Warnen vor der Tabakfalle

ST.GALLEN. Das jüngste Präventionsprojekt «Geködert» der Lungenliga St.Gallen klärt Mittelstufenschüler über die Machenschaften der Tabakindustrie auf.

Markus Löliger
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Fünft- und Sechstklässler machen beim interaktiven Tabakprävention-Workshop «Geködert» engagiert mit. (Bild: pd)

Fünft- und Sechstklässler machen beim interaktiven Tabakprävention-Workshop «Geködert» engagiert mit. (Bild: pd)

Kinder sind neugierig. Es entspricht ihrem Naturell, vieles auszuprobieren. «Beim Tabakkonsum ist das eine Crux», sagt Jürg Barben, Pneumologe und Allergologe am Ostschweizer Kinderspital. Kinder seien in der Entwicklung besonders empfindlich für Veränderungen durch giftige Stoffe im Tabak. «Um die Schädlichkeit wissen alle – auch die Kinder und Jugendlichen. Aber niemand lässt sich gerne hintergehen. Das ist der Ansatz des Projekts», sagt Barben.

«Das Ziel ist, aufzuzeigen, dass die Tabakindustrie die Inhaltsstoffe in den Raucherwaren verändert, um die rasch wirkende Abhängigkeit zu erhöhen und das korrekte Messen der gefährlichen Substanzen zu erschweren.»

Workshops in den Schulklassen

Im Zentrum von «Geködert» stehen Workshops für Kinder der 5. und 6. Klasse. Für Franziska Schärli, Projektleiterin bei der Lungenliga St.Gallen, ist das die Altersgruppe, in der viele Kinder ihre ersten Zigaretten probieren: «Der Workshop bestärkt die Kinder auf spannende und interaktive Weise, sich nicht ködern zu lassen. Sie erkennen in den Lektionen, dass ihnen Rauchen nur Nachteile bringt, die Suchtfalle unerwartet zuschnappt und die Tabakindustrie geschickte Strategien hat, um neue Kunden zu ködern.»

Das Konzept «Geködert» ist von der Lungenliga St.Gallen entwickelt worden, die auch entsprechende Workshopleiterinnen ausgebildet hat. Die Workshops sind ein Angebot an die Schule sowie Lehrerinnen und Lehrer der 5. und 6. Klassen. Sie können einen Workshop anfordern.

Die Lehrkräfte sind vom Angebot überzeugt, wie ihre Rückmeldungen zeigen. Die beiden Altstätter Lehrerinnen Rahel Sieber und Doris Popp würden den Workshop «unbedingt weiterempfehlen». Rahel Sieber: «Er ist sehr gut aufgebaut, holt die Kinder ab, die aktiv mitmachen können.» Doris Popp ergänzt: «Die Kinder sind sehr aufnahmefähig für dieses Thema. Die Präsentation hat einen guten Zugang zu ihnen, weil sie nicht mit dem Zeigefinger etwas anmahnt, sondern aufklärt. Das Resultat unter meinen Schülern: Wir lassen uns von der Tabakindustrie nicht über den Tisch ziehen.»

Prävention bei Kindern wichtig

«Der Organismus von Kindern und Jugendlichen befindet sich im Wachstum. Das sich entwickelnde Gehirn reagiert auf toxikologische Einflüsse des Nikotins, ein hochpotentes Nervengift, noch viel empfindlicher als das Gehirn Erwachsener», erklärt Jürg Barben vom Kinderspital.

«Auch andere Organe sind noch nicht ausgereift und können rascher Schaden nehmen durch die Gifte im Rauch. Die Lunge beispielsweise erreicht erst nach dem 20. Lebensjahr ihre volle Leistungsfähigkeit. Rauchen kann sich auf die Lungenentwicklung auswirken.» Der frühe Einstieg in den Tabakkonsum verstärke die Sucht, wie Untersuchungen zeigten.

Heute liegt das durchschnittliche Einstiegsalter zwischen 13 und 14 Jahren. «Allerdings steigen einzelne noch früher ein – schon im Alter von 11 oder 12 Jahren», weiss Projektleiterin Franziska Schärli aus vielen Untersuchungen.

Die Statistik zeigt einen Rückgang der Raucherquoten in den vergangenen Jahren. Dazu dürften nach Ansicht der Fachleute die Tabakpräventionsprogramme wesentlich beigetragen haben. «Bei den Schülerbefragungen können die gleichen Trends beobachtet werden wie für die gesamte Bevölkerung – nämlich ein Anstieg der Krankheitshäufigkeit zwischen 1990 und 2000 und danach ein dauerhafter Rückgang» sagt Franziska Schärli aufgrund des Suchtmonitorings Schweiz. Im Jahre 2013 rauchten 10,8 Prozent der 15- bis 19-Jährigen täglich und 11,9 Prozent gelegentlich.