Wechselkurse und Wahlkämpfe

Aktuelle Themen wie die Nationalbank oder die Nationalratswahlen dominieren das neue Programm der öffentlichen Vorlesungen an der Uni St. Gallen. Mode, Psychologie, Geschichte und die Kinderuni sind auch Teil des breiten Spektrums.

Kathrin Reimann
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Wahlplakate prägen nicht nur das Stadtbild, sie dominieren auch das öffentliche Programm der Universität St. Gallen. (Bild: ky//Martial Trezzini)

Wahlplakate prägen nicht nur das Stadtbild, sie dominieren auch das öffentliche Programm der Universität St. Gallen. (Bild: ky//Martial Trezzini)

Es ist ein reiches Angebot an öffentlichen Vorlesungen, welche die Universität St. Gallen ab dem 14. September anbietet. Dominierend sind dabei Themen, die hochaktuell sind und die Schlagzeilen beherrschen.

So etwa die drei Vorlesungen des Politologen Silvano Möckli. «Diese sind ein besonderer Höhepunkt unserer Vorlesungsreihe, da sie sich über die gesamte Wahlzeit erstrecken», sagt Caspar Hirschi, der Leiter des Vorlesungsprogramms. So findet die erste dieser Vorlesungen am 8. Oktober statt. Genau zu dem Zeitpunkt, wenn die heisse Endphase des Wahlkampfes im Gang sein wird. Die dreiteilige Reihe zu den Schweizer Parlamentswahlen bietet somit Hintergrundinformationen zu den wichtigsten Diskussionspunkten und Parteiversprechen vor der Wahl als auch erste Analysen und vorsichtige Prognosen nach den Wahlen vom 18. Oktober. «Ich hoffe, dass wir mit dieser neuartigen Reihe den Nerv vieler politisch Interessierten treffen», sagt Hirschi.

Rote Zahlen, negative Zinsen

Ein weiterer Vorlesungsblock richtet seine Aufmerksamkeit auf die Schweizer Nationalbank, die seit Januar Dauerthema in den Medien ist. Gründe dafür sind die Aufhebung des fixen Wechselkurses, der Übergang zu Negativzinsen und dunkelrote Zahlen im ersten Halbjahr. «Zu diesem Thema haben wir renommierte Experten eingeladen, die frei erzählen können und die das aktuelle Geschehen ökonomisch, juristisch und historisch ausleuchten», sagt Hirschi. Darunter sei mit Ernst Baltensperger von der Universität Bern eine «Eminenz der Geldpolitik, die viele wichtige Ökonomen» ausgebildet habe.

Textilkrise als Theaterstück

Die Vorlesungsreihe, die im Rahmen des 25-Jahr-Jubiläums der Regionenpartnerschaft St. Gallen und Liberec stattfindet, macht auf die wechselvolle Kunstgeschichte der tschechischen Kulturstadt Liberec aufmerksam und zeigt, wie die mitteleuropäische Nation immer wieder um den eigenen Staat gerungen hat.

Ebenfalls einen Regionalbezug hat die Vorlesung zum Theaterstück «Erstickte Träume» von Rebecca C. Schnyder. Die Autorin hat das Stück über die Folgen der Textilkrise in St. Gallen eigens für die Stadt geschrieben. In der Vorlesung gibt Schnyder Einblick in ihre Arbeit sowie Auskunft über ihr Verhältnis zur Stadt. Ein gemeinsamer Besuch der Proben des im Herbst 2016 im Theater St. Gallen uraufgeführten Stücks runden die Veranstaltung ab.

In Zusammenarbeit mit der Stiftsbibliothek sowie des historischen Vereins wurden ebenfalls wieder verschiedene Vorlesungen organisiert, einige von diesen haben ebenfalls einen Lokalbezug.

Wie böse ist Putin?

Im Herbstsemester finden insgesamt 40 öffentliche Vorlesungen aus diversen Themenbereichen statt. Dazu zählen nebst den universitären Kernfächern auch Kultur, Musik, Soziologie, Sport, Naturwissenschaft, Psychologe oder Theologie. So wird etwa Thomas Geiser in einer Vorlesung über den Staat und die Familie darüber referieren, wie sehr sich die Realität der Familie verändert hat und ob die genetische, die medizinische oder die soziale Elternschaft für das Recht von Bedeutung ist.

Die beliebte und jeweils gutbesuchte Kinderuni findet ebenfalls wieder statt. Die Themen dieser vier Vorlesungen sind die Geheimnisse des Geldes, die Macht von Bildern, die Bosheit Putins sowie die Gründe dafür, dass Teilen und Gerechtsein glücklich machen.

Caspar Hirschi Programmleiter/Professor für Allgemeine Geschichte (Bild: pd)

Caspar Hirschi Programmleiter/Professor für Allgemeine Geschichte (Bild: pd)