WALDKIRCH: Waldkirch ist grüner als St.Gallen

Immer mehr Hausbesitzer setzen auf Photovoltaikanlagen, ein Boom macht sich auch in der Region Gossau bemerkbar. Vor allem in Waldkirch, wo es verhältnismässig am meisten Anlagen gibt. Die Stadt St. Gallen hinkt regelrecht hinterher.

Sebastian Schneider
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Auf Waldkircher Dächern gibt verhältnismässig viele Solaranlagen. (Bild: Benjamin Manser)

Auf Waldkircher Dächern gibt verhältnismässig viele Solaranlagen. (Bild: Benjamin Manser)

WALDKIRCH. Bei Spaziergängen durch Gossau, Waldkirch und Andwil lassen sich immer mehr Hausdächer beobachten, die mit Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) bedeckt sind. Der Eindruck täuscht nicht, zeigen doch Zahlen, dass schon manche Kilowattstunde Strom durch Sonnenenergie gewonnen wird. Und so spricht man bei den Gemeindeverwaltungen auch von «guten Werten» und «regem Interesse an dieser Technologie».

Mehr Solarstrom als in St. Gallen

In Gossau wurden 2015 auf diese Weise 5,6 Millionen Kilowattstunden elektrischer Strom produziert (Tagblatt von gestern). Erstaunen mag vor allem der Vergleich mit der Stadt St. Gallen, die gemessen an der Einwohnerzahl etwa viermal grösser ist. In der Kantonshauptstadt gibt es nach Angaben des Amtes für Umwelt und Energie zwar etwas mehr Anlagen als in Gossau, die Stromerzeugung 2015 durch Sonnenenergie ist aber mit 5,63 Millionen Kilowattstunden nur leicht höher als in Gossau. Gossau hat gemäss diesen Angaben also die fast viermal höhere Dichte an PV-Anlagen als die Stadt St. Gallen.

Boom in Waldkirch

Doch nicht nur Gossau, auch dessen Nachbargemeinden weisen stolze Zahlen aus: In Andwil haben circa 30 Anlagen eine halbe Million Kilowattstunden Strom erzeugt, in Gaiserwald waren es 96 PV-Anlagen, die im vergangenen Jahr 1,2 Millionen Kilowattstunden Strom produzierten. In Waldkirch haben noch mehr Hausbesitzer und Firmen aufgerüstet: 2015 wurden über 1,5 Millionen Kilowattstunden Strom produziert. Nach dem neusten Stand gibt es im 3500-Seelen-Dorf bereits 88 PV-Anlagen. Über den grossen Zuwachs an erneuerbaren Energien wird auch im Waldkircher Amtsbericht 2015 geschrieben. Die Stromproduktion durch PV-Anlagen liege über dem kantonalen Durchschnitt, heisst es darin. Und da auch im Bereich Wärme mehr und mehr auf erneuerbare Energien gesetzt werde, befänden sich Waldkirch und Bernhardzell «auf dem besten Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft». Mit rund 4450 Watt pro Einwohner liege man jedenfalls deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt von 6300 Watt pro Einwohner.

Geld vom Staat hilft

Seit PV-Anlagen durch die öffentliche Hand gefördert werden, hat sich die Zahl der Anlagen massiv vergrössert. In Gossau mögen auch die etwas zu grosszügigen Anreize ihren Teil an den vielen Anlagen geleistet haben. Doch das erklärt nicht den Boom in Waldkirch. Und auch nicht in der Stadt Wil. Dort sind gemäss dem Baukontrolleur allein in den vergangenen drei Jahren 155 neue PV-Anlagen installiert worden.

Elektra zahlt Beitrag

Finanzielle Unterstützung bieten ohnehin fast alle Gemeinden. In Andwil etwa bekommen Solarstromproduzenten 15 Rappen pro Kilowattstunde, sofern sie nicht mehr als 10 000 Kilowattstunden einspeisen und keine andere Vergütung erhalten. Der Beitrag werde durch die Elektra finanziert, erklärt Dominik Gemperli, Andwiler Gemeindepräsident. In Waldkirch gibt es ebenfalls 15 Rappen pro Kilowattstunde. Dort ist gemäss Christian Tresch, Betriebsleiter der Elektra, ein schriftlicher Nachweis Voraussetzung für die finanzielle Unterstützung.