«Was kann man da fotografieren?»

Grönland und die dortigen Eiswüsten lockten Othmar Fräfel lange. Dieses Jahr reiste der St. Galler Fotograf endlich zu den Eisbergen. Es hat sich gelohnt: Drei seiner Bilder wurden nun ausgezeichnet und in Perm, Russland, ausgestellt.

Marlen Hämmerli
Drucken
Teilen
Die Eisberge vor Grönland: Zwei der drei Bilder, die der Bröggler Othmar Fräfel im russischen Perm zeigte. (Bilder: pd/Othmar Fräfel)

Die Eisberge vor Grönland: Zwei der drei Bilder, die der Bröggler Othmar Fräfel im russischen Perm zeigte. (Bilder: pd/Othmar Fräfel)

Viele russische Fotografinnen und Fotografen, einige Franzosen und Israeli und ein Stadtsanktgaller. Othmar Fräfel durfte als einer von 52 Fotografen an der 4. Fotofestival Biennale International Perm in Russland ausstellen. Ein wahrlich «ambitionierter Hobbyfotograf», wie ihn seine Frau Zita Fräfel-Noser nennt. Er fotografiere sicher keine schönen blauen Himmel, erklärt Fräfel selbst und fügt an: «Das wäre einfach zu banal.» In Russland zeigte der 65-Jährige dann auch keine langweiligen Himmel, sondern drei Bilder der Eisberge vor Grönland.

Von der Fotoausstellung in Perm hatte er zufällig erfahren. «Die russische Bekannte einer Kollegin sah die Grönland-Bilder und meinte, ich solle mich bewerben.» Mit Erfolg. Heute hält Fräfel den Ausstellungskatalog in Händen: «Für mich ist das eine schöne Anerkennung.»

Die Kamera vom Lautenschlager

Dabei kam der Bröggler vor rund 53 Jahren rein zufällig zum Fotografieren. Der Sohn «vom Lautenschlager», dessen Vater damals das gleichnamige Fotogeschäft führte, brauchte seine alte Kamera nicht mehr. Fräfel kaufte sie ihm ab und schoss seine ersten Fotos auf einer Bergtour im Wallis. Fortan hatte die Leidenschaft den gelernten Maschinenzeichner gepackt. Fotografisches Wissen und Können brachte er sich über die Jahre selbst bei, recherchierte in Büchern und im Internet und besuchte «zwei oder drei» Kurse.

Bis heute ist er auf der Suche nach dem besonderen Bild. «Ich will jene Dinge zeigen, die man nicht einfach sieht.» Oft sind das unerwartete Blickwinkel auf Bekanntes. Etwa eine Gruppe von unten fotografierten Fliegenpilzen, die wirken wie eine kleine Familie. Oder weisse Siloballen, so nah aufgenommen, dass man sie erst auf den zweiten Blick als die bekannten «Schneebälle» erkennt. Aber auch spezielle Lichtsituationen reizen Fräfel. Seien es die Polarlichter in Norwegen oder eben die Mitternachtssonne in Grönland.

Vielfalt der kargen Wüsten

«Ein weiteres Thema waren immer auch Wüsten, karge Landschaften.» Eine Faszination, die nicht alle Arbeitskollegen verstanden, erinnert sich der pensionierte Maschinenzeichner. «Einer fragte mich einmal: <Was kann man da schon fotografieren? Es hat ja nur Sand.>» Nach seiner Rückkehr zeigte Fräfel ihm die geschossenen Bilder. «Da verstand er. In der Wüste herrscht eine gewaltige Vielfalt der Formen und Farben.» Dabei gehe es nicht nur um Sandwüsten. «Das kann auch eine Fels- oder Eiswüste sein.» Die Eisberge vor Grönland lockten Othmar Fräfel schon immer, wie er selber sagt. Es dauerte jedoch lange, bis er die Reise endlich antrat: «Für zwei Personen kostete es einfach zu viel.» Klar habe er überlegt, alleine zu gehen. «Aber ich getraute mich nicht, den Gedanken laut auszusprechen.» Schliesslich war seine Frau bisher auf allen Reisen dabei gewesen. Als letztes Jahr aber in der Reisegruppe immer noch Plätze frei waren, sagte sie: «Ach, warum gehst du nicht einfach alleine?» Da liess sich Othmar Fräfel natürlich nicht zweimal bitten. Heute lacht er über diese Episode und besonders darüber, was der Reiseleiter dann später sagte. «Der erklärte uns, dass auf dieser Reise nie Pärchen dabei sind.» Das Fotografieren stehe zu sehr im Mittelpunkt.

Genug Ausland, nun die Schweiz

Es fällt auf: den grössten Teil seiner Fotografien schiesst Fräfel im Ausland. Darauf angesprochen schmunzelt der Hobbyfotograf und sagt: «Schon richtig, das ändert aber.» Er habe immer gesagt: «Wenn wir jung sind, gehen wir weit. Werden wir älter, werden wir eng.»

Früher habe es ihn sehr ins Ausland gezogen, um Ferien zu machen und zu entspannen. Aber auch um sehr bewusst an einem bestimmten Ort zu sein. Denn: «Die besten Fotos schiesst man mit Fokus auf etwas Bestimmtes.» Heute habe er nicht mehr Lust, weit zu reisen. «Ich bin jetzt pensioniert und habe mehr Zeit.» Fräfel will sich nun auf einzelne Projekte konzentrieren und vermehrt in der Schweiz fotografieren.