Waren aus Garagen-Shop gestohlen

Im Zubehör-Shop einer Garage fehlten Ende 2008 Waren im Wert von 70 000 Franken. Haben sich da Angestellte selber bedient? Diese im konkreten Fall nicht ganz einfache Frage muss das Kreisgericht St. Gallen nächste Woche klären.

Claudia Schmid
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Im Februar 2009 erstattete eine St. Galler Garage bei der Kantonspolizei Strafanzeige gegen Unbekannt. Sie hatte festgestellt, dass eine Festplatte und Waren im Wert von mehreren zehntausend Franken gestohlen wurden. Auf der Festplatte waren sämtliche Geschäftsabläufe und das Inventar des Shops gespeichert.

Arbeitskollege belastet

Bei den Ermittlungen der Untersuchungsbehörde fiel der Verdacht auf einen Angestellten des Zubehör-Shops.

Man warf ihm vor, zwischen 2003 und 2008 Waren aus dem Lager verkauft und den Erlös selber kassiert zu haben. Die Festplatte habe er entwendet, um die Veruntreuung zu vertuschen. Laut Anklageschrift gestand er einen Teil der Vorwürfe. Er gab an, dass er über einen längeren Zeitraum monatlich für 500 Franken Waren ohne Quittung verkauft habe. Insgesamt handle es sich um rund 30 000 Franken. Dieses Geld habe er teils für die Familie verwendet, teils auf sein Konto einbezahlt.

Zudem sagte er aus, sein Stellvertreter habe «mit höchster Wahrscheinlichkeit» ebenfalls veruntreut. Den Diebstahl der Festplatte bestritt er.

Geständnis widerrufen

Wenige Wochen später widerrief er sein Geständnis. Er habe die Vorwürfe unter Druck bestätigt, begründete er. Auch belastete er seinen Arbeitskollegen nicht mehr. Es sei unmöglich, dass dieser etwas mit der Sache zu tun habe.

Vom Fehlen der Ware habe er gewusst und dies darauf zurückgeführt, dass der Zubehör-Shop für Kunden und Verkäufer offen zugänglich gewesen sei.

Die Anklage ist überzeugt, dass der Angeklagte die Waren veruntreut und die Festplatte gestohlen hat. Sie fordert eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten mit einer Probezeit von drei Jahren.

Serviceangestellte belästigt

Beim mitangeklagten Arbeitskollegen geht die Anklage davon aus, dass er in dieser Sache unschuldig ist. Die erste Aussage des Hauptverdächtigen könne man als Schutzbehauptung werten, um nicht alleine für die Veruntreuung verantwortlich zu sein, begründet sie den Freispruch.

Der Angestellte muss sich am Donnerstag aber dennoch vor den Schranken verantworten.

Einerseits wurde bei einer Hausdurchsuchung ein Navigationsgerät gefunden, welches er bei der Garage nicht vorschriftsgemäss ausgebucht hatte. Andererseits wird er beschuldigt, in einem Lokal eine Serviceangestellte sexuell bedrängt zu haben.

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Mann wegen Veruntreuung oder Diebstahl und sexueller Belästigung eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 70 Franken und eine Busse von 900 Franken.

Tat bestritten

Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe. Das Navigationsgerät habe er mitgenommen, um es ordnungsgemäss seinem Schwager zu verkaufen. Er habe lediglich vergessen, das Gerät auszubuchen. Zur fraglichen Zeit sei er bereits zu Hause gewesen, sagte er zum Vorwurf der sexuellen Belästigung. Bis zum rechtskräftigen Urteil des Kreisgerichts St. Gallen gilt für beide Angeschuldigten die Unschuldsvermutung.