Waschen, föhnen, schneiden

Bettina Stöckli-Wallimann betreibt seit 20 Jahren den Hundesalon Dany in St. Gallen. Sie frisiert grosse und kleine Hunde und auch Katzen – jeweils so, wie es die Besitzer möchten. Doch sie erfüllt ihnen nicht jeden Wunsch.

Katharina Brenner
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Hundecoiffeuse Bettina Stöckli-Wallimann rasiert ihrem Pudel Thayiro das Fell um die Pfoten herum. (Bild: Urs Bucher)

Hundecoiffeuse Bettina Stöckli-Wallimann rasiert ihrem Pudel Thayiro das Fell um die Pfoten herum. (Bild: Urs Bucher)

Helles Fell wirbelt durch den Raum. In grossen Büscheln fällt es auf den Boden und den Tisch. Darauf steht Sirius, ein Collie. Hunde dieser Rasse haben langes Fell. Das von Sirius ist an den Beinen und am Bauch kurz. «Es ist der Wunsch der Kundin», sagt die Hundecoiffeuse Bettina Stöckli-Wallimann. Schnipp macht die Schere in ihrer Hand, und ein weiteres Büschel fällt ab. Seit 20 Jahren führt sie den Hundesalon Dany an der Burgstrasse 90a in St. Gallen. Ihre Ausbildung hat sie in Zürich gemacht.

Drei Stunden für den Collie

«Du bist ein ganz ein Lieber», sagt Stöckli-Wallimann und streichelt Sirius über den Kopf. Sie kennt ihn seit Jahren. Sirius hält still, ab und an macht er einen Schritt nach vorn. Die Hundecoiffeuse bringt ihn dann wieder in Position. «Es ist mir ganz wichtig, dass wir die Hunde nicht anbinden», sagt sie. Wenn sie kurz ans Telefon muss, hebt sie Sirius davor vom Tisch, damit er sich im Raum bewegen kann.

Der Termin dauert rund drei Stunden. Je nach Schnitt und Länge brauche sie zwischen anderthalb und vier Stunden für ein Tier, sagt Stöckli-Wallimann, inklusive baden und föhnen. Kosten: 95 bis 160 Franken. Manche Kunden kämen alle drei Monate, andere zehnmal im Jahr. Kurzes Fell trimmt sie. Gebadet wird danach. Hunde mit langem Fell wäscht und föhnt die Hundecoiffeuse, bevor sie sie schert. «Das Fell muss trocken sein, sonst geht die Schere kaputt.»

Im Raum ist es warm. Es riecht nach Hund, aber nicht so sehr, wie man es in einem Hundesalon erwarten könnte. Der Salon ist im Erdgeschoss, oben wohnt Stöckli-Wallimann mit ihrem Mann, den beiden Kindern und dem Pudel Thayiro. Ist sie im Salon, ist der Pudel auch da. Sein Fell ist schwarz, über der Stirn trägt er Zöpfchen. «Thayiro ist immer gepflegt. Er ist mein Aushängeschild.»

Der Pudel döst unterm Tisch

Er liegt unter dem Schreibtisch und döst, während Stöckli-Wallimann das Fell von Sirius schneidet. Den Pudel scheint es nicht zu stören, dass seine Besitzerin einen anderen Hund frisiert. Dass sich zwei nicht vertragen, komme selten vor, sagt sie. Zwischen sechs und zwölf Tiere werden pro Tag in ihrem Salon frisiert, an fünf Tagen die Woche. In der Stadt St. Gallen gibt es eine Handvoll Hundesalons.

Auch Katzen haben im Hundesalon Dany Termine, überwiegend solche mit langen Haaren. Sie seien schwieriger zu händeln als Hunde, sagt Stöckli-Wallimann. Bei Hunden könne es problematisch werden, wenn die Besitzer dabei bleiben möchten. «Es ist vergleichbar mit dem Kindergarten.» Sobald die Eltern weg seien, könnten sich die Kinder besser darauf einlassen.

Ein Shih Tzu in der Föhnbox

Ein kleiner, alter Shih Tzu ist zum ersten Mal im Hundesalon. Sein graumeliertes Fell ist so lang, dass er kaum etwas sieht. Marina Trivalic, Stöckli-Wallimanns Mitarbeiterin, trocknet es im Nebenraum. Der Hund sitzt auf einer Bank, das Fell weht nach links. Der Luftzug aus dem Föhn, der einem Staubsauger ähnelt, ist stark. Als der Shih Tzu etwas zittert, schaltet Trivalic das Gerät aus und setzt ihn in eine Art Schrank mit Gebläse und durchsichtiger Tür – die Föhnbox. Sie sei vor allem für alte Hunde, die lieber liegen, sagt sie.

Gegenüber der Föhnbox badet einer der zwei Lehrlinge einen Labrador-Mischling. Auch er wird später getrocknet.

Rasur auf fünf Millimeter

Anschliessend bringen Trivalic und der Lehrling die Hunde in den Nebenraum und setzen sie auf die Tische links und rechts von Sirius. Der Lehrling fährt mit einem Rasierer über das Fell des Labrador-Mischlings. Fünf Millimeter. Der Rasierer surrt, dunkle Büschel fallen zu Boden. «So möchte es die Kundin», sagt Stöckli-Wallimann. Lehnt sie gewisse Wünsche ab? «Ja. Ich färbe auf keinen Fall. Die Chemie schadet den Hunden.» Und sie sagt, sie würde einem Hund nie einen Irokesenschnitt verpassen. Eins dürfe man nie vergessen: «Es sind Tiere.» Sie streichelt Sirius an der Seite und setzt die Schere an. Schnapp. Helles Fell wirbelt durch den Raum.

Bild: KATHARINA BRENNER

Bild: KATHARINA BRENNER