WEIHERN-FESTIVAL: Singen in der Schutzzone

Der Streit um das Open Air auf Dreilinden löst kontroverse Reaktionen aus. Viele bedauern, dass es nicht mehr unter freiem Himmel stattfindet. Der Stadtrat sichert dem Festival seine Unterstützung zu.

Roger Berhalter
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Auftritt der St. Galler Band Stahlberger am Weihern-Festival 2014. (Bild: Urs Bucher)

Auftritt der St. Galler Band Stahlberger am Weihern-Festival 2014. (Bild: Urs Bucher)

Roger Berhalter

roger.berhalt

er@tagblatt.ch

Er hat die Medien eingeladen, um über die Musik zu reden – doch dann verzichtet Dario Aemis­egger überraschend darauf, das Programm des Weihern-Festivals 2017 bekannt zu geben. Das Open Air hätte – so wie in den vergangenen fünf Jahren – im September wieder auf Dreilinden stattfinden sollen. Doch weil sich Aemisegger und die städtischen Behörden über die Bedingungen nicht einig geworden sind, verlegt der Veranstalter das Musikfestival in die Grabenhalle (gestrige Ausgabe). 17 Bands werden an drei Tagen dort auftreten, so viel gibt Aemisegger an diesem Freitagmorgen bekannt. Welche das sind, will er aber erst am Montag verraten. «Über die Musik reden wir erst, wenn diese Geschichte vorbei ist.»

Das Gesuch liess auf sich warten

«Diese Geschichte» handelt von Lärmklagen, von behördlicher Willkür, von viel zu strikten Auflagen und einem viel zu langen Bewilligungsprozess. So erzählt es jedenfalls Dario Aemisegger, wenn er begründet, warum er von Drei Weieren in die Grabenhalle zügelt. Diese Geschichte handelt aber auch von einem Kulturanlass mitten in einer Schutzzone, wo ein Musikfestival nicht vorgesehen ist. Von einem Veranstalter, der für seinen Event noch gar kein Gesuch eingereicht hat. Und von einem Open Air, das mit der Schutzverordnung für dieses Gebiet kaum noch vereinbar ist. So erzählt es jedenfalls der Stadtrat (siehe Text rechts).

Er habe bewusst noch kein Gesuch eingereicht, sagt Aemis­egger. Zuerst habe er alle Rahmenbedingungen klären wollen, insbesondere was den Lärmschutz betrifft. Doch das hätte wieder Zeit gebraucht, und die sei ihm davongelaufen. «Wir mussten irgendwann einen Punkt setzen.» In der Grabenhalle habe man nun Planungssicherheit und könne vorwärts machen. Doch warum veranstaltet er das Festival nicht trotzdem auf Dreilinden, einfach kleiner, gemütlicher, ruhiger? «Man kann nicht vier Monate vor so einem Anlass sagen: Wir machen jetzt alles anders. So verliert man den letzten Rest an Glaubwürdigkeit.»

Der Streit ums Weihern-Festival hat viele Reaktionen ausgelöst. Ein Kulturveranstalter, der nicht genannt sein möchte, zeigt Verständnis für das Weihern-Team: «Ein Veranstalter braucht definitive Ansagen.» Dass im Mai noch über die definitive Durchführung eines Anlasses im September diskutiert werde, sei «sehr fragwürdig».

Die Badener Band Al Pride äussert auf ihrer Facebook-Seite Bedauern darüber, dass es das Festival auf Drei Weieren nicht mehr gibt: «Uns fehlen die Worte und jedes fucking Verständnis.» Die Band spielte vergangenes Jahr am Weihern-Festival – just dann, als die Stadtpolizei wegen Lärmklagen anrückte.

Wie ein Konzert ohne Musik

Auch auf der Facebook-Seite der Stadt («Rathaus Stadt St. Gallen») ist eine Diskussion um den Lärm entbrannt. Die städtischen Behörden hatten den Festival­organisatoren unter anderem vorgeschlagen, die Lautstärke zu später Stunde um fünf Dezibel zu reduzieren. Das stösst bei einigen Kommentierenden auf Unverständnis: «Das ist in etwa dieselbe Aussage wie: Wir erteilen euch die Bewilligung für ein Konzert, aber bitte ohne Musik.»

Es gibt aber auch andere Stimmen: «Ich bin froh, dass das Festival wieder weg ist», sagt ein Naturschützer. Ein anderer wünscht sich statt eines weiteren Festivals mehr «Event-freie Zonen» in der Stadt. Ein Leser schreibt, er verstehe die Anwohner. Gerade im Sommer seien sie lärmgeplagt: «Die Behörden haben hier nun einmal für die Anwohner entschieden.»

Dario Aemisegger betont, dass er sich auch im vergangenen Jahr «an jeden Grenzwert gehalten» habe. Doch: «Man findet in den Amtsstuben immer einen Grund, warum etwas nicht durchführbar ist.» Nur acht Lärmklagen seien am letztjährigen Festival eingegangen. «Wie kann man deswegen alles in Frage stellen?» Doch er wolle nicht mehr für den Standort Drei Weieren kämpfen, zumindest nicht mehr dieses Jahr. Er möchte nun «einen schönen Anlass» in der Grabenhalle organisieren. Und möglichst bald wieder über Musik reden.

Weihern-Festival

14.–16. September, Grabenhalle