WECHSEL: «Freihof» hat einen neuen Meister

Andreas Friemer ist gebürtiger Bayer und Braumeister. Seit kurzem ist er der Macher in der «Freihof»-Brauerei. Vorerst soll alles beim Alten bleiben. Ein paar «Leckerbissen» sind trotzdem geplant.

Angelina Donati
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Der neue «Freihof»-Braumeister Andreas Friemer fühlt sich in Gossau heimisch. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der neue «Freihof»-Braumeister Andreas Friemer fühlt sich in Gossau heimisch. (Bild: Hanspeter Schiess)

Angelina Donati

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@tagblatt.ch

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Richard Reinart wirkt der 50-jährige Andreas Friemer fast ein bisschen schüchtern. Aber eben nur fast. Denn auch er «schmeisst sich gerne unter die Leute», wie der neue Braumeister aus dem Hause «Freihof» in Gossau schmunzelnd sagt. Er weiss genau, mit welcher Bezeichnung er bei den Schweizern am besten ankommt. «Wenn du dich an einen Tisch setzt und sagst, du seist aus Deutschland und Versicherungsvertreter, dann rücken die Leute gleich weg», sagt Friemer mit sarkastischem Unterton. Ein Versicherungsvertreter ist er aber natürlich nicht. Als Bayer und gleichzeitig Braumeister habe man aber sofort jede Menge Sympathien, wie er aus eigener Erfahrung weiss.

Sympathie winkte auch seinem Landsmann Richard Reinart entgegen, der als Braumeister und Mitglied der Geschäftsführung den «Freihof» von Anfang an mitgeprägt hat. Seit dem heutigen Tag wirkt er nun bei der Brauerei Schützengarten als erster Braumeister mit. «Richard ist eine Kapazität. Mit dem ‹Freihof› hat er eine der schönsten Kleinbrauereien Europas aufgebaut», lobt ihn «Freihof»-Geschäftsführer Victor Ledergerber. Dreimal sei Richard Reinart vom grossen Konkurrenten Schüga angefragt worden. Zweimal habe er abgewunken, ehe er dann doch nicht widerstehen konnte.

Bei Null anfangen und Durchbeissen

Gerade oder eben weil sich die «Freihof»-Brauerei und Gaststube in den sechs Jahren seit der Eröffnung etabliert hat und die von Richard Reinart kreierten Bier-Rezepte auf Zustimmung stossen, will Ledergerber auf Kontinuität setzen. Vorerst soll das Angebot mit den drei Hauptbieren und den sieben Saisonbieren bestehen bleiben. Einen grossen Erfahrungsschatz weise auch der neue Braumeister auf. Nach seiner Studienzeit in München machte sich Andreas Friemer als Braumeister ins Südtirol auf, danach nach Innsbruck und zuletzt ins Engadin, wo er bei Tschli­ner Bier tätig war. Durch Empfehlung eines Lieferanten sei er schliesslich in der Brauerei in Gossau gelandet. Den «Freihof» bezeichnet er als «eine Alltagsgeschichte, die nicht alltäglich ist». «Diese Brauerei versprüht etwas ganz Besonderes», sagt Friemer.

Zwar habe das Bier in der heutigen Zeit seinen verdienten Platz noch nicht gefunden. Die Leute aber würden immer mehr auf den Geschmack kommen ­ und sich bei einem guten Essen für das Malzgetränk entscheiden, was eine echte Alternative zum Wein sei. Im Winter trinkt Friemer am liebsten gemütlich ein Bier auf dem Sofa, im Sommer hingegen hält er sich gerne im Biergarten auf und trinkt eine Mass «süffig-erfrischendes» Bier. In Gossau fühlt sich der Braumeister bereits heimisch und verbringt gerne Zeit im Alpstein. Jeder Umzug bedeute aber auch ein «Durchbeissen». «Weil ich ja wieder bei Null anfange», erklärt er und fährt fort: «Mit der Arbeit zufrieden sein kann man nur, wenn auch das Umfeld stimmt.» Nach der Zeit in Deutschland, Italien und Österreich freut er sich nun, die Schweizer Kultur näher kennen zu lernen. «Die Schweizer verstehen etwas von Genuss.»

Ein Meilenstein in «Freihof»-Geschichte

Unter dem Motto «Genuss» will die Brauerei diesen Frühling 1000 Liter vom hauseigenen Whisky herausgeben. «So viel wie noch nie», sagt Victor Ledergerber. Der noch junge Whisky hat bei der nationalen Edelbrandprämierung 2015/16 eine Silbermedaille abgestaubt. Eine Art Feuertaufe des neuen Braumeisters wird am Samstag, 18. März, abgehalten. Dann nämlich findet im «Freihof» eine Weisswurst-Party mit Anzapfen des Frühlingsbiers statt. Vielversprechend dürfte auch der Gastauftritt einer bierbrauenden Nonne am Goss­auer Klostermarkt sein. Als Meilenstein in der «Freihof»-Geschichte bezeichnet Ledergerber den erstmaligen Auftritt an der diesjährigen Offa in der Halle 5. Dieser soll der Gossauer Brauerei zu mehr Bekanntheit verhelfen. Nach Jahren auf der Warteliste sei es nun endlich geglückt.