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WASSERPREIS: Die St.Galler zahlen für Erbsünde

Die Stadt St.Gallen verrechnet so viel für den Kubikmeter Wasser, wie keine andere Stadt der Schweiz. Ein Grund dafür sind die maroden Leitungen, die es zu sanieren gilt. Der Hauptgrund liegt aber 20 Jahre zurück.
Elisabeth Reisp
Die Stadt St. Gallen bezieht das Wasser aus dem Bodensee und bezahlt dafür einen hohen Preis. (Bild: Benjamin Manser)

Die Stadt St. Gallen bezieht das Wasser aus dem Bodensee und bezahlt dafür einen hohen Preis. (Bild: Benjamin Manser)

Elisabeth Reisp

elisabeth.reisp

@tagblatt.ch

Die Stadt St.Gallen hat weither­um den höchsten Wasserpreis. Im schweizerischen Städtevergleich schwingt sie mit 2.66 Franken für den Kubikmeter Wasser obenaus. Zum Vergleich: In Zürich kostet der Kubikmeter Wasser durchschnittlich 1.86 Franken, in Neuchâtel (die Stadt mitAABB22den zweithöchsten Wasserpreisen) kostet der Kubikmeter 1.88 Franken. «Der Preis rechtfertigt sich unter anderem mit dem Investitionsbedarf für das Leitungsnetz», sagt Peter Jans, Direktor der Technischen Betriebe. Dieser Bedarf ist in den letzten Jahren gestiegen.

Wie in anderen Städten hat auch St.Gallen in den 1960er-Jahren sogenannte Duktilgussleitungen der ersten Generation verlegt. Deren Lebensdauer ist aber viel kürzer als damals erwartet, was vor allem im Winter zu zahlreichen Wasserrohrbrüchen führt. Daher gilt es, diese Leitungen zu ersetzen. Aufgrund eines schlechten Controllings in der Abteilung Wasser der Stadtwerke wurden aber bereits mehr Kilometer dieser maroden Leitungen ersetzt als geplant (siehe Zweittext). Daher stellt sich die Frage erneut nach der Rechtfertigung für den hohen Wasserpreis. Peter Jans: «Wir haben zwar schon viele Leitungen erneuert. Es bleiben aber immer noch 28 Kilometer, die es zu ersetzen gilt.» Gehe man jetzt mit dem Preis runter, schliesse die Betriebsrechnung mit einem Minus. «Aber», räumt Jans ein, «in ein paar Jahren, wenn der Nachholbedarf saniert ist, wird man sich wieder Gedanken über die Höhe des Wasserpreises machen müssen.»

Der Sündenfall in Frasnacht

Der Wasserpreis in St.Gallen rechtfertigt sich teilweise mit dem hohen Investitionsbedarf. Gemäss Jans bleibt nur ein Teil des Wasserpreises in der Kasse der Stadtwerke. Ein beträchtlicher Teil geht an die Regionale Wasserversorgung St.Gallen (RWSG), der Betreiberin des Seewasserwerks in Frasnacht. Und hier bezahlen die Stadtsanktgaller für eine Erbsünde.

Das Seewasserwerk wurde 1998 in Betrieb genommen. Die RWSG, eine Aktiengesellschaft, getragen von elf umliegenden Partnergemeinden, bereitet dort Seewasser auf und pumpt es in die Gemeinden. Als das Wasserwerk geplant wurde, ging man von einer wachsenden Bevölkerung aus. Entsprechend grosszügig wurde projektiert. Für die ganze Schweiz gesehen stimmte das auch: Die Schweizer Bevölkerung wuchs von 6,3 Millionen (1980) auf heute 8 Millionen Menschen. Die Bevölkerungszahl der Stadt bewegte sich in derselben Zeit aber nur von 75800 auf 79300. Auch eine weitere Prognose traf nicht zu: In den 1980er-Jahren prognostizierte man einen steigenden Pro-Kopf-Verbrauch von Wasser. Ein verändertes Umweltbewusstsein und technologische Entwicklungen haben jedoch zu einer Reduktion des Wasserverbrauchs geführt. Eine dritte Fehlprognose: An der RWSG beteiligten sich nicht so viele Gemeinden wie erhofft. Das Wasserwerk, so wie es seit bald 20 Jahren da steht, sei also aus heutiger Sicht viel zu gross und hätte grosse ungenutzte Kapazitätsreserven, sagt Jans. Betriebsnahe Fachleute sagen sogar, das Wasserwerk sei nur zu einem Drittel ausgelastet. Mit ­anderen Worten: Die Stadtsanktgaller und alle anderen RWSG-Partner zahlen seit 20 Jahren die Fixkosten für ein überdimensioniertes Seewasserwerk, das damals über 200 Millionen Franken kostete.

Andere Gemeinden haben Quellwasser

Die Stadt als Hauptaktionärin der RWSG trägt die grosse Last. Auch weil sie ihr Wasser ausschliesslich aus dem Bodensee bezieht. «Unser Wasserpreis wird immer etwas höher sein», sagt Peter Jans. «Nur schon, weil wir in der Stadt vier Ebenen haben, auf welche das Wasser hinaufgepumpt werden muss.» Die umliegenden Gemeinden hingegen haben teilweise auch günstigeres Quellwasser, was sich positiv auf den Preis auswirkt. Gossau beispielsweise verlangt für den Kubik­meter nur 2 Franken, Abtwil 1.70AABB22Franken. Preise, von denen St.Galler nur träumen können.

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