Was muss man da denn noch aufwerten?

Gübsensee: Beliebt, aber unscheinbar Ausgabe vom 26. April 2016

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Nicht zum erstenmal berichtet der Stadtteil des St. Galler Tagblatts über eine «Aufwertung» des Gübsensees. Auch dieses Mal fehlt für mich ein kritischer Kommentar des Schreibenden zu solchen Plänen. Es stellen sich mir nämlich in diesem Zusammenhang verschiedene kritische Fragen.

Muss ein noch ruhiges, wenn auch von Spaziergängern stark frequentiertes Gebiet wirklich aufgewertet werden? Schon allein dieser Begriff passt nicht zum Wort Natur. Der Vergleich der Planer mit Drei Weieren zeigt mir höchstens, dass es nie so weit kommen darf mit dem Gübsensee. Sind wir nicht mehr in der Lage, an ruhigen Plätzen unsere Runden zu drehen, ohne Klamauk, Angebote, Lärm? Und müssen tatsächlich Soziologen und andere «Fachleute» Workshops abhalten, um festzustellen, dass der Gübsensee schön ist, aber ein «unscheinbares Dasein» fristet? Zum Glück ist das so, finde ich. Sind vielleicht gerade das Velofahrverbot, die Hundeleinenpflicht und ein fehlendes Fun-Angebot die Punkte, die zwar ein gewisses Publikum abhalten, aber unseren Gübsensee so erholsam bleiben lassen?

Schon die neuen Feuerstellen samt Badesteg haben mehr Leute angezogen, was mehr laute Musik und im Sommer sicher auch mehr Abfall bedeutet. Genügt das nicht? Muss eine Badi her? Die Planer sollen darüber einmal mit den Nachbarn auf Drei Weieren sprechen. Und vielleicht möchten Stadtplanungsamt und Soziologen das Restaurant Gübsensee pachten und im Betrieb alles besser machen? Solange die Quartierbevölkerung zwar jammert, wenn's zu ist, aber dort nicht regelmässig einkehrt, wenn's ein Pächter wieder einmal versucht, kann kein Wirt überleben.

Echt schlimm ist für mich, dass die Projektgruppen «Badeplatz» (2015) und die jetzige «Aufwertungsgruppe» nicht zusammengearbeitet haben. Das sagt ja wohl schon alles über diesen neuen Wurf von teuren Fachleuten aus. Die wären doch am besten selber einige Monate lang jede Woche einmal um den Gübsensee spaziert und hätten dort einfach nur beobachten sollen.

Christa Iseli Auwiesenstrasse 38,

9030 Abtwil

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