Wasserflugzeuge kehren zurück

RORSCHACH. Am Wochenende vom 5./6. Juni lassen Modellflugpiloten am Rorschacher Seeufer ihre Wasserflugzeuge steigen. Organisator Hansruedi Zeller rechnet für diese kleine Airshow mit mindestens 30 Teilnehmern und 50 Flugzeugen.

Gisela Tobler
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Hansruedi Zeller mit einer Nachbildung der amerikanischen «Seabee». Ein Original wird im Fliegermuseum Altenrhein wieder startklar gemacht. (Bild: Gisela Tobler)

Hansruedi Zeller mit einer Nachbildung der amerikanischen «Seabee». Ein Original wird im Fliegermuseum Altenrhein wieder startklar gemacht. (Bild: Gisela Tobler)

Die Zeit der grossen Airshows am Bodensee scheint wohl vorbei zu sein. Doch die Faszination für die Fliegerei ist ungebrochen, auch wenn es sich nicht um «richtige» Flugzeuge handelt, sondern um Modelle. Beeindruckend sind vor allem die massstabsgetreuen Nachbildungen von berühmten Flugzeugen.

Einer, der sich in diesem Metier besonders gut auskennt, ist der Thaler Modellflugpionier Hansruedi Zeller.

In Zusammenarbeit mit der deutschen Modellsportfirma «robbe» organisiert er zum Jubiläum «100 Jahre Schweizer Luftfahrt» am ersten Juniwochenende ein internationales Meeting für Wasserflugmodelle.

Erstflug in Rorschach

Der Anlass findet am 5. und 6. Juni am Rorschacher Seeufer statt. Mit gutem Grund, denn hier wurden vor neunzig Jahren echte Wasserflugzeuge gebaut.

Nachdem der Versailler Vertrag Deutschland anno 1918 ein Flugzeug-Bauverbot beschert hatte, verlegte Konstrukteur Claude Dornier die Flugboot-Montage von Friedrichshafen ans Schweizer Ufer. Nach Rorschach, wo die Dornier «Libelle» am 21. August 1921 zum Erstflug abhob. Da es aber keine Erweiterungsmöglichkeiten gab, um auch die riesige DO-X zu bauen, zog Dornier 1927 nach Altenrhein. Bereits zwei Jahre später startete das erste zwölfmotorige Flugboot auf dem Bodensee.

Geschichtsträchtiger Ort

Mit dem Wasserflug-Meeting kehren die Wasserflugzeuge sozusagen wieder nach Rorschach zurück. Unmittelbar nach der Ausschreibung in einer Modellbauzeitschrift hat Hansruedi Zeller zahlreiche begeisterte Anrufe erhalten. Unter anderem vom ehemaligen Dornier-Mitarbeiter Rolf Breitinger aus Friedrichshafen, der es kaum erwarten könne, seine DO-24 an einem so geschichtsträchtigen Ort starten zu dürfen.

Das dreimotorige Original, das auch in Altenrhein gebaut wurde, war während Jahrzehnten die wichtigste Arbeitsmaschine der internationalen Seerettungsfliegerei SAR. Eine dieser Maschinen wird heute noch von Iron Dornier geflogen, einem Nachkommen der Dynastie.

Die Anmeldefrist läuft noch, aber Hansruedi Zeller ist überzeugt, dass zwischen 30 und 50 Modellpiloten mit 60 bis 80 Flugzeugen nach Rorschach kommen.

Er weiss, dass Modellflieger auch eine weite Anreise nicht scheuen, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, und natürlich um ihre kleinen Wunderwerke der Technik fliegen zu lassen.

Obwohl er die Organisation praktisch alleine durchzieht, wirkt Zeller überhaupt nicht gestresst. Er lacht: «Kein Wunder, ich renne überall offene Türen ein.

Sämtliche Behörden bei Stadt, Kanton und Bund haben die notwendigen Bewilligungen unbürokratisch erteilt und unterstützen den Anlass nach Kräften.»

Pläne bis 2013

Hansruedi Zeller schmiedet bereits neue Pläne, ganz mit der Absicht, diesen Anlass zur Tradition werden zu lassen: 2011 unter dem Aspekt «Dornier-Flugzeuge im Einsatz bei Expeditionen», 2012 mit dem Schwerpunkt «100 Jahre Wasserflug am Bodensee», und 2013 will man sich erinnern, dass 100 Jahre zuvor zum ersten Mal das Flugzeugrennen «Grosser Preis vom Bodensee» gestartet wurde.