Was passiert eigentlich am Sonntag?

Das Rennen um Sitze im Nationalrat ist auf der Zielgeraden. Wer wird das Dutzend sein, das im St. Gallischen vorne liegt und den Kanton für vier Jahre in Bern vertritt? Genau kann das heute natürlich niemand sagen.

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Bruno Eberle im Pfalzkeller (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Bruno Eberle im Pfalzkeller (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Das Rennen um Sitze im Nationalrat ist auf der Zielgeraden. Wer wird das Dutzend sein, das im St. Gallischen vorne liegt und den Kanton für vier Jahre in Bern vertritt? Genau kann das heute natürlich niemand sagen. Bruno Eberle (Bild) ist einer, der eine Prognose wagen kann, die Hand und Fuss hat, also mehr ist als Kaffeesatzlesen und Wunschdenken. Der langjährige Wahlbeobachter sowie ehemalige Banker und LdU-Stadtparlamentarier hat – wie immer vor Wahlen – gerechnet. Er basiert seine Prognose auf den Resultaten der vier, fünf letzten Nationalratswahlen. Den sichtbar werdenden langfristigen Trend rechnet er um zwischenzeitliche Veränderungen hoch.

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Für einen St. Galler Nationalratssitz ist ein Stimmenanteil von 7,7 Prozent nötig. Bruno Eberle nimmt an, dass es morgen keine grossen Sitzverschiebungen geben wird. Der SVP sowie der CVP (mit Hilfe von EVP und BDP) sind die bisherigen vier und drei Sitze sicher. Offen ist bei der CVP, wer den Sitz von Lucrezia Meier-Schatz (St. Peterzell) übernehmen wird. Aus der Region St. Gallen darf sich aufgrund seines Bekanntheitsgrades Olma-Direktor Nicolo Paganini (Abtwil) gewisse Chancen ausrechnen.

Unsicherer als auch schon ist die Ausgangslage für die SP: Ihr fehlen auf der Liste mit Hildegard Fässler und Paul Rechsteiner zwei Wahllokomotiven von 2011. Dank des Bündnisses mit den Grünen dürfen Genossinnen und Genossen zuversichtlich sein, ihre bisher zwei Sitze ins trockene zu bringen. Womit neun der zwölf St. Galler Nationalratsmandate vergeben wären.

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Zittern müssen nach Meinung von Bruno Eberle vor allem die Grünliberalen. Der Sitz von Patientenschützerin Margrith Kessler (Altstätten) sei akut gefährdet. Dies, weil die GLP ausser der Piratenpartei, deren Potenzial schwer einzuschätzen sei, keine Bündnispartner gefunden hat.

Allerdings könnte es gemäss Eberle auch anders kommen: Mit etwas Proporzpech könnten die Grünen den Sitz von Yvonne Gilli (Wil) einbüssen. Linksgrün werden in Umfragen Stimmenverluste vorausgesagt. Ob und in welchem Ausmass diese im St. Gallischen eintreffen, entscheidet über das Schicksal des grünen Sitzes.

Und wer könnte am ehesten vom allfälligen Pech von GLP oder Grünen profitieren? Für Bruno Eberle ist das ganz klar die FDP. Sie verpasste 2011 relativ knapp die Eroberung eines zweiten Mandates. Für morgen werden ihr in nationalen Umfragen Stimmengewinne vorausgesagt. Mit etwas Glück und etwas Pech bei GLP oder Grünen könnte die FDP diesmal triumphieren. Der Entscheid darüber dürfte aber auf jeden Fall knapp ausfallen. (vre)

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