Warum es ruhig bleibt

WALDKIRCH. Die Ausgangslage für die Wahl des Waldkircher Gemeindepräsidenten ist spannend. Dennoch bleibt es ruhig im Blätterwald. Wortgefechte finden vornehmlich hinter den Kulissen statt.

Rafael Rohner
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Reges Interesse am Tagblatt-Podium: Der Wahlkampf zwischen Franz Müller (Mitte) und Aurelio Zaccari verläuft dennoch erstaunlich ruhig. (Bild: Hanspeter Schiess)

Reges Interesse am Tagblatt-Podium: Der Wahlkampf zwischen Franz Müller (Mitte) und Aurelio Zaccari verläuft dennoch erstaunlich ruhig. (Bild: Hanspeter Schiess)

WALDKIRCH. Der Wahlkampf um das Gemeindepräsidium in Waldkirch bewegt. Mehr als 200 Interessierte sind Anfang September an das Tagblatt-Podium gekommen. Sie haben in der Fragerunde den amtierenden Gemeindepräsidenten Franz Müller (CVP) und seinen Herausforderer, Vize-Gemeindepräsident Aurelio Zaccari (FDP), mit Fragen gelöchert. In den Leserbriefspalten ist es aber trotz der spannenden Ausgangslage ruhig geblieben. Nicht einmal eine Handvoll Leserbriefe sind eingegangen. Kritik wurde kaum öffentlich geäussert.

Zum Vergleich: Bei den Wahlen ums Wittenbacher Gemeindepräsidium Anfang 2011 sind etwa 70 Leserbriefe verfasst worden. Damals haben sich nach dem Rücktritt von Albert Etter drei Kandidaten ums Präsidium beworben.

Warum dieser Unterschied zwischen den Wahlkämpfen? Während sich in Wittenbach der eine oder andere Kandidat auch mal öffentlich mit Kritik konfrontiert sah, bleibt es in Waldkirch ruhig. Auch bei der Stimmbeteiligung zeichnet sich ein Unterschied ab. Wenn auch geringfügig. In Wittenbach war die Stimmbeteiligung mit 55,15 Prozent ausserordentlich hoch. In Waldkirch zeichnet sich ebenfalls eine überdurchschnittliche Beteiligung ab. Bis gestern sind laut Ratschreiberin Katrin Cowper 901 Stimmcouverts eingegangen. Das entspricht einer Beteiligung von 38,5 Prozent. Laut Cowper ist ein Wert von über 50 Prozent aber gut möglich.

Reges Interesse

Dass sich die Wahlen in Waldkirch in den Leserbriefspalten deutlich weniger niederschlagen als damals in Wittenbach ist aufgrund der speziellen Ausgangslage überraschend. Zumal nicht nur die Stimmbeteiligung auf reges Interesse hindeutet. Es wurden Veranstaltungen organisiert, Plakate aufgehängt und Flyer gedruckt. Auch die Besucherzahlen auf der Homepage von Aurelio Zaccari sind hoch. Laut FDP-Wahlstabsleiter Thomas Ammann ist die Seite rund 13 000 Mal angeklickt worden. Warum also so wenige Leserbriefe?

Eine mögliche Antwort liefert Walter Frei. Er ist Leiter Zentrale Dienste im Amt für Gemeinden und verfolgt kommunale Wahlkämpfe im Kanton seit Jahren. «Wenn ein amtierender Gemeindepräsident herausgefordert wird, bleibt es in der Öffentlichkeit in der Regel ruhiger, als bei Neuwahlen», sagt Frei. Er vermutet vor allem zwei Gründe dafür: Bei Neuwahlen gelte es gemeinhin als legitim, für einen Kandidaten Position zu beziehen. Spreche man sich hingegen per Leserbrief für einen Herausforderer aus, müsse man befürchten, dass andere diese Stellungnahme als Kritik am Amtsinhaber auslegen könnten. «Die Gefahr einer Schlammschlacht ist grösser.» Und weil negative Wahlpropaganda bei Wahlen in St. Galler Gemeinden «glücklicherweise» verpönt sei, bleibe es eher ruhig. Das heisse allerdings nicht, dass es abseits der Öffentlichkeit nicht doch heiss zu und her gehen könne.

«Nicht vergleichbar»

Thomas Ammann von der FDP lässt durchblicken, dass der Wahlkampf in Waldkirch hinter den Kulissen tatsächlich hohe Wellen wirft. Er will sich aber nicht mehr dazu äussern. Der Entscheid liege nun bei den Wählern. Und diesen gelte es zu respektieren. Für Vreni Breitenmoser von der CVP sind die Wahlen in Wittenbach und Waldkirch nicht vergleichbar, da es sich in Wittenbach um eine Ersatzwahl gehandelt habe.

Bild: RAFAEL ROHNER

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