WALDKIRCH: Für jeden Geschmack etwas dabei

Der Christbaumverkauf geht in die heisse Phase. Einen Tag vor Heiligabend haben die meisten ihren Baum bereits ausgesucht. Eine Sorte hat hier klar die Nase vorn.

Manuela Bruhin
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Helen Keller-Ledergerber schneidet eine Tanne zurecht. (Bild: Manuela Bruhin)

Helen Keller-Ledergerber schneidet eine Tanne zurecht. (Bild: Manuela Bruhin)

Manuela Bruhin

redaktiongo@tagblatt.ch

Es ist kalt und neblig an diesem Abend. Auf dem Platz der Familie Keller-Ledergerber in Waldkirch stehen die Schmuckstücke für die Stube in Reih und Glied: kleine und grosse, bauchige oder doch eher schlanke Tannenbäume aus der Region. Über mangelnde Arbeit kann sich Helen Keller-Ledergerber nicht beklagen. An die 150 Bäume wechseln auf ihrem Hof die Besitzer. «Der Christbaumverkauf ist zusammen mit dem Direktverkauf von Obst eine sehr arbeitsintensive Zeit», sagt sie. «Aber die Zeitspanne ist begrenzt, die Arbeit ist spannend und gefällt mir.»

Rund zwei Wochen dauert das Christbaumgeschäft. Viele Stammkunden haben sich über die Jahre hier ihren Baum geholt, aber auch neue Gesichter würden sich dazugesellen. Angefangen hat alles vor etwa 15 Jahren, als ein Bekannter der Familie anfragte, ob er seine Bäume an diesem Standort verkaufen dürfe. Seither steht Helen Keller-Ledergerber Jahr für Jahr auf dem Platz, schneidet die Tannen zurecht, hilft bei der Auswahl und beim Verladen.

Nach sieben Jahren wird Tanne gefällt

Von drei Bauern aus der Region stammen die Bäume, ein kleiner Teil gar aus dem heimischen Wald. Das ergebe eine gute Durchmischung, so Keller-Ledergerber. Schliesslich habe jeder Bauer seine eigene Christbaumkultur. Ihr Mann Hans hilft bei der Auswahl der Christbäume, markiert diese im Wald, hilft beim Transport. Waren früher noch verschiedene Arten darunter, wird heute nur noch eine Sorte verkauft: die Nordmanntanne. «Sie ist langlebig, schön im Wuchs und nadelt kaum», so Keller-Ledergerber. Die Preisspanne erstreckt sich von 35 bis hin zu rund 85 Franken. Angeschrieben sind die Bäume auf dem Hof der Waldkircher Familie aber nicht. «Nicht für jede Tanne, die zwar gleich gross ist, kann ich gleich viel verlangen», sagt die Bäuerin. Die Bäume würden sich vom Wuchs und der Dichte unterscheiden. Eine 1,5 Meter hohe Nordmannstanne wächst im Durchschnitt rund sieben Jahre, bis sie gefällt und als Christbaum verkauft werden kann. Eine lange Zeit – und eine ebenso harte Arbeit, die dahinter steckt. «Den meisten Kunden ist es sehr wichtig, dass die Bäume aus der Region stammen», sagt Helen Keller-Ledergerber.

Zum jetzigen Zeitpunkt seien die meisten Tannen bereits verkauft. Trotzdem werden auch Kurzentschlossene noch fündig. Für Helen Keller-Ledergerber ist es wichtig, dass jeder den passenden Christbaum erhält. Deshalb verkauft sie auch nur ungern in der Dunkelheit. Das Ziel sei natürlich auch in diesem Jahr, dass kein Baum übrig bleibt – vermeiden lässt sich dies dennoch nicht. Zumindest für einen von ihnen kommt am Ende doch noch alles gut. Denn: «Jeweils am 23. Dezember wählen wir von den verbliebenen Bäumen einen aus, passen ihn an und stellen ihn in die Stube.»

Tannen im Topf sind kein Renner

Neben den traditionellen Weihnachtsbäumen gibt es in der Region auch solche, die im Topf zu kaufen sind. So soll verhindert werden, dass die Bäume gleich nach den Festtagen auf dem Kompost landen. Stattdessen können sie wieder in die Erde gesetzt werden oder auf der Terrasse im Topf bleiben. Die Landi Schweiz AG bietet seit gut fünf Jahren Christbäume im Topf an. Laut Mediensprecherin Sonja Schild ist die Nachfrage jedoch eher gering. Gerade mal circa 3,5 Prozent der verkauften Weihnachtsbäume bei Landi stehen im Topf. «Die Tendenz ist leicht steigend», sagt Schild. Aufgrund der geringen Nachfrage verzichten auch die Landi-Filialen in Wittenbach, Mörschwil, Gossau und Waldkirch auf topfgewachsene Bäume. Ein Grund für die geringe Nachfrage sieht Schild unter anderem darin, dass nicht jeder nach Weihnachten eine Tanne im Garten stehen haben möchte – oder keinen Platz dafür hat. Schild: «Da die Bäume nicht gleich im Winter in den Garten können, müssen sie noch an einem hellen, kühlen Standort überwintert werden. Ein zusätzlicher Aufwand.» Auch bei Migros und Coop gibt es Tannen im Topf. Laut Migros-Sprecherin Aurélie Deschenaux zieht die Mehrheit der Kunden jedoch die Schnittvariante vor. «So können sie auch einen grossen Baum zu Hause aufstellen.»

Weiter geht die welsche Firma Ecosapin. Diese vermietet Weihnachtsbäume an Schweizer Haushalte. Anstatt die Tannen zu entsorgen, sollen sie im Januar wieder zurückgebracht, in die Erde gesetzt und somit mehrmals wiederverwendet werden können. Mit dem Gärtnermeister Viktor Gschwend aus Neukirch-Egnach hat die selbstständige Firma dieses Jahr einen Ostschweizer Partner gefunden.

Für Landi, Coop oder Migros ist Vermieten derzeit jedoch kein Thema, da dies mit einem grossen organisatorischen Aufwand verbunden wäre. Gemäss Coop-Sprecher Ramón Gander sei zudem die logistische Rückführung in die Baumschulen wenig ökologisch. (woo)