Wassersport im Einklang mit Natur

Im Clubhaus des Segelclubs Rietli fand die Umwelt-Informationstagung der Internationalen Wassersport-Gemeinschaft Bodensee statt. Den Delegierten der Hafenbetreiber und Wassersport-Clubs rund um den See wurde Aktuelles vermittelt.

Otmar Elsener
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Die Flagge «Blauer Anker» wies auf die Umwelt-Tagung hin. Der Goldacher Rietli-Hafen wartet aber noch auf seine Zertifizierung. (Bild: Otmar Elsener)

Die Flagge «Blauer Anker» wies auf die Umwelt-Tagung hin. Der Goldacher Rietli-Hafen wartet aber noch auf seine Zertifizierung. (Bild: Otmar Elsener)

GOLDACH. Die 1985 gegründete internationale Wassersport-Gemeinschaft Bodensee (IWGB) ist eine Vereinigung von 25 Verbänden aus den wichtigsten Sparten des Wassersports und des nautischen Gewerbes am Bodensee. Die wichtigsten Anliegen der Gemeinschaft waren damals die Erhaltung der Freiheit auf dem See beim Ausüben des Wassersports und ein Engagement für den Umweltschutz. Seither haben sich die Gewichte verschoben: aktiver Umweltschutz ist heute die Hauptarbeit der Gemeinschaft. So dient denn die jährliche Umwelttagung dazu, die Umweltverantwortlichen der Hafenanlagen und Vereine über den Stand der Natur am See zu informieren und neue Erkenntnisse über die Reduktion von Belastungen des Wassersports aufzuzeigen.

«Blauer Anker» als Logo

Das Aushängeschild der Gemeinschaft ist das Programm mit dem Logo «Blauer Anker». Ähnlich dem in der Industrie angewandten ISO-Zertifizierungssystem wurde es vor zehn Jahren für die Betreiber von Häfen und Bojenfeldern geschaffen. Die Flagge mit dem Logo kennzeichnet heute ein anspruchsvolles und realistisches Programm für die umweltgerechte Gestaltung und Führung von Hafen- und Steganlagen. Es steht auch für Sicherheit, Unfallschutz und die heute üblichen Hafendienstleistungen. Die IWGB betreibt das Programm «Blauer Anker» selbständig. Sie arbeitet jedoch konstruktiv zusammen mit den Behörden und Organisationen des Umweltschutzes. Seit der Gründung sind 19 Häfen rund um den See von den ehrenamtlich und ohne Honorar arbeitenden Auditoren zertifiziert worden. Der an der Tagung neu zum Auditor gewählte Axel Egger erklärte treffend für seine künftige Arbeit: «Der See ist mein Paradies, aber nicht nur meines.»

See für Generationen erhalten

Im Segelclub-Rietli-Clubhaus stellte Vizepräsident Hans Plaettner-Hochwarth aus Kressbronn mehrere Referenten vor, die in Kurzreferaten über verschiedene Themen berichteten. Samuel Roch von der Fischereiforschungsstelle Langenargen orientierte, dass immer wieder nicht heimische Pflanzen und Tierarten unabsichtlich, oft aber auch absichtlich ausgesetzt, in den Bodensee eingeschleppt werden. Diese Neozoen gefährden die heimische Fauna. Schuldig sind Schiffseigner, die mit Parasiten behaftete Boote vom Meer oder von anderen Gewässern herkommend ungereinigt im Bodensee wassern. So wurde vor Jahren die Dreikantmuschel im See entdeckt. Eine Plage, die sogar die Ansaugstellen von Trinkwasserversorgungen verstopfte. Neue Parasiten, wie der Hakensaugwurm, der sich in den Kiemen von Fischen festsetzt, sind vielleicht durch Wasservögel eingebracht worden. Die Fischereiforschungsstelle verfolgt alle Entwicklungen. Josef Mazzel, der erste Auditor Blauer Anker, schilderte die Stellung eines Umweltverantwortlichen im Hafen oder Verein. Dieser wird ernannt durch die Betreiber von Hafenanlagen oder durch Wassersportvereine, die sich um die Blauer-Anker-Zertifizierung bewerben. Seine Hauptaufgabe ist es, die Wassersportler mit Infos dahin zu bringen, dass sie umweltschützende Forderungen des Blauen Ankers freiwillig erfüllen. Der Verantwortliche muss das Umweltbewusstsein der Wassersportler wecken, damit sie Verantwortung für den Schutz des Sees übernehmen.

Fortschritt in Technologie

Hans-Luzius Studer erklärte den heutigen Stand der technischen Motorenentwicklung hinsichtlich der zulässigen Emissionswerte. Ein Achtzylinder-Ottomotor aus den 1970er-Jahren kann heute dank Technologiefortschritt durch einen Sechszylindermotor mit gleicher Leistung ersetzt werden, der rund 80 Prozent Emissionen einspart. Ein neuer Motor kostet rund 50 Prozent mehr als eine Revision. Die Mehrkosten werden aber dank Treibstoffeinsparung und weniger Wartung in elf bis zwölf Jahren amortisiert.

Konzept für Sicherheit

Kurt Ludescher zeigte am Beispiel Hafen Schwedenschanze in Fussach ein gut funktionierendes Sicherheitskonzept. Mit einem Alarmierungsplan wird bei Unfällen die medizinische Erstversorgung gewährleistet, dank Sicherheitsstationen, Defibrillator, Notarztrucksack, Rettungsringen mit Wurfleinen, Feuerlöschern, Leitern bei den Schwimmstegen. Geschult werden Mitglieder und Familienangehörige. Der Bootsverkehr im Hafen ist auf 4 km/h beschränkt, getankt werden darf nur an der Tankstelle, Haftpflichtversicherungen sind vorgeschrieben.

Organisiert wurde die Veranstaltung von Josef Mazzel und Hans-Luzius Studer. Sie sind langjährige Wassersportler der Rorschacher Bucht und Blaue-Anker-Initianten der ersten Stunde. Ausgerechnet in ihrem Heimatrevier fehlen bis heute die Zertifizierungen der Häfen in Rorschach und Goldach, während die drei Anlagen in Staad und Altenrhein alle ausgezeichnet wurden. Die Vorbereitungen laufen, dass bald auch in den restlichen Häfen die Blaue-Anker-Flagge weht und die Idee «Für Wassersport und Umweltschutz» gelebt wird.