WANDERUNG: Auf dem Weg zur Kinderstube

Untiefen, Wasserfall, Fischtreppe – Seeforellen haben in der Goldach auf dem Weg zu ihren Laichplätzen mit Hindernissen zu kämpfen. Ob sie dies erfolgreich tun, weiss der Fachbereichsleiter Fischerei.

Rudolf Hirtl
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Dieses Jahr wurden erst wenige Seeforellen in der Goldach beim Aufstieg zu ihren Laichgründen beobachtet.Bilder/Montage: Rudolf Hirtl

Dieses Jahr wurden erst wenige Seeforellen in der Goldach beim Aufstieg zu ihren Laichgründen beobachtet.Bilder/Montage: Rudolf Hirtl

Rudolf Hirtl

rudolf.hirtl@tagblatt.ch

Sie haben es nicht leicht, jene Seeforellen, die in diesen Tagen in die Goldach einsteigen, sich bis auf Höhe Blumenhalden kämpfen, um dort ihre Eier ins Kiesbett zu legen. Der Zugang bei der Mündung ist derzeit nur ein kleines Rinnsal. Es hat gerade genug Wasser, damit die bis 90 Zentimeter langen und acht bis neun Kilo schweren Forellen mit einem Kraftakt in den Fluss gelangen können. Auf dem weiteren Weg überwinden die Fische seichte Stellen und Stufen, ehe mit dem Wasserfall bei der Kellenbrücke die erste echte Herausforderung wartet. Im Jahr 2010 wurden dort acht Becken in den Fels gemeisselt, damit Seeforellen ihren Aufstieg fortsetzen können.

Noch mehr künstliche Becken, nämlich nicht weniger als 31 bei der 2009 erstellten Fischtreppe, helfen Seeforellen, das weiter oben liegende Wehr beim Kraftwerk Bruggmühle zu überwinden. Über die genaue Anzahl aufsteigender Laichtiere können laut Michael Kugler vom kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei zwar keine Aussagen gemacht werden. Das extensive Monitoring an der Goldach habe jedoch bestätigt, dass sowohl im Winter 2014/15 als auch 2015/16 Seeforellen über beide Hindernisse aufgestiegen seien und oberhalb der Hindernisse gelaicht hätten. «Die oberste Laichgrube, die nachgewiesen werden konnte, lag im Bereich Bluemen-egg. Wir gehen aber davon aus, dass der grössere Teil der in die Goldach einsteigenden Seeforellen nach wie vor unterhalb der Hindernisse ablaicht – aus was für Gründen auch immer.»

Viele Arten sind bedroht oder bereits ausgestorben

Obwohl beide Hindernisse also durchwanderbar seien, wisse man auch, dass trotzdem jede Fischtreppe eine Einschränkung sei und selektiv wirke. «Tendenziell stellen wir generell fest, dass sowohl bei den Laichtieren in der Goldach als auch in der Gesamtpopulation der Bodensee-Seeforellen die Bestände im besten Fall auf tiefem Niveau konstant sind. Daher: Die Bodensee-Seeforelle ist nach wie vor stark schutzbedürftig.»

Laut Michael Kugler bestätigt sich zunehmend, dass die Migration der Seeforellen (wie auch die Überlebens- und Schlupfrate der Eier im Kiesbett) massgeblich von den jährlichen hydrologischen Verhältnissen bestimmt ist. Und hier gebe es von Jahr zu Jahr starke Unterschiede; schweizweit stelle man eine Verschiebung der Niederschläge im Jahresverlauf und in der Häufigkeit fest. «Wenn Niederschläge fehlen, können die Seeforellen in der Goldach und in der Steinach nicht oder nur sehr eingeschränkt vom See in ihre Laichgewässer einsteigen. Seeforellen steigen bei Regenpeaks.» Der jetzige Winter sei diesbezüglich typisch. Seit Wochen habe es kaum Regen gegeben. Entsprechend hätten bisher auch praktisch keine Seeforellen in Steinach und Goldach nachgewiesen werden können. Auch sei bekannt, dass vor allem die Ersteinsteiger die Langdistanzwanderer seien.

Hat sich die Investition von 400000 Franken in die Fischtreppe dennoch gelohnt? «Unbedingt, auch wenn der Erfolg nicht jedes Jahr gegeben ist», zeigt sich Kugler überzeugt und verweist darauf, dass der aquatische Lebensraum starke Defizite aufweise. Viele darin lebende Arten seien bedroht oder bereits ausgestorben.