Wartegg-Zukunft aus Geschichte

RORSCHACHERBERG. Die künftige Gestaltung des Warteggparks und der Bauten in ihm orientiert sich an Zeugnissen aus zwei Jahrhunderten. Neue rechtliche Grundlagen sichern das. Die Besucher des Informationsabends der Gemeinde stellen dazu keine Fragen.

Fritz Bichsel
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Der Warteggpark ist zu einem guten Teil gerettet und wird mit den bald aufliegenden Planerlassen des Gemeinderates noch weiter gehend vor Überbauung geschützt. Nach dem Millionenbeitrag an die Rettung des Parks entstehen der Gemeinde noch geringe Zusatzkosten; die Offenlegung des Bachs als grösste Ausgabe ist ohnehin fällig.

Ein grosses Paket

So lockt das Thema Wartegg, das vor sechs Jahren eine mit 1300 Unterschriften bezeugte Volksbewegung auslöste, nur 50 Besucher zur Information über die historischen und rechtlichen Grundlagen für die Zukunft. Dass von ihnen niemand eine Frage stellt oder seine Meinung äussert, hat wohl auch mit der Menge zu tun: 15 Quadratmeter Pläne und eine lange Liste Erlasse haben Fachleute und der Gemeinderat erarbeitet (Tagblatt vom 8. Februar). Das reicht vom neuen Zonenplan, der den Park grösstenteils als Grünzone sichert, über die Aufhebung der heute undenkbaren Pläne für Strassen bis weit über den Park hinaus zu Ersatzbauland und dem neuen Richtplan für ganz Rorschacherberg. Sogar ein Gesuch für «Rodung» im Park ist dabei. Gemeindepräsident Beat Hirs erläutert, dass es nur darum geht, eine als Wald klassierte Ecke rechtlich wieder zu dem zu machen, was sie ist: der Abschluss einer Allee.

Gewachsene Anlage bewahren

Wie der ganze Park wieder so entwickelt werden soll, wie er besonders von Anfang des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts gewachsen ist oder war, erläutert Claudia Friedl. Die Umweltwissenschafterin mit eigenem Büro und angehende Nationalrätin hatte bereits die Unterlagen für das Sammeln von Millionen für die Umwandlung von Bauland in Grünzone erarbeitet. Jetzt zeigt sie anhand alter Zeichnungen, Plänen und Fotos, was den Park trotz allen Wandels von Spätrenaissance bis Neubarock prägte und auch künftig prägen soll: Baumgruppen, die da und dort zu Wald gewachsen sind, Alleen, Gärten sowie Durchblick zu See und Berg. Dass das so bleibt oder wo nötig wiederhergestellt wird, sichern allgemein die Grünzone und bis hin zu Einzelbäumen die Schutzverordnung. Ebenfalls typisch ist das umfassende und weitgehend erhalten gebliebene Netz von Wegen, die nicht möglichst schnell durch den Park leiten, sondern einladen, auf Rundgängen alle Teile zu geniessen. Dass das jedermann möglich ist, sichert der neue Strassenplan.

Der Gemeindepräsident erläutert, dass diese öffentlichen Verbindungen als Gemeindewege 1. Klasse eingestuft und damit durch die Gemeinde unterhalten werden. Ebenso finanziert die Gemeinde die Wiederherstellung des Weges durch die Allee im Nordwesten samt der Restaurierung des Eingangstors.

Auch Gebäude wie früher

Auf Wartegg standen nebst dem im Lauf des halben Jahrtausends seit dem ersten Bau mehrmals um- und ausgebauten Schloss über Jahrhunderte auch ein grossen Wohnhaus und bis zu fünf Ökonomiegebäude. Der neue Zonenplan und der neue Überbauungsplan legen fest, dass das noch zulässige Bauland reduziert, an historischer Stelle konzentriert und nur für Bauten im Zusammenhang mit dem Betrieb von Schloss und Park genutzt wird.

Mehr Information

An diesem Informationsabend zeigt sich auch ein Wandel in der Informationspolitik des Gemeinderates. Statt nur Titel von Erlassen, zu denen sie Bedeutung und Details selber suchen müssen, erhalten die Bürger Erläuterungen und Einblick in die Dossiers. Die Erlasse und Pläne liegen 30 Tage im Gemeindehaus auf für allfällige Einsprachen. Die Zonenpläne unterstehen anschliessend dem Referendum, mit dem Bürger eine Abstimmung verlangen können.

Auf Wartegg gibt es seit Jahrhunderten Gärten, Baumgruppen und Alleen und standen meistens weitere Gebäude nebst dem vor einem halben Jahrtausend erbauten Schloss. (Bild: Gouache von 1854: Jakob Eggli/Lithographie von 1850: Johann Nepomuk Bommer)

Auf Wartegg gibt es seit Jahrhunderten Gärten, Baumgruppen und Alleen und standen meistens weitere Gebäude nebst dem vor einem halben Jahrtausend erbauten Schloss. (Bild: Gouache von 1854: Jakob Eggli/Lithographie von 1850: Johann Nepomuk Bommer)