Weihnachtlicher Basteln geht nicht

Es ist die weihnachtlichste aller Basteleien. Und wie kann man die Adventszeit besser einläuten als beim Kerzenziehen? Überall in der Region St. Gallen wird nun wieder Wachs geschmolzen, um Dochte darin einzutauchen. So zum Beispiel gestern bei der Pfadi Peter & Paul im Schloss Dottenwil in Wittenbach.

Johannes Wey
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Zwischendurch müssen die Kerzen in Wasser getaucht werden, damit sich das Wachs abkühlen kann. (Bild: Benjamin Manser)

Zwischendurch müssen die Kerzen in Wasser getaucht werden, damit sich das Wachs abkühlen kann. (Bild: Benjamin Manser)

Es ist die weihnachtlichste aller Basteleien. Und wie kann man die Adventszeit besser einläuten als beim Kerzenziehen? Überall in der Region St. Gallen wird nun wieder Wachs geschmolzen, um Dochte darin einzutauchen. So zum Beispiel gestern bei der Pfadi Peter & Paul im Schloss Dottenwil in Wittenbach.

Eine meditative Arbeit

Es ist eine besinnliche, fast meditative Beschäftigung. Den Docht eintauchen und schnell genug wieder hochziehen, damit das Wachs nicht wieder von der Kerze abschmilzt. Zusehen, wie das Kunstwerk wächst. Und zwischendurch ein Wasserbad für die Kerze oder eine Pause, damit das Ganze etwas auskühlen kann. Doch dann beginnt die Stosszeit beim Kerzenziehen. Über 20 Kinder und Eltern tummeln sich nun in der kleinen Küche. Zwölf Farben, oder zumindest Farbtöne, stehen bereit. Wer die Farben selber wählen will, braucht aber Geduld. Besser, die Wahl dem Zufall zu überlassen, und die Kerze in jeden Wachstopf tauchen, bei dem sich gerade die Gelegenheit bietet. Und aufpassen, dass man im Gedränge niemandem auf die Füsse tritt oder den Eltern kleiner Kinder wachsverschmierte Kleider einbrockt.

Wachs in den Händen

Immerhin nimmt auch das Wachstum der Kerzen Fahrt auf. Wer hat, dem wird gegeben, und je grösser die Kerze wird, desto mehr Wachs bleibt bei jedem Eintauchen haften. Zu ehrgeizig sollte man nicht werden: Wird das Wachs zu schwer, kann es vom Docht rutschen, und die ganze Mühe war vergebens. Also die Kerze lieber früh genug an den Nagel hängen. Nun kann man ihr noch eine letzte Verschnaufpause zum Aushärten gönnen, ehe man ihr mit dem Messer zu Leibe rückt. Das unförmige Ende muss abgeschnitten werden, damit die Kerze auch stabil steht. Und auf den Anblick, der sich beim Schneiden bietet, hat man ohnehin schon die ganze Zeit gewartet: Wie Baumringe präsentieren sich die verschiedenen Farbschichten. Die Abschnitte, leicht warm, wie sie noch sind, können ganz einfach zu Verzierungen geformt werden – wie das sprichwörtliche «Wachs in den Händen» eben. Unter den Kerzenziehern im Dottenwil tun sich einige als regelrechte Künstler hervor, oft sind die Väter die ambitioniertesten. Ein Highlight ist die halb geschälte Banane, die einer aus weissem und gelbem Wachs geformt hat.

Warten in der Zeit des Wartens

Wie gut das Kerzenziehen wirklich in den Advent als Zeit des Wartens passt, zeigt sich nach getaner Arbeit. Dann wenn man sein Kunstwerk täglich vor Augen hat und den Docht trotzdem noch nicht anzünden sollte. Je länger man wartet, desto mehr hat man davon. Frische Kerzen brennen viel zu schnell. Trotzdem werden wohl die meisten Kerzen, die gestern gezogen wurden, schon im neuen Jahr aufgebraucht sein.