Wasser ist zum Trinken da

Hahnen auf, das Wasser sprudelt. Das fliessende Nass daheim gibt selten zu Klagen Anlass. Dennoch steckt mehr dahinter, wie gestern beim Mittagstreff im Naturmuseum zu erfahren war.

Fredi Kurth
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«Wasser ist zum Waschen da», heisst es in einem deutschen Lied. «Falleri und fallera.» Und in einer nächsten Zeile: «Auch zum Zähneputzen kann man es benutzen.» Das kommt dem Thema schon ein wenig näher. Denn Wasser aus dem Hahnen kann auch bedenkenlos getrunken werden. Besonders in St. Gallen. Trotzdem haben Menschen zuweilen immer noch Hemmungen, weil sie nicht genau wissen, woher denn das Wasser kommt, oder sie erinnern sich vielleicht an oft weit zurückliegende Katastrophen wie jene einst in Zermatt (Typhus).

Nur scheinbar klares Wasser

Wer gestern beim Mittagstreff dem Gespräch zwischen Lukas Ströhle vom kantonalen Trink- und Badewasserinspektorat und Toni Bürgin, dem Leiter des Naturmuseums, zuhörte, hatte allerdings gewisses Verständnis für Bedenken. Denn der Fachmann war kraft seiner Aufgabe verpflichtet, darauf aufmerksam zu machen, was denn da so alles im scheinbar klaren Wasser herumschwimmt: Von 400 bis 500 Trinkwasserproben im Jahr müssen 60 bis 80 Proben beanstandet werden. Doch Ströhle relativiert sogleich: Die Proben würden gezielt risikoorientiert erhoben und die meisten Problemfälle lägen irgendwo auf einer Alp. Die Statistik sei daher nicht repräsentativ, das Trinkwasser im Kanton St. Gallen sei allgemein von guter Qualität.

Mensch hat ein Kilo Bakterien

Proben aus Quellen und Seewasser ergeben unterschiedliche Ergebnisse, wobei weniger die chemische Verunreinigung eine Rolle spielt, sondern die Mikrobiologie aus fäkalen Verunreinigungen. Bestimmte Fäkalbakterien geben Hinweise auf die mögliche Anwesenheit verschiedenster pathogener Keime im Wasser. Doch Wasser sei nie ganz rein, sagt Ströhle. Das mehrstufig aufbereitete Bodenseewasser erlaubt aber für die Stadt St. Gallen Unbedenklichkeit. Auch Bürgin relativiert: «Der Mensch trägt ohnehin ein Kilogramm Bakterien in sich.»

Im Unterschied zu früher sind die Untersuchungsmethoden derart empfindlich, dass ganz kleine Mengen, sogenannte Mikroverunreinigungen, festgestellt werden können. Doch beim Wasser drängt die Frage der Umweltgefährdung mehr als jene nach der Gesundheitsgefährdung.

Stadt sicher, aber Rosttendenz

Ängste immerhin nützen dem kantonalen Amt für Gesundheits- und Verbraucherschutz, vorsorglich zu wirken und den strengen Vorschriften Rechnung zu tragen. «Trinkwasser ist das bestgeprüfte Lebensmittel», sagt Ströhle, «was aber gerechtfertigt ist.» Die Stadt St. Gallen habe ein sehr gutes Niveau bei der Sicherheit, auch wenn nicht alle Risiken auszuschliessen seien. Diese haben auch damit zu tun, dass die Wasserversorgung die Qualität bis zur Liegenschaft garantiert, dort aber die Verantwortung beim Hausbesitzer liegt. Wasser darf nicht lange in der Leitung liegen bleiben, wie dies bei einem lange unbenützten Hahnen der Fall sein kann. Durchspülen hilft laut Ströhle aber immer. St. Gallen hat besonders kalkarmes Wasser, wodurch Leitungen rascher rosten.

Dennoch ist Wasser aus dem Hahnen zum Trinken da, auch jenes der meisten Brunnen in der Stadt. Doch nicht alles, was fliesst, soll die Kehle hinuntergegossen werden. Ein Glas aus der Sitter würde sich Toni Bürgin kaum genehmigen: «Denn jenes Wasser erfüllt nicht die Anforderungen an Trinkwasser.» Es ist höchstens zum Waschen da.