Warmer und trockener November

Der vergangene November war der drittwärmste seit Messbeginn 1864. Viel Sonne bescherte der Region am Bodensee eine durchschnittliche Temperatur von 7,5 Grad – 3,1 Grad über der Norm 1981–2010.

Andreas Walker
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Ein Martinisommer verursachte einen überdurchschnittlich warmen und sonnigen November. Blick vom Rossbüchel über den Bodensee. (Bild: Andreas Walker)

Ein Martinisommer verursachte einen überdurchschnittlich warmen und sonnigen November. Blick vom Rossbüchel über den Bodensee. (Bild: Andreas Walker)

REGION AM SEE. Der November startete sonnig und warm und er sollte es noch längere Zeit bleiben. Die ersten zwei Monatsdrittel standen fast durchwegs unter Hochdruckeinfluss mit Warmluftzufuhr aus südwestlicher und westlicher Richtung, begleitet von viel Sonnenschein. Die Tagesmitteltemperatur vom 1. bis am 20. November stieg in den Bergen oft 6 bis 10 Grad, vereinzelt auch 10 bis 12 Grad über die Norm 1981–2010. Die mildesten Bedingungen herrschten vom 7. bis am 13. November. Nach Angaben von MeteoSchweiz wurden an elf Messstandorten mit über 50jährigen sowie an 17 Messstandorten mit über 30jährigen Messreihen neue Novemberrekorde bei der Tagesmaximum-Temperatur registriert. Die anhaltend milden Hochdruckverhältnisse wurden jeweils nur kurzfristig von mehreren schwachen Störungen unterbrochen.

Milder und sonniger November

Dank anhaltendem Hochdruckwetter mit Warmluftzufuhr aus südwestlicher und westlicher Richtung wurde in der Schweiz nach Angaben von MeteoSchweiz der drittwärmste November seit Messbeginn 1864 registriert. Im landesweiten Mittel stieg die Monatstemperatur 2,6 Grad über die Norm 1981–2010. Am Bodensee betrug die durchschnittliche Novembertemperatur 7,5 Grad und war damit 3,1 Grad zu warm.

Im Herbst setzte sich die seit Sommermitte anhaltende Niederschlagsarmut weiter fort. In der ganzen Schweiz weitgehend niederschlagsfrei blieben die ersten drei Novemberwochen. Auch am Bodensee war der Niederschlag unterdurchschnittlich. Das Novembermittel betrug 61 Liter pro Quadratmeter und entsprach damit lediglich 89 Prozent des langjährigen Mittels. Langanhaltendes Schönwetter und wenig Nebel brachten der ganzen Schweiz viel Sonne. Vor allem in den ersten drei Novemberwochen. An einigen Messstandorten war es einer der sonnigsten, in Luzern der sonnigste November in der ab 1961 verfügbaren Messperiode. Auch am Bodensee wurde im November eine Sonnenscheindauer von 99 Stunden registriert, was satten 187 Prozent des langjährigen Mittels entspricht.

Schnee bis ins Flachland

Ab dem 21. November wurde der aussergewöhnliche Martinisommer beendet. Ein kräftiger Polarluftvorstoss aus Norden liess die Tagesmitteltemperatur in den Bergen verbreitet 5 bis 8 Grad unter die Norm sinken. Im Flachland der Alpennordseite sanken die Temperaturen verbreitet 2 bis 5 Grad unter die Norm.

In der klaren Nacht vom 23. auf den 24. November sank die Temperatur in den Hochtälern des Juras und der Alpen auf sehr tiefe Werte. Spitzenreiter war La Brévine mit –23,4 Grad. Die Alpennordseite und das Wallis erhielten vom 20. bis zum 23. November die ersten ausgiebigen Niederschläge in diesem Monat, der bis dahin weitgehend niederschlagsfrei blieb. Sowohl am 21. als auch am 22. November fiel Schnee bis in tiefe Lagen. Die letzten Novembertage waren wieder sehr mild und klangen aus mit Regen und stürmischen Westwinden.

«Wunder» des heiligen Martins

Der Martinisommer war in diesem November besonders ausgeprägt. Der Name stammt aus dem Mittelalter des christlichen Abendlandes und geht der Legende nach auf den heiligen Martin im französischen Tours zurück. Nach dem Besuch eines neugegründeten Klosters soll der damalige Bischof unerwartet gestorben sein. Als sein Leichnam auf der Loire in die Stadt transportiert wurde, erfolgte ein starker Wärmeeinbruch und die Natur begann neu zu blühen wie im Frühling. Dieses «Wunder» wurde dem heiligen Martin zugeschrieben, dessen Namenstag die katholische Kirche am 11. November feiert. Der Martinisommer gehört zu den meteorologischen Singularitäten. Dies sind Wetterlagen, die zu bestimmten Zeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit auftreten und damit vom scheinbar normalen Witterungsverlauf eine grosse Abweichung bewirken.