WASSERVERLUST: Häggenschwil ist nicht ganz dicht

38 Millionen Liter Wasser versickerten 2016 im Häggenschwiler Leitungsnetz – ein Fünftel der jährlichen Trinkwassermenge. Die Gemeinde steht vor einem Rätsel.

Noemi Heule
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Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Häggenschwil verliert Wasser. Viel Wasser. 37,8 Millionen Liter sind im vergangenen Jahr nie beim Verbraucher angekom- men. Mit derselben Wassermenge könnte ein herkömmlicher Duschkopf fast fünf Jahre lang ununterbrochen brausen.

Dieser immense Verlust an Trinkwasser bringt Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring in Erklärungsnot: «Wir kennen die Ursache zurzeit nicht.» Er betont aber: «Die Gemeinde ist hartnäckig und sucht zusammen mit der BHW nach dem Problem im Leitungssystem.» Ein Wasserverlust in dieser Grössenordnung sei nicht akzeptabel.

Kostenpunkt: 20000 Franken

Tatsache ist: Im vergangenen Jahr bezog die Gemeinde insgesamt 173,346 Millionen Liter Trinkwasser, wie die Wasserstatistik zeigt. Davon wurden 135,491 Millionen Liter an die Verbraucher verkauft – über ein Fünftel versickerte dagegen irgendwo im Leitungsnetz. «Jede Gemeinde verliert Wasser», sagt Eisenring. Der Verlust liegt aber weit über der Norm von 10 bis 15 Prozent. Dieses Ziel will auch Häggenschwil künftig erreichen. Denn das Leck in der Leitung schadet der Gemeindekasse: Der zusätzliche Aufwand schlug für 2016 mit 20000 Franken zu Buche. Die Gruppenwasserversorgung Berg-Häggenschwil-Wittenbach (BHW) führe bereits seit einiger Zeit Messungen durch, um der Ursache des Wasserverlustes auf die Spur zu kommen, sagt Eisenring. Bisher ohne Erfolg. Nebst einer undichten Stelle könnte auch eine Messungenauigkeit für die Differenz in der Wasserstatistik verantwortlich sein. Ältere Wassermesser würden deshalb laufend durch neue Modelle ersetzt.

Leck, Messfehler oder ­Wassersünder

Dass in Häggenschwil ein Wassersünder am Werk sei, hält Hans-Peter Eisenring dagegen für unwahrscheinlich: Zwar könne man nicht ausschliessen, dass kleinere Mengen an Wasser illegal von Hydranten abgezapft würden. Damit könne aber der Verlust in seinem ganzen Ausmass nicht erklärt werden. Der Gemeindepräsident hofft nun auf Hinweise aus der Bevölkerung, um der Ursache auf die Spur zu kommen. Einige sind bereits eingegangen: «Mit dem Schnee in der vergangenen Woche waren undichte Stellen besser sichtbar», sagt er. Nun werde den Beobachtungen der Bürger nachgegangen.

Nicht zum ersten Mal kämpft Häggenschwil mit einem Leck in der Leitung: Bereits 2011 konnte der Schaden erst nach wochenlanger Suche behoben werden. Damals versickerten fast ein Drittel der jährlichen Trinkwassermenge im Grund. Verantwortlich war ein undichter Gummiring. Auch 2015 kam ein Viertel des Wassers nie in den Haushalten an – im Jahr 2016 waren es dagegen rund 22 Prozent. Von einem Rückgang des Wasserverlustes wird denn auch im aktuellen Gemeindeblatt gesprochen.

Leitungsnetz wird laufend verbessert

«Wir überprüfen und verbessern das Leitungssystem ständig», begründet Hans-Peter Eisenring die Verbesserung. Dennoch bleibt der Unterschied minim. Der wahre Übeltäter nämlich, das Leck im verzweigten Leitungsnetz im Untergrund der Gemeinde, blieb bisher unauffindbar.