Weder luxuriös noch egoistisch

«Redaktionelle Stellungnahme: Anwohner sind zu egoistisch», Ausgabe vom 28. Januar 2017

Ernst Schläpfer Haselstrasse 5, 9014 St. Gallen
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Alle, die das Lachen-Quartier nicht kennen, sollen einmal die Häuserfluchten zwischen der Zürcher Strasse und der Sömmerliwiese durchstreifen. In der Stickerei-Hochkonjunktur vor dem Ersten Weltkrieg wurden hier für Arbeiterfamilien möglichst viele hohe und einfache Mietshäuser mit ganz knappem Abstand schachbrettartig gebaut.

Und seither hat die Verdichtung weiter zugenommen: Viele der sehr schmalen Vorgärtlein sind jetzt zubetoniert für Strassenverbreiterungen oder Parkplätze. So entfliehen viele Familien gerne den Mietskasernen zur nahen Spielwiese, wo die Kinder sommers und winters sich vergnügen können. Dieses natürliche Bedürfnis als egoistisch und luxuriös hinzustellen, ist für mich sehr ungerecht und sogar beleidigend. Mit Recht haben viele grosse Städte beachtliche Grünflächen geschützt, beispielsweise auch New York mit dem Central Park. Es versteht sich von selbst, dass diese grünen Lungen erhalten bleiben müssen. Das gilt auch für die Sömmerliwiese.

Warum wurde diese Freifläche bisher nicht überbaut? Der Feldbach floss einst vom Stahl abwärts in einem tief eingeschnittenen Tobel zur Sitter hinunter. Dieser grosse Einschnitt wurde jahrzehntelang als städtische Abfalldeponie benützt, langsam aufgefüllt, aber ohne jegliche Materialtrennung (giftig/ungiftig). Der «Gallemescht» wurde dann mit Erde zugedeckt und ausgeebnet, und so entstand auch die heutige Spielwiese. Deshalb ist die ganze Wiese im kantonalen Katasterplan als belasteter Standort aufgeführt. Sie stellt also auch für einen Tageshort einen belasteten und daher problematischen Baugrund dar.

Ernst Schläpfer Haselstrasse 5, 9014 St. Gallen