und Thürlemann pflichtet ihm bei. Er geht den Sommer über einmal pro Woche an die Sitter, um Musik zu machen. Meist übernachtet Thürlemann auch gleich dort, Wäger begleitet ihn hie und da mit der Kamera. «Es kommt eigentlich gar nicht so drauf an, wo man ist», sagt Thürlemann. «Die Natur ist überall schön.» Nach der Nacht an der Sitter habe er jeweils das Gefühl, Ferien gehabt zu haben. «Aber nicht verraten, wo genau wir sind. Sonst kommen immer mehr Leute.»