Weihnachtsseelsorge im Spital

Pfarrer Roland Eigenmann widmet sich am 24. Dezember ganz der Spitalseelsorge. Am Weihnachtsgottesdienst im Pflegeheim Pelago und bei den Krankenbesuchen im Spital Rorschach spendet er Trost und Zuversicht.

Daniela Huber-Mühleis
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Pfarrer Roland Eigenmann sieht es als Berufung, sich an Weihnachten um Patienten zu kümmern. (Bild: Daniela Huber-Mühleis)

Pfarrer Roland Eigenmann sieht es als Berufung, sich an Weihnachten um Patienten zu kümmern. (Bild: Daniela Huber-Mühleis)

RORSCHACH. Der Aufenthaltsraum des Spitals Rorschach ist mit goldgelben Kugeln, Engelsfiguren und Sternen geschmückt. Kerzen dürfen aus Sicherheitsgründen nicht angezündet werden. Päckli fehlen. Doch die Patienten sind da, um das grösste Geschenk zu erhalten – Gesundheit. Pfarrer Roland Eigenmann ist es ein Bedürfnis, die Geschwächten und Gebrechlichen jeglicher Konfessionen und Religionen an diesem Tag zu besuchen und ein offenes Ohr für ihre Sorgen zu haben.

Erlösende Weihnachtsbotschaft

Einer der Patienten ist bettlägerig. Er wird mit Infusionen und Antibiotika behandelt. Vor einigen Tagen wurde er wegen Diabetes notfallmässig eingeliefert. Der 70jährige ehemalige Chauffeur und Lagerleiter weiss noch nicht, wann er das Spital wieder verlassen darf. Er freut sich über den Besuch des Pfarrers. Roland Eigenmann erkundigt sich einfühlsam nach seinem Befinden. Mit seiner positiven Art findet er auch für diesen Patienten die richtigen Worte. «Weihnachten ist vor allem ein Familien- und Gemeinschaftsfest. Für viele Kranke ist es schmerzlich, dass sie nicht zu Hause feiern können», sagt Eigenmann. Deshalb wird an diesen Tagen ein Besuch des Spitalseelsorgers besonders geschätzt. «Die Patientinnen und Patienten leiden unter ihrer Situation. Mit der Botschaft, dass Christus in die Niedrigkeiten und ins Elend menschlichen Lebens gekommen ist, um sie zu erlösen, kann ich sie aufrichten und trösten», erklärt er seine Mission. Er betrachtet es als seine Berufung, in einsamen Stunden Beistand in der Not zu leisten.

Belastende Schicksale

Manche Schicksale gehen Roland Eigenmann besonders nahe. «Wenn mich eine Begegnung ausserordentlich belastet, gehe ich den Rosenkranz betend zu Fuss nach Hause. Oder ich schreibe eine Erfahrung auch gerne in mein Lebensbuch.» Diese Rituale geben ihm wieder Kraft und Energie. «Ich empfinde es auch als ein Geschenk, eine Gottesgabe, dass ich mich relativ schnell wieder anderen Dingen zuwenden kann», erklärt er.

Der Pfarrer beginnt diesen Tag um 10 Uhr mit der Eucharistiefeier im Pflegeheim Pelago. Manche Besucher kommen im Rollstuhl, andere Teilnehmer leiden an Demenz. Anschliessend beginnen die bis zu vier Stunden dauernden Spitalbesuche. Heiligabend schliesst er mit der Mitternachtsmesse und einem Schlummertrunk bei den Mesmern in Untereggen ab.

Staatliche Anerkennung

Neulich wurde ein Vertrag zwischen der Regierung des Kantons St. Gallen und den Landeskirchen unterschrieben, um der Seelsorge an den Spitälern eine gesicherte Position zu bieten. Für die Spitalseelsorger ist es eine Wertschätzung, wenn auch von staatlicher Seite diese Dienstleistung im Gesundheitsbereich anerkannt wird. Das Zusammenwirken von Pflege und Seelsorge ist fliessend und hat eine lange Geschichte. Manche Hospitäler des Mittelalters waren regelrechte Kirchenbauten. Viele Kranke lebten, litten und starben im Gotteshaus. Die alte französische Bezeichnung Hôtel de Dieu, die dann zu l'Hôpital führte, zeigt, dass die Patienten schon früher ihre Gebrechen in die Hände des Schöpfers legten.

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