Weder Freund noch Feind

GOSSAU. «Politik und Medien – die vierte Gewalt» lautete das Thema eines Frauennetz-Anlasses am Mittwoch. Politikerinnen schilderten ihre Erfahrungen. So unterschiedlich die Parteilinie auch sein mag – die Ansichten über Medien waren ähnlich.

Manuela Bruhin
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Alt Regierungsrätin Kathrin Hilber moderierte den Frauennetz-Anlass und befragte die Kandidatinnen. (Bild: Urs Bucher)

Alt Regierungsrätin Kathrin Hilber moderierte den Frauennetz-Anlass und befragte die Kandidatinnen. (Bild: Urs Bucher)

Seit vielen Wochen lächeln sie uns vom Strassenrand, von Plakaten und aus Inseraten entgegen: Politiker und Politikerinnen im Wahlkampf. Dieses Thema nahm das Frauennetz Gossau auf und lud vergangenen Mittwoch ins Gymnasium Friedberg zum Polit-Anlass. Unter dem Titel «Politik und Medien – die vierte Gewalt» wurde den Interessierten aufgezeigt, wie die Medienlandschaft funktioniert. Wo lauern Gefahren? Wie können Chancen genutzt werden? «Die Medien haben einen grossen Einfluss auf die Meinungsbildung», brachte es Moderatorin und SP-Urgestein Kathrin Hilber auf den Punkt.

Klare Regeln

Medientrainerin Eva Nietlispach wies mit einem Zitat von George Bernard Shaw auf die Problematik hin: «Das Problem mit der Kommunikation ist die Illusion, sie sei gelungen.» Die ehemalige FDP-Kantonsrätin war selbst jahrelang als Journalistin tätig – und kennt demnach beide Seiten. Deshalb betonte sie, dass Medienleute weder als Freund noch als Feind betrachtet werden sollten. «Vielmehr machen sie einfach ihren Job.» Die Medien funktionierten in gewisser Weise als Vergrösserungsglas, ist sie überzeugt. Als Politiker sei es wichtig, darauf zu achten, wer in einem Interview vor einem stehe – fällt der Journalist eher in die Kategorie des Trittbrettfahrers oder des Ideologen? Stolpersteine würden nämlich im Bezug auf die Medien einige lauern. «Im Hinblick auf den Wahlkampf beispielsweise soll nicht einfach das Parteiprogramm auswendig gelernt, sondern verinnerlicht werden», so Nietlispach weiter. Im Vorfeld eines Interviews sei es wichtig, mit dem verantwortlichen Redaktor über das Thema zu verhandeln und entsprechende Regeln aufzustellen. Man dürfe sich nicht unter Zugzwang setzen lassen. Nach dem Apéro kamen in der Mensa des Gymnasiums Friedberg verschiedenste Politikerinnen zu Wort. Elf Wahlkämpferinnen von rechts bis links standen der Moderatorin Kathrin Hilber Rede und Antwort. Isabel Schorer (FDP) beispielsweise steht gerade in ihrem ersten Wahlkampf, während Bettina Surber (SP) bereits einige hinter sich hat. Doch wie gehen sie mit den Medien um, gerade jetzt in der «heissen Phase»? So unterschiedlich die Parteizugehörigkeit auch sein mag – an diesem Abend herrschte grösstenteils Einigkeit darüber.

Privatsphäre abwägen

BDPlerin Regula Marti war viele Jahre in der Medienbranche tätig. «Provokative Fragen liefern oftmals interessante Antworten. Deshalb darf man sich nicht einschüchtern lassen», erklärte sie. Doch wie viel Privates darf man denn nun als Politikerin preisgeben? Für die Rednerinnen war klar: Privates soll privat bleiben. «Es käme nicht in Frage, mich mit meiner kleinen Tochter für die Politik ablichten zu lassen», so Surber. Hilber lobte die konsequente Einstellung der Politikerinnen. Denn: «Es ist wichtig, dass man sich im Vorfeld entscheidet, wie man mit den Medien umgehen soll.»