Warmes Wasser beruhigt

WITTENBACH. Die Stiftung Kronbühl verfügt über ein eigenes Schwimmbad. Darin werden Therapiestunden für Menschen mit Behinderungen durchgeführt. Das Wasser öffnet der Therapie neue Türen.

Oliver Schneider
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Die Stiftung Kronbühl bietet Menschen mit Behinderungen Therapiestunden im eigenen Schwimmbad. (Bild: Ralph Ribi)

Die Stiftung Kronbühl bietet Menschen mit Behinderungen Therapiestunden im eigenen Schwimmbad. (Bild: Ralph Ribi)

WITTENBACH. Die Freude von Sämi ist gross. Er darf mit Tobias Fehrenbach schwimmen gehen. Mit weit aufgerissenen Augen schaut Sämi gespannt hin und her. Neben seiner körperlichen und geistigen Behinderung hat er auch eine angeborene Sehschwäche. Möglicherweise sieht er nur Hell-Dunkel-Kontraste, wie sein Physiotherapeut vermutet. Trotz allem liegt Sämi mit einem Lächeln auf dem Bett Richtung Schwimmbad.

Ein Schwimmbad für Therapie

Die Stiftung Kronbühl verfügt über ihr eigenes Schwimmbad. Es ist eines von zwei in Wittenbach, dient aber einem völlig anderen Zweck. Im Becken der Stiftung finden Therapiestunden für Menschen mit Behinderungen statt. Das Schwimmbad ist nicht öffentlich, man kann die Stiftung dennoch für eine private Nutzung anfragen. Das hat zum Beispiel Ursina Arnold gemacht und organisiert seitdem ein Babyschwimmen.

Zwei Becken dienen den Therapiestunden. Sie sind mit angenehm warmem Wasser gefüllt. Die Therapeuten können sich zudem verschiedene Tools zunutze machen. Das Schwimmbad verfügt über eine Lichtanlage, einen Lift, um Patienten sanft ins Wasser zu befördern, verschiedene Düsen, eine Musikanlage zur zusätzlichen Entspannung und haufenweise Gummi-Gegenständen, die Auftrieb bewirken.

Das Wasser öffnet neue Bereiche

Zur Stiftung Kronbühl gehören Kinder im Vorschulalter bis Erwachsene über 40 Jahre. «Hier spielt das Alter keine grosse Rolle», sagt Tobias Fehrenbach. Er ist froh über das Schwimmbad im eigenen Haus. Im Wasser würden der Therapie vollkommen neue Bereiche offenstehen. Je nach Behinderung seien die Stunden im Wasser anders aufgebaut. Manchmal gehe es schlichtweg um die Wahrnehmung, das Erlebnis im Wasser zu sein. «Dazu setzen wir Wasserbälle und Spielzeug ein», sagt Tobias Fehrenbach. Auf der anderen Seite gebe es auch Patienten, bei denen man im Wasser versucht, ihre körperlichen Einschränkungen zu behandeln. Sämi ist ein solcher Fall.

Patient hat mehr Energie

Nach dem Duschen geht es ins Schwimmbecken. Sämi wird auf den Lift gehoben, der ihn ganz langsam und sanft ins warme Wasser lässt. Tobias legt ihm eine Gummischlange zur Unterstützung unter die Beine und ein auftreibendes Kissen unter den Kopf. Zuerst soll sich Sämi in den Armen von Tobias Fehrenbach einmal an das Wasser gewöhnen. «Bei dieser Therapie werden die Eigenschaften des Wassers eingesetzt, der Auftrieb und der Widerstand», erklärt der Physiotherapeut. Dadurch werde das Gewicht reduziert und der Patient habe mehr Energie. Die Mitarbeit der Patienten sei im Schwimmbad viel grösser als bei einer Physiotherapie im Trockenen. Wasser sei für sie sehr angenehm und hinterlasse einen positiven Eindruck. Als zweiter Schritt wird gedehnt und so die Körperteile mit Einschränkungen aktiviert. Auch Sämi lässt die Prozedur in Ruhe über sich ergehen. «Durch den Auftrieb des Wassers ist seine Haltung gerader als sonst», sagt Tobias Fehrenbach. Es scheint schon fast eine Wohltat für Sämi, sich dem Wasser einfach hinzugeben.

Tobias Fehrenbach Physiotherapeut der Stiftung Kronbühl (Bild: Oliver Schneider)

Tobias Fehrenbach Physiotherapeut der Stiftung Kronbühl (Bild: Oliver Schneider)

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