Wegweiser zum Unbekannten

Studentinnen der Hochschule in Chur produzieren für St. Gallen einen besonderen Stadtführer. Er soll Städter und Besucher zu den vielen unbekannten Lädeli und Lokalen in der Stadt bringen.

Tobias Hänni
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An einem speziellen Stadtplan für St. Gallen arbeiten Eliane Egger (links) und Mirjam Durot. (Bild: Urs Jaudas)

An einem speziellen Stadtplan für St. Gallen arbeiten Eliane Egger (links) und Mirjam Durot. (Bild: Urs Jaudas)

Stadtführer für St. Gallen informieren meist über die ohnehin schon bekannten Dinge: die Kathedrale, die Olma oder Drei Weieren beispielsweise. Das zumindest ist die Meinung von Mirjam Durot, Eliane Egger und Sira Gorba. Die drei Studentinnen der Informationswissenschaften an der HTW Chur erstellen im Rahmen einer Semesterarbeit deshalb einen Stadtplan. «Es gibt viele coole Geschäfte in St. Gallen. Nur kennt man sie nicht», erklärt Mirjam Durot das Projekt.

Immer in die gleiche Bar

Der Stadtführer der Frauen im Alter zwischen 23 und 27 Jahren soll dies ändern. «Wir wollen auf die kleinen, unbekannten Lädeli und Lokale aufmerksam machen», sagt Mirjam Durot. Die drei Studentinnen haben eine persönliche Motivation für den Stadtführer: Mirjam Durot wohnt in Uzwil und ist oft in St. Gallen unterwegs, Eliane Egger lebt hier. Die Dritte im Bunde, Sira Gorba, kommt zwar aus Basel, hat aber Verwandte in der Stadt. Das Zielpublikum seien nicht ausschliesslich auswärtige Besucher und Touristen. «Es gibt viele Städter, die am Freitagabend stets die gleiche Bar besuchen», sagt Eliane Egger. Oder die ein Geschäft vom Vorbeigehen zwar kennen würden, dieses aber noch nie betreten hätten. «Unser Führer soll ein Anreiz sein, auch mal andere Lokale zu besuchen», sagen die Studentinnen. Er solle sich hauptsächlich an junge Menschen richten. «Das ist bei den bestehenden Stadtplänen ja selten der Fall.»

Um möglichst viele Ideen zu sammeln, haben die drei eine Online-Umfrage durchgeführt. Innerhalb eines Monats ist einiges zusammengekommen. «Über hundert Personen haben uns Vorschläge geschickt», sagt Eliane Egger. Die zahlreichen Rückmeldungen hätten sie positiv überrascht. «Da waren viele Lokale drunter, von denen wir noch nie etwas gehört haben.» Etwa ein Gewürzlädeli oder eine Crêperie.

Mit dem Sammeln der Informationen ist die Arbeit für die drei Studentinnen aber noch lange nicht getan. «Nun geht es darum, die Favoriten herauszupicken», sagt Eliane Egger. Und Lokale herauszustreichen, die nicht den Aufnahmekriterien entsprechen, beispielsweise Filialen von grossen Geschäftsketten. «Es müssen einzigartige Läden sein, die es sonst nirgendwo gibt», erklärt Eliane Egger. Vor Ort machen sich die drei dann ein genaueres Bild des Lädelis oder der Bar. «Überall können wir allerdings nicht ein Bier trinken gehen.» Deshalb recherchieren sie einen Teil der Informationen auch im Internet. «Zu jedem Vorschlag schreiben wir anschliessend einen kleinen Text mit den wichtigsten Informationen», sagt Mirjam Egger.

Noch fehlt das Geld

Ende Januar müssen sie ihr Projekt einreichen. Bis dahin wollen die drei Studentinnen einen Prototypen des Stadtplans produziert haben. Nicht elektronisch, etwa als App, sondern in Form eines Büchleins. «Es ist schöner, etwas Gedrucktes in den Händen zu halten», sagt Mirjam Durot, die früher als Buchhändlerin arbeitete. Ob der Stadtführer anschliessend in einer kleinen Auflage produziert wird, ist noch ungewiss. «Es wäre natürlich lässig, wenn wir ihn unter die Leute bringen könnten.» Dafür brauchten sie jedoch jemanden, der die Kosten übernehmen würde. «Einen Geldgeber haben wir bis jetzt noch nicht gefunden.»