Was in der Brustkrebs-Prävention gelten soll

Er kommt mit einem dicken Ordner und vielen handgeschriebenen Notizen aus dem Plenarsaal im mondänen St. Galler «Einstein».

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Krebsspezialist: Prof. Florian Otto. (Bild: pd)

Krebsspezialist: Prof. Florian Otto. (Bild: pd)

Was in der Brustkrebs-Prävention gelten soll

Er kommt mit einem dicken Ordner und vielen handgeschriebenen Notizen aus dem Plenarsaal im mondänen St. Galler «Einstein». Eben hat er – nach drei Tagen Konferenzarbeiten mit den weltweit führenden Spezialisten für Krebsprävention – die letzten Teilnehmer verabschiedet. Nun zieht er im Foyer eine erste Bilanz.

St. Galler Konsens für die Welt

Florian Otto ist Facharzt für Hämatologie und internistische Onkologie am Tumor- und Brustzentrum ZeTuP in St. Gallen und Professor an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg/Breisgau. Er hat nun eine anspruchsvolle Arbeit zu leisten: Die in den Fachgesprächen gewonnenen neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Prävention von Brustkrebs zu formulieren.

Im Austausch mit den Spezialisten bereinigt Otto die Erkenntnisse, bis alle, die dazu beigetragen haben, dahinterstehen können. Das Papier gilt dann als weltweit verbindlicher Konsens für Brustkrebs-Prävention – eine Art Standard.

Vielversprechende Ansätze

Die Konferenz hat wichtige Erkenntnisse geliefert, sagt Florian Otto.

«Es werden Medikamente entdeckt, die für andere Krankheiten entwickelt worden sind und nun in der weiteren Erforschung zeigen, dass sie auch eine Wirkung gegen Brustkrebs haben und vorbeugend eingesetzt werden können.» Zu den hoffnungsvollen Ansätzen in diesem Bereich gehören Medikamente zur Cholesterinsenkung und gegen Diabetes. «Vielversprechend» seien Forschungen mit Medikamenten gegen Osteoporose, sagt Otto.

Zudem sei man weltweit daran, Substanzen zu erforschen, die weniger Nebenwirkungen als heutige Medikamente haben könnten. Das sei wichtig, um Kritik an medikamentöser Prävention entgegentreten zu können.

Klar geworden sei an der Konferenz, dass die Vorbeugung gegen Brustkrebs – wie bei anderen Tumorarten auch – einen ganzheitlichen Ansatz brauchten und sehr individualisiert angegangen werden müssten.

Otto: «Wir müssen erkennen können, welche Frauen ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs und allenfalls zusätzlich für Nebenwirkungen von Medikamenten haben.» Im Fokus der forschenden Präventionsspezialisten stehe deshalb die Suche nach Biomarkern, die erlaubten, solche Risiken zu erkennen. «Einen Ansatz gibt es bereits: Eine hohe Dichte des weiblichen Brustdrüsenkörpers zeigt ein Risiko an, und es gibt Medikamente, die hier eine Wirkung versprechen.»

Als Bub den Säntis im Blick

Der im süddeutschen Singen aufgewachsene Mediziner hat vom elterlichen Balkon den Säntis gesehen und war so fasziniert, dass er noch heute zur Erholung gerne im Alpstein klettert und im Winter im Wallis lange Skitouren unternimmt. Die Liebe zu den Bergen hat ihn vor zwei Jahren auch nach St. Gallen geführt.

Parallel zu seiner Spezialisierung hat Florian Otto 15 Jahre Grundlagenforschung mit entwicklungsbiologischem Schwerpunkt betrieben. «Die Erkenntnisse über Funktion und Entwicklung gesunder Zellen hat mir geholfen, zu erkennen, was in Krebszellen abläuft», sagt Otto. (lö)

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