Warten auf den Elektroboom

Probefahren und Vorurteile abbauen: An der Autoshow können Interessierte heute nicht nur «Benzinschleudern», sondern auch rund 20 Modelle von Elektro-, Hybrid- und Gasautos testen.

Odilia Hiller
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«Auto des Jahres 2012»: Der Opel Ampera ist ein Elektroauto, das dank ergänzendem Benzinmotor bei Bedarf über 500 Kilometer weit kommt. (Bild: Ralph Ribi)

«Auto des Jahres 2012»: Der Opel Ampera ist ein Elektroauto, das dank ergänzendem Benzinmotor bei Bedarf über 500 Kilometer weit kommt. (Bild: Ralph Ribi)

Böse Zungen sagen: Elektroautos sind total hip, aber keiner will sie haben. Und: Angesichts der Tatsache, dass man sich ausser Coolsein und Umweltschutz auch Nachteile einkauft, kosten sie zu viel. – Böswillige Unterstellungen von Ahnungslosen, kontern Fans.

«Wir wollen nichts verkaufen»

Dass viele Vorurteile gegenüber Elektroautos ins Reich des gefährlichen Halbwissens gehören, davon sind auch die St. Galler Stadtwerke und das städtische Amt für Umwelt und Energie überzeugt. Zum zweitenmal können Interessierte deshalb anlässlich der diesjährigen Autoshow auch Neuheiten aus der Welt der Elektro-, Hybrid- und Gasautos kennenlernen und testen.

Laut Urs Schwegler, der mit seinem Unternehmen E-Mobile die ökologische Spezialschau für die Stadt durchführt, sind im Hinterhof der Vadianstrasse 8 heute zwischen 9 und 17 Uhr nur Fahrzeuge zu sehen, die es in St. Gallen und Umgebung zu kaufen gibt. Verschiedene Garagisten der Region stellen dafür ihre Exemplare zur Verfügung. «In der Bevölkerung bestehen viele Unsicherheiten und Berührungsängste», sagt Schwegler. So gilt es für ihn und seine Mitarbeiter, Fragen zu Reichweite, Lade- und Lebensdauer der Batterien und Preis-Leistungs-Verhältnis zu beantworten. «Unser Vorteil: Wir wollen nichts verkaufen und sind unabhängig von Marken und Importeuren.» Am häufigsten würden erfahrungsgemäss Bedenken bezüglich Reichweite der Elektroautos geäussert (siehe Kasten).

Kältetest überstanden

Modelle der neuesten Generation fahren derzeit zwischen 100 und 150 Kilometer am Stück. Dann muss nachgeladen werden, was mit einer aufgerüsteten, herkömmlichen Haushaltsteckdose bis zu acht Stunden dauern kann. «Ökologie ist immer zu 50 Prozent Mensch und zu 50 Prozent Technik», sagt Rolf Zollikofer, Geschäftsführer der gleichnamigen St. Galler Garage. «Das Elektroauto ist ein Wagen für den täglichen Gebrauch in der Agglomeration und eignet sich somit hervorragend als Zweitauto.»

Aus seinem «Stall» fahren gegenwärtig fünf reine Elektroautos praktisch geräuschlos auf St. Galler Strassen. Mehrheitlich handle es sich dabei um Geschäftsautos, ein Privater ist auch dabei. «Alle haben den Plausch damit, und die Wagen funktionieren einwandfrei», sagt Zollikofer. Auch den Kältetest der vergangenen Monate hätten sie schadlos überstanden.

Ehrgeizige Ziele

Noch scheint ein Elektroboom in weiter Ferne. Im gesamten Kanton sind gerade einmal 31 Elektroautos gemeldet. Geht es nach dem städtischen Energiekonzept, sollte der Treibstoff Elektrizität bis ins Jahr 2050 im Personenwagenverkehr 70 Prozent ausmachen…