Was passiert mit der Calatrava-Halle?

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Seit 1996 prägt die Calatrava-Halle das Bild der St. Galler Altstadt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Seit 1996 prägt die Calatrava-Halle das Bild der St. Galler Altstadt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Wahrzeichen Zentral bei der Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt ist die Frage, wie der ÖV-Korridor zwischen Schibenertor und Brühltor gestaltet wird beziehungsweise wie die Haltestellen angeordnet werden. Diese Frage wurde bereits bei den ersten beiden Neugestaltungsvorlagen, die 2011 und 2015 an der Urne Schiffbruch erlitten hatten, kontrovers diskutiert. Beim ersten Anlauf war vorgesehen, die Haltestellen in beiden Richtungen auf Höhe des Marktplatzes zu verschieben und jene stadtauswärts in die geplante neue grosse Markthalle zu integrieren. Beim zweiten Anlauf wäre nur die Haltestelle in Richtung Hauptbahnhof zum Marktplatz hin verschoben worden, jene für die stadtauswärts fahrenden Busse und Züge wäre am Bohl geblieben. Das war unter anderem das Ergebnis einer Bevölkerungsbefragung, welche die Stadt nach dem Volksnein 2011 hatte durchführen lassen. Die Mehrheit der Teilnehmer sprach sich darin für den Erhalt der Calatrava-Halle aus.

Abbruch ja, aber…

Nun ist eine grosse Mehrheit der Teilnehmer am «Forum Marktplatz» zum Schluss gekommen, dass die Haltestellen in beiden Richtungen am jetzigen Standort am Bohl bleiben sollen. «Die Deutlichkeit der Befürwortung dieses Standorts hat mich am meisten überrascht», sagt Stadtplaner Florian Kessler. Gleichzeitig hat sich aber auch eine grosse Mehrheit der Teilnehmer für einen Abbruch der Calatrava-Halle ausgesprochen, sofern sich dies «aus Sicht der ÖV-Nutzung und der Haltestellenanordnung als sinnvoll erweist», wie es in der Auswertung des «Forums Marktplatz» heisst. «Wenn der öffentliche Verkehr weiterhin auf dem Bohl hält, müssen wir anschauen, was das für die Calatrava-Halle bedeutet», sagt Kessler.

Verschiebung wäre komplex bis unmöglich

Die Idee, die Haltestelle Richtung Bahnhof zum Marktplatz zu verschieben, basierte auf der Problematik, dass sich die vom Brühltor her kommenden Busse bis in den dahinter liegenden Verkehrsknoten stauen könnten. Zudem ist die Haltekante für die Züge der Appenzeller Bahnen sehr schmal. «Bleibt die Haltestelle nun auf dem Bohl, hat das einerseits verkehrliche Auswirkungen auf den Knoten Brühltor und andererseits räumliche Auswirkungen auf den Bohl», sagt Kessler. Denn für zwei Busspuren und zwei Gleise der Appenzeller Bahnen brauche es wohl zusätzlichen Platz, zumal die Haltestellen behindertengerecht gestaltet werden müssen. Die Calatrava-Halle ein paar Meter nach hinten zu rücken, wäre nicht so einfach, sondern eine «technische Herausforderung», sagt Kessler. Denn die Konstruktion der Wartehalle ist fest im Boden verankert. Ausserdem stelle sich die Frage, was mit dem Freiraum zwischen der Calatrava-Halle und dem Coop-Gebäude bei einer Verschiebung passieren würde. «Wir müssen sicherstellen, dass der Bohl auch künftig eine gute Qualität hat, verkehrlich wie räumlich.» (dag)