Weitere Kritik an Lektionsabbau

Die Gewerkschaft VPOD und der Schweizer Musikrat wehren sich gegen den sparbedingten Abbau von Pflichtlektionen an den St. Galler Gymnasien.

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ST. GALLEN. «Die Schmerzgrenze ist überschritten», meint der St. Galler Verband des Personals Öffentlicher Dienste (VPOD) zur geplanten Streichung von drei Pflichtlektionen in den Fächern Deutsch, Englisch und Musik/ Bildnerisches Gestalten an den St. Galler Mittelschulen (Ausgaben vom 12. und 19. Dezember).

Eine Kürzung bei den Gymnasien mache «alle Bekenntnisse zur Wissensgesellschaft zur Makulatur», heisst es in der Stellungnahme der Gewerkschaft an das Amt für Mittelschulen. Dabei ginge es «eigentlich darum, die Mittelschulen in einem anspruchsvoller werdenden Umfeld optimal zu positionieren und die Maturitätsquote endlich etwas zu steigern, um vom zweitletzten Rang wegzukommen».

Bildungsabbau-Moratorium

Der VPOD stellt den neuerlichen Abbau gemäss kantonalem Sparpaket II in bezug auf Kürzungen von 2004: Damals wurden bereits acht Lektionen gestrichen. Seither seien die Mahnungen der Universitäten, dass zu viele Maturanden in Deutsch (und Mathematik) nicht die erforderlichen Leistungen mitbringen, «nicht abgeklungen». Mit lediglich noch zwölf Lektionen würde St. Gallen weniger Englisch anbieten als die umliegenden Kantone, obwohl die Bedeutung des Englischen als Wissenschaftssprache steige. Eine Kürzung im musischen Bereich wiederum sei entgegen dem Volksmehr zur Musikförderung und bringe für die Lehre rbildung praktische Probleme, wenn während der Gymnasialzeit ein Fach «komplett fallengelassen» werden müsse. Die beiden Kunstfächer seien «prägend für die Schulkultur und die kulturelle Bildung».

Der VPOD sieht «mit grosser Besorgnis dem bevorstehenden Sparpaket III entgegen», schreibt Fortunat Ferrari namens des Vorstands und fordert dringend, ein «breitabgestütztes Bildungsabbau-Moratorium an das Kantonsparlament» zu richten.

Musikabbau «verheerend»

Im Wissen, dass die Bildung in die Hoheit der Kantone fällt, interveniert auch der – nicht kantonal organisierte – Schweizer Musikrat (SMR) beim St. Galler Erziehungsdirektor. Man sei von seinem Vorstandsmitglied und Präsidenten des Schweizer Blasmusikverbandes, Valentin Bischof (St. Gallen), auf die Kürzungen im musischen Bereich aufmerksam geworden, heisst es im Brief von Geschäftsführer Stefano Kunz. Als Urheber der vom Schweizer Volk klar angenommenen Initiative «Jugend und Musik» erachtet der Musikrat eine tatsächliche Umsetzung der Sparmassnahme als «eklatante Missachtung des Volkswillens». Der Kanton St. Gallen, wo die Initiative 67 Prozent Ja-Stimmen verzeichnete, würde dem neuen Verfassungsartikel widersprechen, der besagt: «Bund und Kantone fördern die musikalische Bildung, insbesondere von Kindern und Jugendlichen.»

Dass an den Mittelschulen im Bereich der traditionell hochgewichteten Kultur gespart werden soll, ist aus Sicht des Musikrates «geradezu verheerend». Einerseits würde damit die fachliche Basis für Mittelschüler, welche einen Lehrberuf erlernen möchten, «noch schmaler». Zum andern würde das Übergewicht der kognitiven Fächer verstärkt; das sei «lerntechnisch und entwicklungspsychologisch bedenklich» und stehe im Widerspruch zu den mehr gefragten Soft Skills auf Managementstufe. Der Musikrat ruft die St. Galler Erziehungsdirektion «deshalb dringend auf, von einer Umsetzung der Sparmassnahmen abzusehen». (mel)

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