WALTERZOO: Schimpansen bekommen kalte Füsse

Die kühleren Temperaturen der vergangenen Tage bekommen auch die Tiere im Walter-Zoo zu spüren. Auf die frische Luft müssen viele von ihnen aber nicht verzichten: So gut es geht, wird den Tieren die Wahl überlassen, ob sie drinnen oder draussen sind.

Manuela Bruhin
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Im Moment ist es den Schimpansen doch lieber im Innenbereich und in der Wärme. (Bild: Ralph Ribi (18. Oktober 2016))

Im Moment ist es den Schimpansen doch lieber im Innenbereich und in der Wärme. (Bild: Ralph Ribi (18. Oktober 2016))

WALTERZOO. Ein bedeckter Himmel, Temperaturen unter zehn Grad und eine eisige Bise. Die Kamele betteln draussen um Futter, der Waschbär hingegen hat sich in seiner Höhle zusammengerollt und schläft. Trotz des nicht gerade einladenden Wetters kommen einige Besucher in den Walter-Zoo, schliesslich wollen die Kinder gerade in den Herbstferien beschäftigt werden. «Wir sind natürlich sehr wetterabhängig», erklärt Karin Federer, Zootierärztin und Mitglied der Geschäftsleitung. Die vergangenen Wochen war das Wetter eher schlecht, die Sonnentage rar. Entsprechend unterschiedlich waren auch die Besucherzahlen des Zoos. Gerade deshalb versuchen die Verantwortlichen, mit speziellen Aktivitäten das Programm so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. So wurde etwa ein Naturschutz-, ein Zooforscher- und ein Abenteuertag veranstaltet.

Lebensbedrohliche Kälte für Reptilien

Wie schön der Altweibersommer auch war, der Herbst kam mit voller Wucht. Die kalten Temperaturen lassen nicht nur Menschen frösteln, auch die Tiere im Walter-Zoo müssen sich an die Kälte erst gewöhnen. Gerade die Reptilien sind sich an wärmere Regionen gewöhnt. «Die Alligatoren haben wir deshalb bereits ins Innere gebracht», sagt Federer. Die Tiere würden die Kälte anders als wir empfinden und sich bei den tiefen Temperaturen ins Wasser zurückziehen. Wenn dieses dann nur wenige Grad misst, kann das für die Reptilien gefährlich, wenn nicht sogar lebensbedrohlich werden. Auch die Spornschildkröten, die während der Sommermonate fast ausschliesslich auf der Wiese anzutreffen sind, wurden hinter die Kulissen gebracht. «Sie sind für die Besucher nicht mehr sichtbar», erklärt Federer. Deshalb warte man umso sehnlicher auf das neue Savannenhaus, welches zusammen mit der Löwenanlage gebaut wird. Denn dann seien die Schildkröten während des ganzen Jahres zu beobachten.

Besorgte Besucher

Anders sieht es bei den Schimpansen aus. Sie haben stets die Möglichkeit, selber zu entscheiden, ob sie sich drinnen oder im Aussengehege aufhalten wollen. «Derzeit fallen ihre Besuche draussen jedoch merklich kürzer aus», sagt Federer. Der Tiger hingegen sei bei kälteren Temperaturen fast häufiger als im Sommer draussen anzutreffen. In seinem Herkunftsland Sibirien ist es im Winter empfindlich kalt – die Tiere sind sich Schnee und Eis also gewohnt. Ähnlich wetterfest zeigen sich auch die Kamele im Walter-Zoo. Bereits hat sich ihr Fell verdichtet und so auf den Winter eingestellt. «Der Fellwechsel stiftet immer wieder Verwirrung bei den Besuchern», sagt Federer. Im Frühjahr verlieren sie ihren Winterpelz, das Fell hängt vielfach in Fetzen herunter. Im Sommer sind sie so einige Wochen fast nackt unterwegs, bis sich das Fell wieder auf kühlere Temperaturen einstellt und zu wachsen beginnt. Federer: «Die Leute sind dann besorgt und fragen, ob die Tiere krank seien.»

Bleiben die Temperaturen in der nächsten Zeit so tief, werden sich die Stinktiere und Waschbären bald in die Winterruhe verabschieden. Sie verlassen ihre Höhle dann nur selten und sind fast ausschliesslich am Schlafen. Zuvor wird aber noch ein «Herbstcheck» gemacht, bei dem die Zootierärztin den Allgemeinzustand, das Gewicht und die Zähne kontrolliert. Im Frühjahr wird das Gleiche wiederholt. Grundsätzlich orientiere man sich eng an den natürlichen Verhältnissen. «Wir lassen den Tieren, wenn immer möglich, die Entscheidung, ob sie sich lieber drinnen oder draussen aufhalten wollen.»